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Flankiert von Sportdirektor Jens Todt (links) und Präsident Ingo Wellenreuther (rechts) beantwortet der neue Coach des Karlsruher SC Tomas Oral die Fragen der Journalisten. Foto: dpa
Flankiert von Sportdirektor Jens Todt (links) und Präsident Ingo Wellenreuther (rechts) beantwortet der neue Coach des Karlsruher SC Tomas Oral die Fragen der Journalisten. Foto: dpa
Moritz Stoppelkamp  wechselt vom SC Paderborn zum Karlsrfuher SC. Foto: dpa
Moritz Stoppelkamp wechselt vom SC Paderborn zum Karlsrfuher SC. Foto: dpa
30.05.2016

Neuer KSC-Trainer Tomas Oral freut sich auf Moritz Stoppelkamp

Ein wenig nervös wirkt Tomas Oral, als er zum ersten Mal als neuer Trainer des Karlsruher SC die Journalisten begrüßt: Zwar versucht der 43-Jährige zu lächeln, während er den Presseraum des Wildparkstadions betritt. Doch die aufeinandergepressten Zähne wirken gefroren, ganz so, als habe der 1,68 Meter große Hesse gerade zugebissen – was durchaus zu dem passt, was er von sich berichtet.

„Wer meine sportliche Laufbahn kennt, weiß: Ich habe nie etwas geschenkt bekommen, habe meine Ellenbogen genutzt, mich durchgebissen“, blickte Oral, dessen aramäische Eltern aus dem türkischen Midyat nach Ochsenfurt auswanderten, am Montag zurück. Dies spiegle sich in seiner Spielphilosophie wieder: „Ich habe meine Mannschaften immer dominant ausgerichtet, mit Frankfurt bin ich in sechs Jahren sechs Mal aufgestiegen – das prägt.“ Ab 2003 hatte er zunächst die zweite FSV-Mannschaft von der Kreisklasse in die Landesliga und anschließend die erste Mannschaft von der Oberliga in die 2. Bundesliga geführt. Nach den Stationen RB Leipzig, FC Ingolstadt sowie als Co-Trainer Felix Magaths beim FC Fulham kehrte Oral 2015 zum FSV zurück.

Das Engagement in Karlsruhe ist für ihn „der nächste Schritt“ – und zwar einer, bei dem er auf Moritz Stoppelkamp setzt. Der Linksaußen kommt ablösefrei vom SC Paderborn und erhält einen Zwei-Jahres-Vertrag. Sportdirektor Jens Todt lobte den 29-Jährigen als „schwer ausrechenbaren, variablen und torgefährlichen Mittelfeldspieler“. Und Präsident Ingo Wellenreuther verriet: „Zudem haben wir vor, noch zwei überdurchschnittliche Spieler zu holen. Das Präsidium hat die Mittel dafür freigemacht.“ Auf Orals Wunschliste ganz oben stehen ein Innenverteidiger und ein defensiver Mittelfeldspieler. Zwar stehe das Gerüst schon. Zugleich betonte der neue Trainer aber die Notwendigkeit, „das Vakuum zu schließen, das durch den Abgang wichtiger Persönlichkeiten entstanden ist“. Wann die weiteren Neuzugänge feststehen, ist noch offen. Todt sagte lediglich: „Es ist wahrscheinlicher, dass diese beim Lauftrainingslager dabei sind, als dass sie nicht dabei sind.“

Junge Spieler entwickeln

Dieses startet bereits am 13. Juni im Hotel Schliffkopf in Baiersbronn, wobei die Spieler vor der heißen Phase der Vorbereitung noch eine weitere Woche freibekommen. Gut möglich ist, dass dann auch junge Spieler eine Chance kriegen: Oral beobachtete Anfang Mai den 3:0-Sieg der Karlsruher U19 beim VfB Stuttgart – unter anderem, um sich Innenverteidiger Niklas Hoffmann ein Eigengewächs, anzusehen, das danach einen Dreijahresvertrag unterschrieb. „Mir sind Spieler, die bereits eine hohe Identifikation mitbringen lieber als solche, denen man diese erst einträufeln muss“, so Oral, der bald auch nach Karlsruhe ziehen möchte.

„Uns war wichtig, dass der neue Trainer junge Spieler entwickeln kann“, nannte Wellenreuther dann auch einen Grund, weswegen man bei der Trainersuche Todts Vorschlag gefolgt sei. In mehreren Gesprächen habe Oral die Bosse überzeugt. Diesem kam dabei sicher auch sein Selbstbewusstsein zugute: Dieses klang am Montag zum einen an, als er von einer Hospitanz bei Diego Simeone, Gesprächen mit José Mourinho und der Freundschaft zu Magath berichtete. Zum anderen bei seinem Blick auf seine bisherige Laufbahn. So tue ihm das bittere Ende in Frankfurt mit seiner Entlassung und dem folgenden Abstieg zwar „sehr weh“. Doch er verwies auch deutlich darauf, wo der FSV stand, als er gehen musste: Vier Punkte über dem Strich.