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Rugby-Bundesliga: Erfolgsmodell TV Pforzheim

Carlos Soteras-Merz (Mitte) vom TV Pforzheim ist fürs Länder-Testspiel gegen Chile nominiert. Foto: J. Keller
Carlos Soteras-Merz (Mitte) vom TV Pforzheim ist fürs Länder-Testspiel gegen Chile nominiert. Foto: J. Keller
22.11.2017

Nationalspieler bestreiken Rugby-Länderspiel - TVP-Spieler in Ersatzteam

Pforzheim. Der Neuseeländer John Willis, Trainer des Rugby-Bundesligisten TV Pforzheim, hatte die Chance, beim nächsten Heimaturlaub auf seiner Pazifikinsel beim Plausch an der Pub-Theke erzählen zu können, dass er das deutsche Rugbynationalteam trainiert hat. Doch dem stand eine Hochzeitseinladung entgegen. Die unvorhersehbare Anfrage kam auch extrem kurzfristig und hätte ohnehin nur für ein Testspiel gegolten. Doch dieses Match gegen Chile am kommenden Samstag in Offenbach bietet Stoff für ein ganzes, wenn auch unrühmliches Kapitel in der deutschen Rugbygeschichte.

Willis ist also raus aus dem Match. Mit dabei sind dafür die TVP-Spieler Calvin de Bruyne, Oliver Paine, Carlos Soteras-Merz und Samj Harris, die erstmals oder erneut zu Nationalteam-Ehren kommen. „Nach der kurzfristigen Absage fast des kompletten Nationalteams für das Testspiel“, so der Deutsche Rugby-Verband (DRV) in einer Pressemitteilung, habe man „einen völlig veränderten Kader“ aufstellen müssen, der „gegen einen starken Gegner wie Chile auch konkurrenzfähig sein wird“. Betreut wird die Mannschaft in diesem Spiel von 7er-Bundestrainer Vuyo Zangqa sowie Co-Trainer Clemens von Grumbkow. Für Deutschland, so der DRV, laufe nun neben verbliebenen Nationalspielern ein großer Teil des 7er-Rugby-Nationalteams auf, zudem Spieler, die zum erweiterten Kader der beiden Nationalmannschaften gehörten.

Verband ohne Vision?

Die Teamkapitäne Sean Armstrong und Michael Poppmeier hatten in einer Pressemitteilung erklärt, dass die Nationalspieler „am nächsten Samstag beim Spiel gegen Chile dem Verband nicht zur Verfügung stehen“. „Die Kommunikation zwischen Verband und Spielern sowie Trainern“ habe sich nicht verbessert, beklagen die beiden Rugbyspieler. Dem DRV fehle eine Vision. Den Spielern stelle sich die Frage, wie der Verband dem 15er-Rugby-Nationalteam „zukünftig professionelle Rahmenbedingungen schaffen will“, vor allem „ohne die Förderung von Dr. Hans-Peter Wild“.

Wild gegründete 2007 die „Wild Rugby Academy“ (WRA). Von September 2014 bis August 2017 war die Stiftung zur Förderung des Rugbysports der Premium-Partner des DRV und unterstützte dabei die 7er- und 15er-Nationalteams organisatorisch und finanziell. „Die Grundhaltung des DRV, dass ich bezahlen soll und die Funktionäre kassieren, ist für mich nicht akzeptabel“, erläuterte Wild auf der WRA-Webseite seine Haltung.

DRV: „Völliges Unverständnis“

Die spiegelt sich in der Ankündigung der „Gesellschaft zur Förderung des Rugbysports mbH“ (GFR), die Angestellten der GFR, zu denen laut DRV-Mitteilung die bei der WRA „unter Vertrag stehende Spieler und Trainer“ gehören, nicht mehr dem Verband zur Verfügung zu stellen.

„Auf Seiten des DRV herrscht völliges Unverständnis über diesen Schritt der Nationalspieler. Diese Entscheidung drei Tage vor einem Länderspiel ist aus unserer Sicht nicht akzeptabel. Aus unserer Sicht ist auch die Begründung nicht nachvollziehbar, weil an vielen Stellen einfach falsch“, erklärt DRV-Präsident Klaus Blank. Die GFR habe eine schriftliche Vereinbarung über die Verfügbarkeit ihrer Angestelten durch die Absage nicht eingehalten, so Sportdirektor Manuel Wilhelm.

Im neuen Not-Nationalteam sind Rugbyspieler aus zehn Bundesliga-Teams vertreten. Nur Spieler vom Heidelberger RK, der auch von der WRA des Eppelheimer Unternehmers und Milliardärs Wild („Capri-Sonne“) profitiert, fehlen.

Mehr zum Thema Rugby in Pforzheim unter www.pz-news.de/rugby