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VfB Stuttgart Präsident Bernd Wahler ist auf der Suche nach einem neuen Sportdirektor © dpa
25.09.2014

Nach der Entmachtung von Bobic beim VfB: Erste Kandidaten winken ab

Der VfB Stuttgart spielt 2:2 in Dortmund - aber alle reden über die Entlassung von Sportvorstand Fredi Bobic. Für den Verein geht es nun um die richtige Nachfolge. Von der hängt auch ab, ob Präsident Bernd Wahler sein großes Ziel erreicht. 

Bildergalerie: Fredi Bobic wurde beim VfB Stuttgart entlassen

Der unerwartete Punktgewinn beim Vizemeister Borussia Dortmund war am Tag nach der Entlassung von Fredi Bobic in Stuttgart nur ein Thema am Rand. Mehr noch als das 2:2 (0:0) des VfB am Mittwochabend interessierten die offenen Fragen an die Vereinsführung um Präsident Bernd Wahler. Warum musste Bobic zu diesem Zeitpunkt gehen - kurz vor Anpfiff des fünften Spiels in der Fußball-Bundesliga? Wer soll sein Nachfolger werden? Und wer stellt sich jetzt an seiner statt vor die Mannschaft, wenn es nicht bald den ersten Dreier des noch sieglosen Teams von Trainer Armin Veh gibt? Übergangsweise, soviel schien am Donnerstag schon vor der für 13.30 Uhr angesetzten Pressekonferenz in der Mercedes-Benz klar, sollen Veh und Sportdirektor Jochen Schneider die Aufgaben von Bobic mitübernehmen. Einfach wird die Suche nach einer dauerhaften Lösung aber nicht. Offiziell verkündete der VfB Bobics Aus erst knapp eine Stunde vor dem Anpfiff in Dortmund. Spekulationen über Nachfolger des 42-Jährigen gab es aber schon vorher - und Absagen auch. Der vermeintliche Wunschkandidat, Ex-VfB-Trainer Ralf Rangnick der als Red-Bull-Sportdirektor die Verantwortung für die Teams in Salzburg und Leipzig trägt, sagte nach dem 3:1 des Aufsteigers gegen den Zweitliga-Konkurrenten Karlsruher SC am Mittwochabend: «Ich bin hier, und ich bin gerne hier.» KSC-Sportdirektor Jens Todt wollte die Spekulationen gar nicht kommentieren: «Ich werde mich dazu nicht äußern, das gehört sich nicht. Wir haben hier gerade den Arsch voll bekommen, damit muss ich mich beschäftigen. Und gefühlt ist die Bobic-Entlassung auch erst fünf Minuten her», sagte er im TV-Sender Sky. Eine klares Nein gab es schon zuvor vom Lokalrivalen Stuttgarter Kickers. Sportdirektor Michael Zeyer, der den Club seit Amtsantritt im September 2013 in wenigen Monaten zu einem der Topteams in der 3. Liga formte, ließ mitteilen: absolut kein Interesse. Auf dem Gerüchte-Basar gehandelt werden zudem Ex-Nationaltorwart Jens Lehmann und der jüngst als sportlicher Leiter für den Nachwuchs zum VfB zurückgekehrte ehemalige U21-Nationaltrainer Rainer Adrion.

Wer auch immer kommt: Für die Vereinsführung um Wahler ist er die letzte Option. Als «ziemlich vergiftet» hatte Trainer Veh die Situation in Stuttgart bezeichnet. Mittelfeldspieler Daniel Didavi, dank dessen Doppelpack zum 2:0 der VfB in Dortmund sogar lange vom ersten Saisonsieg träumen durfte, meinte nach dem Spiel: «Es ist schade, er ist nicht schuld, dass wir in der Lage sind. (...) Er ist jetzt der nächste halt, der als Sündenbock dastand.»

Wahler und der Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Schmidt brauchen nun insbesondere einen Mann, von dem sich die Fans überzeugen lassen. Denn nur mit einer breiten Unterstützung der Basis kommen sie ihrem Ziel näher, die Profiabteilung des VfB auszugliedern und Investoren wie Daimler den Einstieg zu ermöglichen.

Siege würden dabei aber wohl noch mehr helfen. Denn Bobic als Prellbock für die Wut der Fans und Schutzschild für das Team ist nun nicht mehr da. Bleibt der Club im Tabellenkeller, dürften sich die Fans rasch den nächsten Schuldigen suchen.