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Groß war zunächst die Enttäuschung nach der Niederlage, doch der Frust bei den Fans scheint sich gelegt zu haben. Inzwischen hagelt es wieder Lob von allen Seiten für die junge deutsche Nationalelf.
Groß war zunächst die Enttäuschung nach der Niederlage, doch der Frust bei den Fans scheint sich gelegt zu haben. Inzwischen hagelt es wieder Lob von allen Seiten für die junge deutsche Nationalelf. © Faulhaber
08.07.2010

Nach dem Halbfinalfrust hagelt es schon wieder Lob

Die deutsche Nationalmannschaft hat trotz des verpassten Final- Einzuges viel Lob für ihre zum Teil begeisternden Auftritte bei der WM in Südafrika erhalten. Bundespräsident Christian Wulff glaubt gar, das junge Team sei reif für den WM-Titelgewinn 2014 in Brasilien. Auch bei einer Umfrage von PZ-news hatten die vielen Fans Verständnis für das Ausscheiden der Mannschaft. Und: Alle wollen einen deutschen Sieg im Spiel um Platz drei sehen.

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„Ober-Fan“ Angela Merkel lobte Deutschlands Elite- Kicker telefonisch für ihren tollen WM-Einsatz, der höchste Sport- Funktionär Thomas Bach gratulierte begeistert, das Staatsoberhaupt geriet sogar ins Schwärmen. „Ich sehe gute Chancen, dass diese Mannschaft in Brasilien 2014 Weltmeister wird“, sagte Bundespräsident Christian Wulff am Donnerstag in Brüssel bei seinem Antrittsbesuch in der EU-Kommission über das Team von Bundestrainer Joachim Löw. Er gab am Tag nach dem Halbfinal-0:1 gegen Spanien den jungen DFB-Akteuren, die Außenminister Guido Westerwelle „tolle Botschafter für unser Land in der ganzen Welt“ nannte, folgende Empfehlung mit auf den Weg: „Ich habe immer aus Niederlagen mehr gelernt als aus Siegen.“

Der frühere Mannschafts-Weltmeister und -Olympiasieger im Florett- Fechten und heutige DOSB-Präsident Bach sieht es ähnlich. „Für die deutsche Mannschaft gibt es keinen Grund, traurig zu sein. Sie hat eine sehr starke WM mit teilweise begeisterndem Fußball gespielt. Von daher kann man mit dieser jungen Mannschaft voller Vertrauen in die Zukunft und auf die EM 2012 blicken.“ Kanzlerin Angela Merkel, die den begeisternden 4:0-Viertelfinaltriumph über Argentinien am Samstag im Stadion beklatscht hatte, ließ Teammanager Oliver Bierhoff am Telefon wissen, die DFB-Kicker hätten „ein gutes Bild abgegeben“ am Kap. Und auch Formel-1-Ass Michael Schumacher attestierte Philipp Lahm & Co., Deutschland „super sympathisch vertreten“ zu haben: „Ich glaube, der Ausgang des Spiels war so gerechtfertigt“, so „Schumi“.

Auch die Weltpresse war voll des Lobes für EM-Champion Spanien, der eine Nummer zu groß war für die zuvor begeisternde DFB-Elf. „Del Bosques Männer waren einfach zu clever und einfallsreich für Deutschlands aufstrebende Generation“, fasste Englands „The Mirror“ das Geschehen trefflich zusammen. „Das war zu viel Spanien für Deutschland. Die Beatles des Fußballs hören nicht auf zu spielen“, urteilte im Noch-Weltmeisterland Italien „La Repubblica“. Und Schwedens „Aftonbladet“ bemerkte: „Das schöne, junge Deutschland benötigte zwei Jahre, um die eigene Variante des spektakulären spanischen Fußballs einzustudieren. Spanien benötigte 90 Minuten, um zu zeigen, dass die Deutschen noch nicht ganz am Ziel sind.“

So sehen es auch die Medienvertreter im Land der Finalisten. „Löw wollte gern glauben, dass die Hackordnung von 2008 bei der WM 2010 nicht mehr gilt. Doch zwei Jahre nach dem Kniefall vor Spanien im EM- Finale mussten die Deutschen feststellen, dass sie die Kluft zwischen sich und dem Europameister verkleinert, aber nicht geschlossen haben“, schrieb „de Volkskrant“ aus den Niederlanden. Und „As“ merkte an: „So wie Spanien gespielt hat, wird wohl im Paradies gespielt. Gegen das beste Deutschland der vergangenen Jahre hat die spanische Nationalelf einen entzückenden und hypnotischen Fußball entfaltet.“

Vor dem Endspiel am Sonntag sehen die Blätter jeweils ihre nationalen Helden in der Rolle des Favoriten. „Komm nur, Spanien! Oranje muss auf Kosten Spaniens Weltmeister werden“, forderte „De Telegraf“ von ihrer seit 25 Länderspielen unbesiegten „Elftal“. Allerdings vergeblich, wie zumindest „Marca“ sicher zu wissen glaubt: „Wir sind die Besten der Welt (und am Sonntag Weltmeister).“Zum Helden des Tages erklärten die Journalisten aus aller Herren Länder Carles Puyol, der per Kopf in der 73. Minute zum Sieg traf. „König Carles! Puyol feuert Spanien ins erste WM-Finale“, schrieb „The Daily Mail“ über „das kompromisslose Biest aus dem Herzen der Abwehr“, das Spanien ins Finale beförderte. „Puyol, diese Mischung aus Tarzan und Jesus, flog durch die Luft wie Superman“, feierte „Ekstra Bladet“ (Dänemark) den Routinier vom FC Barcelona. Und „Expressen“ (Schweden) urteilte: „Der alte, faltige, langhaarige Puyol entschied das Duell gegen die Jugend. Spanien bereitet sich jetzt auf das Finale vor, Deutschland auf eine strahlende Zukunft.“Kommentatoren in Polen und den USA machten wegen seiner angeblich falschen Taktik Löw für das Verpassen des Finales verantwortlich.

„Dieses Spiel hat Joachim Löw verloren. Er galt bisher als der König der Taktik, hatte aber diesmal Angst, auf die neue deutsche Spielart zu setzen“, kritisierte „Przeglad Sportowy“. Und die „Los Angeles Times“ bemängelte: „Deutschland spielte zu vorsichtig gegen Spanien. Löw hat sie im Stich gelassen. Er schickte ein Team ins Stadion mit der Absicht zu verteidigen, anstatt selbst Toreschießen zu wollen.“