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Schon auf dem Hinweg zum Stuttgarter Stadion fackelten vermummte KSC-Fans Pyrotechnik ab. Rosar 

Nach Derby: KSC-Anhänger ärgern sich über Leuchtraketen aus dem eigenen Block

Der VfB Stuttgart war und ist obenauf – nicht nur im Derby am Sonntag, sondern auch am Tag danach: Am Montagmorgen entdeckten Karlsruher Studenten den Schriftzug „DERBYSIEGER VfB“ ganz oben an der Fassade des Universitätsgebäudes in der Fächerstadt.

Schon während des mit 2:0 (1:0) gewonnenen Lokalduells hatten die Brustringträger primär auf geschriebene Provokationen gesetzt. Dagegen waren es die KSC-Anhänger, die zündelnden und marodierten: Zerlegten zwei Regionalzüge und eine S-Bahn, warfen Böller aus dem Zug heraus, fackelten vor, während und nach dem Spiel Pyrotechnik ab.

6000 Badener waren in die Landeshauptstadt gereist. Für die Feuershow sorgten die gut 100 von ihnen, die einheitlich vermummt die ersten Reihen des Gästeblocks bevölkerten. Wie eine PZ-Umfrage unter Fans zeigte, befürworten einige zwar bengalische Feuer. Das Abschießen von Leuchtraketen aufs Spielfeld verurteilen dagegen alle. „Pyros sind ganz okay, wenn man es kontrolliert macht“, schrieb etwa VfB-Anhängerin Melanie Igel. Die Raketen aber seien „furchtbar“. Und der Maulbronner Hans-Peter Brox ergänzte: „Wenn es mit Hirn, Verstand und Verantwortung gezündet werden würde, könnte man es reguliert erlauben.“ Jedoch gebe es „Idioten, die es gefährlich machen für Leib und Seele“. Viele andere würden Pyro am liebsten überhaupt nicht im Stadion sehen – beispielsweise die Heimsheimerin Bianca Sassalina: „Ich bekomme es nicht in den Kopf rein: Wie kann man für eine Mannschaft stehen und gleichzeitig so einen Schrott anzünden und das Spiel unterbrechen?“ Und die Kieselbronnerin Melanie Heger forderte ein „lebenslanges Hausverbot“ für alle, die sich nicht an die Stadionordnung halten. Gefährlich sei das, schrieb der Pforzheimer Aaron Bronner. Und: „Echte Fans singen, jubeln und feuern ihre Mannschaft an und versuchen nicht, sie durch Geschosse zu verletzten.“

Zwar hatten die Akteure auf dem Rasen das Glück, dass die Raketen knapp neben ihnen landeten. Dennoch wird das Pyro-Derby beide Vereine empfindlich treffen: finanziell. Bereits in den vergangenen eineinhalb Jahren musste der KSC 74 000 Euro und der VfB 81 000 Euro für das Fehlverhalten seiner Fans berappen. Dessen Sportdirektor bezweifelte, dass „so etwas zu verhindern ist, wenn da zum Beispiel kleine Bausätze reingeschmuggelt werden“. Der Sicherheitsdienst habe selbstverständlich gewusst, dass die Karlsruher dies versuchen würden. Bei den Kontrollen war dies aber nicht zu spüren: Mehrere Karlsruher Anhänger berichteten im Forum auf transfermarkt.de und auf der Facebook-Seite der PZ, überhaupt nicht oder nur „hundsmiserabel“ kontrolliert worden zu sein.

Stuttgarts Fußballer hatten sich von den Böllerwürfen nicht beeindrucken lassen. „Als Spieler ist einem das fast egal“, meinte etwa Schlussmann Mitch Langerak. Und sein Karlsruher Gegenüber Dirk Orlishausen sagte: „Der Böller ist in so einem Spiel das kleinste Problem.“ Doch er räumte ein, dass dies die jüngeren Spieler beeinflussen könnte: „Die Böller haben schon Nervosität hervorgebracht.“ Dass die Feuerwerkskörper „nicht zum Fußball gehören“, betonte auch KSC-Sportdirektor Oliver Kreuzer. Es gebe „anscheinend immer noch ein paar Wahnsinnige“. Wahnsinnige freilich, die die Karlsruher Vereinsführung seit Jahren nicht in den Griff bekommt.