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Wolfgang Dietrich, Präsident vom VfB Stuttgart, konnte bei der Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart in der Mercedes-Benz Arena nicht abgewählt werden, weil wegen technischer Probleme nicht abgestimmt werden konnte.
Wolfgang Dietrich, Präsident vom VfB Stuttgart, konnte bei der Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart in der Mercedes-Benz Arena nicht abgewählt werden, weil wegen technischer Probleme nicht abgestimmt werden konnte. © dpa
Mit dieser Anleitung sollten Mitglieder des VfB Stuttgart im Stadion abstimmen können. Daraus wurde zunächst einmal nichts.
Mit dieser Anleitung sollten Mitglieder des VfB Stuttgart im Stadion abstimmen können. Daraus wurde zunächst einmal nichts. © Privat
Wolfgang Dietrich, Präsident vom VfB Stuttgart, konnte bei der Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart in der Mercedes-Benz Arena nicht abgewählt werden, weil wegen technischer Probleme nicht abgestimmt werden konnte.
Wolfgang Dietrich, Präsident vom VfB Stuttgart, konnte bei der Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart in der Mercedes-Benz Arena nicht abgewählt werden, weil wegen technischer Probleme nicht abgestimmt werden konnte. © dpa
14.07.2019

Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart ein echter Schwabenstreich mit Eigentor

Stuttgart. Die Führungskrise des VfB Stuttgart um den umstrittenen Präsidenten Wolfgang Dietrich nimmt skurrile Züge an. Kurz vor der auf der Tagesordnung vermerkten Abstimmung über seine Abwahl brach der 70-Jährige die Mitgliederversammlung am Sonntag unter den lautstarken Pfiffen etlicher Anhänger ab - weil die Technik streikte.

Zuvor hatten die rund 4500 Anwesenden mehrfach vergeblich versucht, sich mit ihren Handys in ein extra eingerichtetes WLAN des Stuttgarter Stadions einzuloggen, um an Abstimmungen teilnehmen zu können.

Die VfB-Verantwortlichen bekamen die Probleme nicht in den Griff, wodurch auch nicht über die Abwahl von Dietrich abgestimmt werden konnte. Das sei ein weiterer «schwarzer Tag» in der Vereinsgeschichte so kurz nach dem Abstieg, sagte Dietrich, dessen Worte in den Pfiffen und Schmähungen des Publikums teilweise kaum zu verstehen waren. «Uns bleibt daher keine andere Wahl, als festzustellen, dass es leider nicht möglich ist, die Veranstaltung ordnungsgemäß fortzuführen.» Selbstverständlich werde zeitnah eine neue Mitgliederversammlung einberufen.

Frühestens könne eine neue Mitgliederversammlung in drei Wochen einberufen werden, sagte ein VfB-Sprecher am Sonntagabend. Da dieser Termin aber in den Sommerferien Baden-Württembergs liege, wolle man das den Mitgliedern nicht zumuten. «Darum planen wir, die Mitgliederversammlung Mitte September durchzuführen.»

Eine solche Panne hat es in der Historie der Schwaben noch nie gegeben. Die technischen Probleme erregten umso mehr den Unmut der anwesenden Mitglieder, weil durch sie auch die Abstimmung über Dietrichs Zukunft entfiel. In zahlreichen Redebeiträgen hatten sie sich vorab mehrheitlich gegen den in der Kritik stehenden Clubchef ausgesprochen. Für eine Abwahl des 70-Jährigen hätten laut VfB-Satzung mindestens 75 Prozent stimmen müssen.

Die Mitgliederversammlung ging ohne den mit großer Spannung erwarteten sechsten Tagesordnungspunkt zu Ende. Finanzvorstand Stefan Heim hatte zuvor für das Geschäftsjahr 2018 einen Verlust der Fußball AG des VfB von 11,7 Millionen Euro verkündet. Mit Blick auf die gesamte Abstiegssaison 2018/19 hatten die Schwaben unter ihrem Ex-Sportvorstand Michael Reschke Transferausgaben in Höhe von rund 61 Millionen Euro - so viel wie nie zuvor in einer Saison. Die Verpflichtung von Reschke im Sommer 2017 war ein Grund, warum Dietrich bei einem Teil der Anhänger massiv in die Kritik geraten war.

