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Das Lachen ist dem neuen VfB-Präsidenten Wolfgang Dietrich bei der turbulenten Mitgliederversammlung einige Male vergangen.   Calagan
Das Lachen ist dem neuen VfB-Präsidenten Wolfgang Dietrich bei der turbulenten Mitgliederversammlung einige Male vergangen. Calagan
10.10.2016

Neuer VfB-Chef Dietrich: „Wir müssen hoch“

Vor seiner spannenden Wahl zum Präsidenten des VfB Stuttgart war Wolfgang Dietrich omnipräsent – nun soll es erst mal deutlich ruhiger werden. „Wenn sie die nächsten zwei, drei Wochen wenig von mir hören, dann heißt das nicht, dass ich mich verziehe, sondern an die Arbeit gehe“, betonte der 68 Jahre alte Unternehmer. „Ich weiß, das ist ein langer Weg, im Team den Verein wieder dahin zu führen, wo er schon mal war.“

Dietrich braucht möglichst schnell Erfolge, um seine vielen Kritiker rund um den Fußball-Zweitligisten zu überzeugen. Wegen seiner Vergangenheit als Sprecher des Bahnprojekts Stuttgart 21 und als Teilhaber einer Firma, die Kredite an andere Fußballvereine vergibt, war er vor allem in der Wahrnehmung der Ultras von vornherein nicht wählbar. Mit lauten Pfiffen und Buh-Rufen sorgte dieser Teil der VfB-Fans auch bei der Mitgliederversammlung am Sonntag für eine hitzige Atmosphäre und einen alles andere als harmonischen Start.

57,2 Prozent der stimmberechtigten VfB-Mitglieder in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle wählten den Vater zweier Söhne schließlich für vier Jahre. „Das Ergebnis ist mir egal, das habe ich immer gesagt“, betonte Dietrich. „Ich möchte nur mit mehr Stimmen entlastet werden, als ich gewählt worden bin.“

Dass ihm das gelingt, davon ist Aufsichtsratschef Martin Schäfer überzeugt. Nach Dietrichs Rede, die sich an Argumenten und weniger an Emotionen orientierte, sei er überzeugter denn je, dass der einzige Kandidat die beste Lösung für den VfB sei. „Wenn man vor dieser Versammlung abgestimmt hätte, dann hätte Herr Dietrich vermutlich keine Mehrzeit bekommen. Aber er hat mit seiner Vorstellung noch Mitglieder überzeugt“, sagte Schäfer.

Wie fast alle in der Vereinsführung ist Dietrich von der sportlichen Entwicklung abhängig. Hohe Ziele wie die Teilnahme an der Champions League, die sein nach dem Abstieg zurückgetretener Vorgänger Bernd Wahler am Anfang proklamiert hatte, benannte Dietrich nicht. Auf die Kritik eines Mitglieds, ihm fehlten Visionen, antwortete er: „Die Vision ist einfach: Wir müssen hoch, in die Erste Liga.“

Dabei scheint vor allem Sportvorstand Jan Schindelmeiser ein Glücksfall zu sein für den Verein. Seine betont gelassene und sachliche Art honorierten die Mitglieder mehrfach mit Applaus. Auch der neue Cheftrainer Hannes Wolf ist schon nach zwei Spielen eindeutig ein Sympathieträger. Aus diesem Windschatten heraus will Dietrich zuerst einen Verhaltenskodex erarbeiten und die Geschäftsordnung neu fassen, um die Kompetenzen und Aufgaben aller Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle klarer zu definieren. Und vor allem der Nachwuchsabteilung will er viel Energie widmen. „Die Struktur im Nachwuchsbereich darf man Ende nächsten Jahres nicht wieder erkennen“, betont er.