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Will wieder Spaß haben mit dem Karlsruher SC: KSC-Keeper Dirk Orlishausen. Foto: dpa
Will wieder Spaß haben mit dem Karlsruher SC: KSC-Keeper Dirk Orlishausen. Foto: dpa
07.07.2017

Nach reinigendem Gewitter: KSC-Torhüter Dirk Orlishausen befürwortet Umbruch

Es wird viel gelacht im mondänen „Sport Resort Hohe Salve“. Und das liegt offenbar nicht daran, dass der schicke Neubau am Fuße des Bergliftes nobler ist als manche Herberge eines Erstliga-Trainingslagers. „Die Stimmung in der Mannschaft ist Lichtjahre entfernt von dem, was letztes Jahr war“, berichtet KSC-Keeper Dirk Orlishausen, dem man noch heute anmerkt, wie nah ihm die vergangene Abstiegssaison gegangen ist. Immer wieder hatte der 34-jährige Kapitän versucht, die negative Stimmung in der Mannschaft zu drehen. Doch es gelang ihm genauso wenig wie den vier Trainern, die die Badener 2016/2017 anheuerten.

„Irgendwann kommst du in eine Spirale rein, die du nicht mehr stoppen konntest“, berichtet „Orle“. Zu viele Streitigkeiten zwischen einzelnen Spielern, zu viele Diven, zu viele aufgeblasene Egos. „Am Ende wollte jeder nur noch möglichst glimpflich aus der Sache rauskommen.“ Umso wichtiger sei es gewesen, einen kompletten Neuanfang zu wagen. „Es birgt ja immer ein gewisses Risiko, wenn du fast alle Spieler austauschst“, sagt Orle und trinkt einen Schluck Milch. „Aber es war das dringend notwendige reinigende Gewitter“.

Schon in der ersten Trainingswoche habe er gemerkt, dass ein anderer Geist in der Mannschaft herrsche, berichtet Orlishausen, der in der Sommerpause an seiner C-Lizenz für die Zeit nach der Karriere gearbeitet hat. „Schon im ersten Vorbereitungsspiel gegen Mühlhausen war Leben auf dem Platz, es gab viele Kommandos, wir wollten immer mehr Tore schießen.“

So kann es weitergehen, findet der gebürtige Thüringer, der überzeugt ist, dass die neuen Spieler nicht nur charakterlich gut zusammenpassen: Als Lehre aus der Gegentorflut der vergangenen Saison wurden erfahrene, groß gewachsene Akteure verpflichtet – wie David Pisot, der am Donnerstag seinen 30. Geburtstag im Trainingslager feierte und wie Rückkehrer Daniel Gordon (32). Auch vorne stehen mit Oskar Zawada und Dominik Stroh-Engel zwei bullige kopfballstarke Stürmer zur Verfügung, die sich derzeit um den Platz neben dem gesetzten Anton Fink streiten. Auf der Sechserposition dürfte mit Andreas Hofmann ein weiterer Routinier gesetzt sein, der in der vergangenen Saison noch 28 Zweitligaspiele für Fürth absolviert hat.

„In der dritten Liga wird auch mal geklopft“, weiß Orlishausen, der selbst 146 Drittligapartien auf dem Buckel hat. „Nur mit Schönspielerei wird es da nicht gehen.“ Doch die Mischung aus Spielern mit einem feinen Füßchen und solchen, die ihre Qualitäten eher im Zweikampf haben, die sei genau so gut gelungen wie die Altersstruktur, bei der vier, fünf Routiniers eine Gruppe von Jungprofis anleiten sollen.

Wer dabei an vorderster Front stehen wird, ist Orlishausen egal. Zumindest sagt er das, als er gefragt wird, ob er auch in der kommenden Saison Kapitän sein werde. Er gehe davon aus, dass Trainer Marc-Patrick Meister den Spielführer in den kommenden Tagen ernennen werde. „Ob ich es dann werde oder ein anderer von denen, die das auch können, ist zweitrangig.“

Die Zeit der Eitelkeiten, sie soll in Karlsruhe der Vergangenheit angehören.