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Bezeichnend: KSC-Kicker Dennis Kempe muss nach einem Knock-out kurz behandelt werden. In dieser Saison fehlt den Badenern noch die Orientierung. ges
Bezeichnend: KSC-Kicker Dennis Kempe muss nach einem Knock-out kurz behandelt werden. In dieser Saison fehlt den Badenern noch die Orientierung. ges
Fassungslos: Daniel Gordon (Zweiter von links) ist mit der Entscheidung von Schiedsrichter Robert Kempter (links) nicht einverstanden.
Fassungslos: Daniel Gordon (Zweiter von links) ist mit der Entscheidung von Schiedsrichter Robert Kempter (links) nicht einverstanden.
Sauer: KSC-Trainer diskutierte immer wieder mit dem vierten Offiziellen.
Sauer: KSC-Trainer diskutierte immer wieder mit dem vierten Offiziellen.
09.08.2015

Nach Pokal-Blamage: KSC taumelt in die noch frische Saison

Mehr „Pokal“ geht wohl nicht. Und größere Emotionen kann ein Spiel – zumindest bei den Verlierern – vermutlich auch kaum auslösen. Drei Rote Karten und drei Elfmetertore musste der KSC beim SSV Reutlingen hinnehmen.

Darüber hinaus fanden zwei Treffer der Gäste bei Schiedsrichter Robert Kempter keine Anerkennung. An Ende stand mit 1:3 (Halbzeit 0:2) das für die Wildparkprofis trotzdem blamable Erstrundenaus im Stadion an der Kreuzeiche.

Oberligist gegen Zweitligist, David gegen Goliath – die erste Runde im DFB-Pokal war wieder einmal für eine faustdicke Überraschung, ja Sensation gut, die vor 8166 Zuschauern an der Kreuzeiche schon nach etwas mehr als zehn Minuten ihren Lauf nahm.

Vermutlich hätte kein Reutlinger Einspruch erhoben, wenn das 1:0 für den KSC gegolten hätte. Dimitrij Nazarov aber hatte sich bei seinem Kopfball nach einer Flanke von Manuel Torres aufgestützt (9.) – entschied Robert Kempter. Schnell und entschlossen zeigte der Unparteiische vier Minuten später auch auf den Punkt. Manuel Gulde („Ich haben den Ball gespielt“) sollte bei einem SSV-Konter Tom Patrick Schiffel unfair gebremst haben und sah Rot (12.). Mit dem fälligen Elfer stellte Guiseppe Ricciardi die 1:0-Führung für die Gastgeber her (13.). Und nach etwas mehr als einer halben Stunde – diesmal hatte Gaetan Krebs Daniel Schachtschneider gefoult – versenkte der SSV-Kapitän seinen zweiten Strafstoß (33.). Der Oberligist führte 2:0 – nicht unverdient. Denn dem KSC fiel in den ersten 45 Minuten überhaupt nichts ein, und die Mannschaft von Markus Kauczinski wankte schwer angeschlagen in die Pause.

„Wir waren von Beginn an nicht gut im Spiel“, räumte der KSC-Trainer im Rückblick ein, „haben leichte Fehler gemacht und Reutlingen in den ersten Minuten aufgebaut.“

Vielleicht hätte der KSC die Partie noch herum reißen können, wenn Erwin Hoffer 20 Sekunden nach dem Seitenwechsel die Vorlage von Rouwen Hennings zum Anschlusstreffer genutzt hätte. Der österreichische Neuzugang aber scheiterte aus fünf Metern an einer Fußabwehr von SSV-Keeper Denis Grgic. Nur fünf Minuten später geriet der KSC mit einem weiteren Spieler in Unterzahl. Daniel Gordon sah, nachdem er an der Mittel- beziehungsweise Auslinie Schachtschneider im Gerangel auf die Wade getreten war, die Rote Karte (51.). „Das sieht natürlich sch . . . aus, aber Absicht war das nie und nimmer“, bedauerte der Karlsruher Ersatz-Kapitän, der den absprachegemäß auf der Bank sitzenden Dirk Orlishausen vertrat.

„Der Schiri hat seine harte, sehr harte Linie durchgezogen“, kommentierte Markus Kauczinski die Leistung von Kempter. Leider habe der Unparteiische 50:50 Entscheidungen vorwiegen zugunsten der Gastgeber getroffen beziehungsweise gegen den KSC.

Nach dem zweiten Platzverweis kochten auf der Karlsruher Bank die Emotionen natürlich hoch. Kauczinski (53.) wurde des Innenraumes verwiesen und schäumte nach dem Spiel wegen des nicht gegebenen Treffers von Erwin Hoffer (58.): „Das war kein Abseits. Da lag der Schiri ganz falsch.“ Auch Mannschaftsarzt Dr. Marcus Schweizer (58.) musste sich das 1:2 durch Dennis Kempe (63.) von „draußen“ ansehen. Die Wildparkprofis bäumten sich nun fast verzweifelt auf. Aber Hoffer mit einem Flugkopfball (75.) und Hennings mit einem Freistoß (85.) scheiterten an Reutlingens Keeper Grgic.

Schließlich sah auch Jannik Dehm nach einem SSV-Konter wegen einer Notbremse noch die Rote Karte (90.) und Ricciardi verwandelte seinen dritten Strafstoß. Um 22.23 Uhr am 8. August 2015 war der DFB-Pokal eine Sensation reicher.

Keine Ausschreitungen

Dass es am Rande dieser baden-württembergischen Auseinandersetzung nicht zu den befürchteten Ausschreitungen kam, führte die Polizei vor allem auf die „hohe Präsenz von Einsatzkräften“ zurück. Etwa 1000 Ordnungshüter und 200 private Sicherheitskräfte waren aufgeboten worden. „Abgesehen von Rangeleien und kleineren Vorfällen“, teilte das Polizeipräsidium Reutlingen noch in der Nacht von Samstag auf gestern (01.22 Uhr) mit, sei es zwischen den verfeindeten Fans ruhig geblieben.