Laut Kriminalpolizei hatte es in letzter Zeit sogar Todesdrohungen gegen Dietrich gegeben. Dennoch war der 70-Jährige bis zuletzt überzeugt, dass eine Mehrheit für ihn gestimmt hätte. «Der Schaden, den die Wenigen damit anrichten, ist groß», sagte er in einem Redebeitrag am Sonntag. «Es gibt den Spruch: Wenn die Mannschaft gewinnt, war es der Trainer. Wenn die Mannschaft verliert, war es der Präsident.»

Etwas überraschend war, dass aus dem Führungsteam der Schwaben lediglich Dietrichs Präsidiumskollege Bernd Gaiser deutlich gegen eine Abwahl plädiert hatte. Der Vorstand um Sportchef Thomas Hitzlsperger hatte sich dahingehend zurückgehalten. Dietrich ist noch bis 2020 gewählter Präsident des VfB. Der Antrag auf seine Abwahl dürfte aber auch auf der Tagesordnung für die nächste Mitgliederversammlung im September stehen.

VfB macht Millionenverlust - Rekordausgaben für Transfers 

Der VfB Stuttgart hat im Kalenderjahr 2018 einen Verlust in Höhe von 11,7 Millionen Euro gemacht. Das sagte Finanzvorstand Stefan Heim am Sonntag auf der Mitgliederversammlung des in die 2. Fußball-Bundesliga abgestiegenen Traditionsclubs.

Die Schwaben hatten in ihrer ausgegliederten Fußball AG 2018 unter anderem einen Personalaufwand in Höhe von fast 84 Millionen Euro, worunter beispielsweise die Spielergehälter fallen. Zudem wurden etwa rund 10,8 Millionen Euro für Spielerberater ausgegeben. Den Gesamtaufwendungen in Höhe von 166,1 Millionen Euro standen Erträge in Höhe von 154,4 Millionen Euro gegenüber.

«Der Verlust war geplant und ist niedriger ausgefallen als erwartet», sagte Heim. Mit Blick auf die gesamte Abstiegssaison 2018/19 hatten die Schwaben unter ihrem Ex-Sportvorstand Michael Reschke Transferausgaben in Höhe von rund 61 Millionen Euro - so viel wie nie zuvor in einer Saison. Dennoch meinte Heim: «Wir haben kein Geld verbrannt.» Aber man «brauche bei den Transfers wieder eine höhere Trefferquote».

2017 hatte der VfB auch angesichts des Abstiegs in die 2. Liga im Sommer 2016 ebenfalls einen Verlust in Höhe von 13,9 Millionen Euro gemacht. Nach dem erneuten Abstieg und damit verbundenen finanziellen Einbußen dürfte das Finanzergebnis auch im Geschäftsjahr 2019 negativ ausfallen.

Hitzlsperger: VfB führt erste Gespräche mit Gentner über Rückkehr 

Der VfB Stuttgart und Christian Gentner haben erste Gespräche über eine Rückkehr des Ex-Kapitäns nach seiner aktiven Karriere gestartet. «Wir haben erste Gespräche aufgenommen, und ich freue mich schon auf den Tag, an dem er hier wieder aufschlägt», sagte VfB-Sportvorstand Thomas Hitzlsperger auf der Mitgliederversammlung des Fußball-Zweitligisten am Sonntag. «Gleiches gilt für Andreas Beck.»

Nach dem Abstieg in die 2. Liga hatten die beiden Routiniers von Hitzlsperger keinen Vertrag für die neue Saison erhalten. Gerade das Gespräch mit dem 33-jährigen Gentner, der mittlerweile für den 1. FC Union Berlin spielt, sei das wohl «schwierigste Gespräch in der kurzen Zeit, in der ich im Amt bin», gewesen, sagte Hitzlsperger.

Und dann scherzte Hitzlsperger, seit Februar VfB-Sportvorstand, am Sonntag auf der Mitgliederversammlung über seine bisherige Zeit beim Absteiger: «Ich bin unheimlich froh, dass ich immer noch da bin, weil ich die Entwicklungen im Verein kenne.» Kein Wunder, hatten die Schwaben doch in der Vergangenheit regelmäßig Sportvorstände und Trainer ausgetauscht, bei Trainern gab es zuweilen gleich mehrere pro Saison.