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Im badischen Derby trifft der Karlsruher Marco Thiede auf einige Bekannte aus seiner Zeit in Sandhausen. Foto: dpa/Deck

Mit voller Kraft ins Baden-Derby: KSC nimmt sich für Spiel gegen Sandhausen Einiges vor

Karlsruhe. Marco Thiede hat vier Jahre für den SV Sandhausen gespielt. Kein Wunder also, dass Karlsruhes Rechtsverteidiger nicht so tun wollte, als sei das KSC-Spiel am Freitag (18.30 Uhr/Sky) eine Zweitligapartie wie jede andere: „Das Spiel ist schon etwas Besonderes.“ Bei seinem guten Freund, dem Sandhäuser Mittelfeldmann Denis Linsmayer, habe er versucht, Details über die Aufstellung herauszubekommen. Doch der sei genauso wortkarg gewesen wie er selbst, als er vom Kumpel gelöchert worden sei.

Dabei gibt es aus Karlsruher Sicht eigentlich recht wenige Geheimnisse um die Aufstellung, mit der der KSC den dritten Saisonsieg in Angriff nehmen will. Linksverteidiger Damian Roßbach, der neben Thiede, Manuel Stiefler und Daniel Gordon vierte ehemalige Sandhäuser beim KSC, wird ausfallen. „Sein Sprunggelenk hat wieder eine Reaktion gezeigt“, berichtet Trainer Alois Schwartz, der auf drei Jahre beim SVS (2013 bis 2016) zurückblickt.

An Stelle von Roßbach dürfte Dirk Carlson zum Einsatz kommen, der in der luxemburgischen Nationalmannschaft zwei Mal über die volle Distanz ging und nach Ansicht von Schwartz „seine Sache sehr gut gemacht“ hat. Ob neben dem im Sturm gesetzten Philipp Hofmann wie zuletzt Marvin Pourié auflaufen wird, ist noch offen. Beim 0:3 beim VfL Osnabrück enttäuschte der Top-Torjäger der vergangenen Saison. Marco Djuricin konnte die Länderspielpause zur Eigenwerbung nutzen. Beim 4:2 gegen den FC Metz zeigte er eine gute Partie, beim 7:1 gegen den SV Mörsch traf der Österreicher doppelt.

Rund um den Wildpark hat es Diskussionen um die jüngsten Ergebnisse in Pflichtspielen gegeben – befeuert durch Äußerungen von Sportdirektor Oliver Kreuzer, der via „Bild“-Zeitung eine höhere Laufbereitschaft eingefordert hatte. Man sei „in den letzten drei Spielen immer weniger gelaufen als der Gegner. „Gerade als Aufsteiger musst du aber über Mentalität und Zweikämpfe kommen.“

Trainer Schwartz hofft auf Ruhe

Darauf angesprochen ließ Trainer Schwartz nun durchblicken, dass er das für eine Phantomdebatte hält. „Man darf auch nicht unsinnig laufen, nur um ein paar Kilometer mehr auf dem Tacho zu haben.“ Entscheidend seien eher das Verhalten vor dem eigenen und vor dem gegnerischen Tor sowie die Frage, ob das Umfeld die Ruhe und die Geduld behalte, die das Team in der zurückliegenden Aufstiegssaison beflügelt habe: „Wir sind Aufsteiger, haben sechs Punkte und sind im Pokal weiter.“ So sieht es auch Thiede, der auch die Frage, ob man wie bisher im 4-4-2-System oder aber im gegen Metz erprobten 3-5-2 agiere, für zweitrangig hält: „Entscheidend ist die Einstellung. Wenn die stimmt, ist es nicht so wichtig, in welchem System man spielt.“

414 Fans des SV Sandhausen haben bereits ein Ticket für die Partie gekauft, das ist für die dortigen Verhältnisse ein hoher Zuspruch. Dass auf der anderen Seite bereits 11.700 Tickets weg sind und der Heimbereich annähernd ausverkauft sein wird, freut den ehemaligen Sandhäuser Thiede da umso mehr. Denn so gerne er am Hardtwald gespielt hat und so sehr er die konzentrierte Arbeitsatmosphäre dort geschätzt hat – manchmal war es ihm bei den Heimspielen offenbar doch eher zu ruhig. „Wenn man bei einem Verein wie dem KSC mit so einem enormen Fanpotenzial spielt, macht das schon mehr Spaß.“

Mögliche KSC-Aufstellung: Uphoff – Thiede, Gordon, Pisot, Carlson – Fröde, Wanitzek – Stiefler, Lorenz – Hofmann, Pourié

Abwehr hat Priorität

Die erschreckend hohe Zahl von 2,4 Gegentoren in den ersten fünf Saisonspielen führt KSC-Trainer Alois Schwartz vor allem auf individuelle Fehler und zu große Räume zwischen den beiden Viererketten zurück. Dass Schwartz mantraartig „mehr Kompaktheit“ einfordert, hat diesen Hintergrund. Gut möglich, dass im Spiel der Karlsruher Fußballer gegen den SV Sandhausen beide Mannschaften die erste halbe Stunde abwartend und tief stehend angehen. Vor allem der KSC kann nichts weniger brauchen als ein frühes Gegentor. Sandhausen hat unter dem seit Oktober 2018 amtierenden Trainer Uwe Koschinat seine Stärke im physischen Bereich ausgebaut, aber auch spielerisch zugelegt. Der SVS ist derzeit Zweitliga-Dritter.