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Rugby-Bundesliga: Erfolgsmodell TV Pforzheim

Mit großem Engagement stemmte sich der TV Pforzheim gegen die Niederlage im DRV-Pokalfinale. Doch die stark ersatzgeschwächten "Rhinos" mussten am Ende der RG Heidelberg den Vortritt lassen. © Horst Wernicke
15.07.2018

Mutig, aber glücklos gekämpft: TV Pforzheim verliert DRV-Pokalfinale gegen RGH

Heidelberg/Pforzheim. Es war ein Kampf David gegen Goliath. Nur eben mit einem unbiblischen Ende für den David und Titelverteidiger TV Pforzheim. Die RGH besiegte den stark ersatzgeschwächten und zuweilen etwas glücklosen TVP.

Vor dem DRV-Pokalfinale am vergangenen Samstag gegen die RG Heidelberg im Fritz-Grunebaum-Sportpark in der Kurpfalz-Metropole hatte TVP-Teammanager Jens Poff gesagt, dass die Pforzheimer „mit dem letzten Aufgebot“  zum Endspiel fahren müssten. Und dort gelang ihnen auch im dritten Spiel dieser Saison gegen die RGH kein Sieg. Mit einem etwas zu hoch ausgefallenen 56:17-Sieg schnappten sich die Heidelberger den DRV-Pokal.

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„Der breitere, tiefere Kader der RGH machte den Unterschied“, sagte Poff. Beim TVP hatte man im Spielerreservoir der zweiten Mannschaft und der Jugend plündern sowie Kämpfer aus dem Ruhestand aktivieren müssen, um ein von Verletzungen und Nationalmannschafts-Abstellungen dezimiertes Team aufstellen zu können. Doch auch die Heidelberger mussten auf Stammspieler verzichten, die für das vor dem Pokalfinale ausgetragene Länderspiel Deutschland – Samoa (28:42 - > Spielbericht <) oder fürs 7er-Rugby-Nationalteam gesperrt waren. Doch die RGH schien das besser verkraften zu können.

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Schon zur Halbzeit führte der Gastgeber mit 28:0. Zwei Versuche durch die Mitte und dann zwei Sprints, die aus überraschenden Fehlern der Pforzheimer resultierten. Einmal wurde ein Befreiungskick der Pforzheimer so geblockt, dass er Richtung eigenes Malfeld flog und nur noch von einem Heidelberger aufgesammelt werden musste. Dann rutschte ein Pforzheimer beim Versuch, einen Kick aus den Reihen der RGH zu fangen, aus, und die Abwehr konnte nur noch zuschauen, wie ein herbeieilender Heidelberger das Leder-Ei unter die Pforzheimer Stangen legte.

Da war das Spiel im Grunde schon entschieden, doch noch nicht aufgegeben. Der TVP hatte Chancen gehabt, schon früh zu punkten, doch es wollte den „Rhinos“ nicht gelingen, die letzten ein, zwei Meter des gegnerischen Abwehrriegels zu überwinden. Hier wurde der für die 7er-Rugby-WM abgestellte Tafadzwa Chitokwindo (Zimbabwe) schmerzlich vermisst, der in den Pokalspielen zuvor als permanenter Gefahrenherd den Gegner schwindelig spurtete, unermüdlich Versuche legte und für Mitspieler Räume öffnete. Im Sturm fehlte der im Halbfinale verletzte Tim Kasten, und die Stammkicker Carlos- Soteras-Merz (deutsches 7er-Nationalteam) und Oliver Paine (verletzt) waren ebenfalls nicht dabei. Zu allem Überfluss musste Kämpferherz Lee Murray schon in der ersten Hälfte des Pokalfinales ebenfalls verletzt vom Platz.

Ali Sürer, der nach seiner langen Prüfungspause erst sein zweites Spiel absolvierte, übernahm die Kicks (eine von drei Erhöhungen verwandelt) und die Verantwortung für die kreativen Aktionen. Ihm gelang in der zweiten Halbzeit sogar ein Versuch zum 17:42, doch da hatte sich die RGH schon entscheidend abgesetzt. Manasah Sita bewies noch einmal seine Extraklasse als kraftvoller Sprinter und schob sich zu zwei Versuchen ins Heidelberger Malfeld. Ein links außen abgelegter Versuch von Antipas Kamkwindo wurde nicht gegeben. Die restlichen Angriffsbemühungen der Pforzheimer fanden entweder durch individuelle Fehler ein vorzeitiges Ende oder wurden durch die konsequente RGH-Abwehr schon früh im Keim erstickt.

Am Ende war der TVP stehend k. o. und die in allen Mannschaftsteilen stärker und frischer wirkende RGH konnte das Ergebnis durch späte Versuche noch weiter in die Höhe schrauben. Damit mussten die Pforzheimer „Rhinos“ ihren im Vorjahr erstmals gewonnenen DRV-Pokal wieder zurückgeben, dennoch bedeutete das deutsche Pokalfinale den Saisonhöhepunkt für den Dritten der Rugby-Bundesliga Süd/West.

Der TVP im Umbruch

Für die Spieler beginnt nun die Sommerpause. Für die Vereinsführung heißt es nun, die Weichen für die neue Saison zu stellen. TVP-Teammanager Poff sieht den erfolgreichen Rugby-Bundesligisten (deutscher Meister 2016 im 15er-Rugby, 2012 im 7er-Rugby) vor einem Umbruch. „Wir werden konsequent auf junge, deutsche Talente setzen, denen wir in Pforzheim eine besondere Entwicklungsperspektive bieten“, sagt Poff. Der Verein wolle vermehrt jungen, erfolgshungrigen Spielern durch Unterstützung im beruflichen oder schulischen Umfeld Chancen vermitteln, sich sportlich auf Spitzenniveau zu präsentieren. Ali Sürer ist so ein Beispiel für ein junges Talent, das nach seinem Studium den TVP in der nächsten Saison voranbringen könnte.

„Dieser Umbruch ist eine Kraftanstrengung, die sich vielleicht erst in zwei, drei Jahren durch vordere Bundesliga-Tabellenplätze oder Endrunden-Teilnahmen bei deutschen Meisterschaften auszahlen wird, aber sie ist notwendig, um den TVP als Spitzenmannschaft in die Zukunft zu führen“, sagt Poff. Auch eigene Nachwuchskräfte wolle man noch mehr als bisher ins Bundesligateam ziehen. Dass es mit der Jugendarbeit gerade läuft und sich inzwischen sogar eine Rugby-Frauenmannschaft beim TVP gebildet hat, liegt auch am Jugendkoordinator Phil Paine, der hier die Fäden zieht. „Unsere erfolgsverwöhnten Fans werden Geduld mit uns haben müssen, aber wir wollen den Grundstein für einen nachhaltigen Erfolg legen. Und das geht nur mit jungen Talenten aus dem deutschen Rugby, denen wir beim TVP eine langfristige Perspektive vermitteln möchten“, sagt Poff. 

TVP-Versuche

Manasah Sita (2), Ali Sürer

TVP-Kicks

Ali Sürer (1 von 3 Erhöhungen)