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Drama im letzten Duell: Der Auftritt von Konstantin Schneider (in Blau) gegen Weingartens Frank Stäbler war symptomatisch für den großen Kampfgeist der Ispringer im Vorkampf um die deutsche Meisterschaft. Bei einem Überwurf kugelte sich Schneider die Schulter aus und kämpfte dann doch noch weiter, um den Punktverlust zu minimieren.
Drama im letzten Duell: Der Auftritt von Konstantin Schneider (in Blau) gegen Weingartens Frank Stäbler war symptomatisch für den großen Kampfgeist der Ispringer im Vorkampf um die deutsche Meisterschaft. Bei einem Überwurf kugelte sich Schneider die Schulter aus und kämpfte dann doch noch weiter, um den Punktverlust zu minimieren. © Ripberger
08.01.2017

Mit lädierter Schulter weitergekämpft: Ispringer Ringer geben alles im ersten DM-Finale

Die Weingartener Walzbachhalle drohte mit rund 1500 Zuschauern aus allen Nähten zu platzen. Und auch das spannungsgeladene Treiben auf der Ringermatte war eines Finalkampfs zur deutschen Mannschaftsmeisterschaft würdig. Genauso wie die Gesangseinlage des Pforzheimer Tenors Jay Alexander, der die deutsche Nationalhymne zum Besten gab. Im ersten DM-Duell hatten am Ende erwartungsgemäß die Gastgeber vom SV Germania 04 Weingarten mit 13:9 die Nase vorn. Denn der zweimalige Titelträger war gegen den KSV Ispringen aufgrund der Stilartenkonstellation beim Vorkampf etwas stärker einzuschätzen.

„Ich habe zwar damit gerechnet, dass wir den ein oder anderen Punkt mehr holen. Aber im Rückkampf ist noch alles möglich“, zeigte sich KSV-Trainer Bernd Reichenbach trotzdem optimistisch. Dass die Ringer aus dem Kämpfelbachtal bis zum Schluss alles gegeben hatten, zeigte sich beispielhaft im zehnten und letzten Kampf am Samstagabend. Mit 9:10 lagen die Ispringer in der Gesamtrechnung zurück, als Konstantin Schneider in der Griechisch-Römisch-Gewichtsklasse bis 86 Kilo auf den Weingartener Neuzugang Frank Stäbler traf. Für Schneider ging es im Duell mit dem amtierenden Weltmeister eigentlich nur darum, so wenig Punkte wie möglich abzugeben. Das beherzigte der 42-jährige KSV-Routinier auch dann noch, als er sich bei einem Überwurf seines Gegners die Schulter auskugelte. Während die Zuschauer auf den Krankenwagen warteten, stand Schneider nach kurzer Behandlung wieder auf und machte weiter.

Der Lohn: Statt vier Punkte wegen Aufgabe durch Verletzung flossen nur drei Zähler auf das Weingartener Konto. Beim Rückkampf am kommenden Samstag in der Pforzheimer Bertha-Benz-Halle könnte sich das unter Umständen entscheidend auswirken. „Kosta ist halt ein Phänomen, einfach unverwüstlich“, lobte Alen Kovacevic, der Sportliche Leiter des KSV Ispringen. Und Teamkollege Marcel Ewald fügte hinzu: „Das zeigt doch, dass wir eine geile Truppe sind, die kämpfen kann.“ Ewald selbst hatte zuvor in der 57er-Freistilklasse das DM-Finale eröffnet. Bei seinem Weg auf die Matte musste sich der ehemalige Weingartener zuerst Beschimpfungen und Pfiffe aus dem Publikum gefallen lassen. Dennoch holte er gegen Vladimir Egorov einen 0:3-Rückstand auf, musste sich seinem Weingartener Kontrahenten aber knapp mit 0:1 und 4:5-Mattenpunkten geschlagen geben.

Schlecht lief es für die Ispringer besonders in den niedrigen Gewichtsklassen. Hier gaben auch die Griechisch-Römisch-Spezialisten Ibrahim Fallacara (61 Kilo: 0:2/2:5-Mattenpunkte gegen Dustin Scherf) und Muhammed Yasin Yeter (66 Kilo: 0:2/0:6 gegen Ionut Panait) ihre Gefechte ab.

Ganz dick kam es für Mihail Sava (66 Kilo/Freistil). Gegen den kubanischen Weltklasseringer Alejandro Valdes kam der Moldawier bereits nach 48 Sekunden unter die Räder, als er nach einem Überraschungsangriff mit Beinschrauben über die Matte gewirbelt wurde. Bei 16:0-Zählern holte sich der Kubaner die technische Überlegenheit. „Allein schon dieser Kampf war das Eintrittsgeld wert“, hielt der Weingartener Trainer Frank Heinzelbecker fest.

Die schwereren Jungs auf Ispringer Seite machten derweil einen guten Job. Olympiateilnehmer Johan Euren (130 Kilo/Greco) hatte seinen Widersacher Oliver Hassler im Griff und holte zwei Zähler (6:1). Sein schwedischer Landsmann Zakarias Berg (86 Kilo/Greco) trumpfte ebenso eindrucksvoll auf und besiegte den Weingartener Jan Rotter mit 3:0 (9:1). „Ein paar Fehler weniger und ich hätte ihn noch deutlicher schlagen können“, ärgerte sich der 21-Jährige.

Auch Radoslaw Baran biss sich in der 98er-Freistilklasse durch. Gegen Magomedgadzhi Nurov geriet der Pole zwar zunächst in Rückstand, behielt letztlich aber mit 1:0 (4:2) die Oberhand. Ähnlich lief es bei Michael Kaufmehl (86 Kilo/Freistil), der die knappe 0:1-Niederlage (4:6) gegen den Weingartener William Harth allerdings nicht verhindern konnte.

Punktegarant für die Ispringer war einmal mehr Kakhaber Khubezthy (75 Kilo/Freistil), der etwas grippegeschwächt seinen Widersacher Georg Harth sicher mit 3:0 (10:0) bezwang. „Weingarten hat nun einen Vorsprung, aber den können wir mit einer guten Leistung in Pforzheim wettmachen“, war sich der Ispringer Vereinschef Werner Koch nach Kampfende sicher. Und auch der Weingartener Coach wollte sich nicht vorschnell zur Meisterschaft gratulieren lassen: „Wir sind noch lange nicht durch“, so Frank Heinzelbecker