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Für Michael Reschke (links) ist Kommunikation sehr wichtig. Hier unterhält er sich mit Torhüter Ron-Robert Zieler. Foto: Baumann
Für Michael Reschke (links) ist Kommunikation sehr wichtig. Hier unterhält er sich mit Torhüter Ron-Robert Zieler. Foto: Baumann
06.09.2017

Neuer Geist dank neuem Sportvorstand beim VfB Stuttgart

Stuttgart. Wenn man Michael Reschke rund vier Wochen nach seinem Amtsantritt als Sportvorstand des VfB Stuttgart zuhört, wird schnell klar: Dieser Mann lässt sich begeistern.

Und er kann begeistern. Irgendwann entschuldigt er sich fast dafür, wie er über die neuen Kollegen und Mitarbeiter spricht. Egal, wer gemeint ist, es fallen die Ausdrücke „klasse“ und „macht einen super Job“. Die Scouts um Markus Lösch, sein Assistent Joachim Cast, die Sekretärin Katja Schmidt, die Mediziner, die Trainer. Der 59-Jährige, als langjähriger Fußball-Manager mit allen Profi-Wassern gewaschen, lobt „die harmonische Grundstimmung“ beim Bundesliga-Rückkehrer. „Dieser Verein hat Wucht“, hat Reschke festgestellt.

„Geben Sie mir Zeit“

Was ihn selbst betrifft, klingt Reschke bescheidener. Dass er in zehn Jahren bei Bayer Leverkusen und drei bei Bayern München weniger im Blick der Öffentlichkeit stand, obwohl er für viele hochkarätige Transfers (mit-) verantwortlich war, hat ihn nach eigener Aussage nicht gestört. „Das ist jetzt vorbei“, sagt er, grinst, und bittet darum, in Zukunft „nicht jeden Tag etwas sagen zu müssen, wenn es nichts zu sagen gibt“. Er schwärmt in den höchsten Tönen davon, wie VfB-Präsident Wolfgang Dietrich ihm die neue Aufgabe schmackhaft gemacht hat. Und fügt hinzu: „Ob es die richtige Entscheidung war, mich zu holen, wird sich zeigen. Geben Sie mir mal zwei Jahre Zeit.“

Der Rheinländer Reschke verströmt einen ganz anderen Geist als zuvor der nordisch-kühle Jan Schindelmeiser. Über seinen Vorgänger sagt Reschke freilich nichts Schlechtes. „Jan hatte auch vor, den Kader noch abzurunden, den Ball haben wir weitergespielt“, sagt er mit Blick auf die Personalplanung. Wie auch für den jungen Trainer Hannes Wolf ist die Kommunikation für Reschke sehr wichtig.

Acht der Sommerzugänge hat Schindelmeiser geholt, drei Reschke. Durch die jüngsten Transfers sind Durchschnittsalter und Bundesligaerfahrung deutlich erhöht worden: Die Abwehrspieler Dennis Aogo (bisher FC Schalke 04) und Andreas Beck (bisher Besiktas Istanbul) sind beide 30 Jahre alt. „Ich freue mich sehr, dass es uns gelungen ist, zwei so erfahrene Spieler zu verpflichten“, sagt Reschke. „Die werden auch im Abstiegskampf nicht nervös.“ Nur um den Klassenverbleib geht es zunächst, daran lässt auch der neue Sportchef keinen Zweifel.

Reschke erklärt, der VfB sei gut aufgestellt, er spricht über Tradition und darüber, wie erfolgreich der Verein einstmals im Nachwuchsbereich war. „Ich habe hier als A-Jugendtrainer mit Bayer Leverkusen gespielt, 4:0 und 7:3 – aber nicht gewonnen. Puh“, erzählt er und lacht. Aber er spricht ebenso klar über den Ist-Zustand. Das Gehaltsgefüge der Profis liegt im unteren Drittel der Bundesliga. Es wird „verdammt schwer“, den Klassenverbleib zu schaffen.

Starke Konkurrenz

An der Überzeugung, dass der Kader gut genug ist, fehlt es Reschke nicht. Aber das ist bei den Konkurrenten eben auch der Fall. Voller Respekt spricht er von seinen Kollegen und lobt, wie seriös in der Bundesliga gearbeitet wird. Übrigens auch, was Ablösesummen betrifft, wie er im Hinblick auf die internationalen Rekordtransfers betont. „Das Problem ist, dass es keinen sicheren Absteiger gibt“, erklärt er und meint im Inneren wohl auch, dass genau das das Schöne an der Bundesliga ist. Da der Manager, dort der Fußballfan Reschke. „Es kann passieren, dass du seriös und gut arbeitest, und trotzdem 16. oder 17. wirst.“

Die Stuttgarter sollte es besser nicht treffen, findet der neue Sportvorstand. Ein erneuter Abstieg „wäre mehr als schmerzhaft. Ich weiß nicht, ob dem Verein und dem Umfeld ein solcher Kraftakt nochmal gelingen könnte, wieder aufzusteigen.“