nach oben
Hannes Wolf, ein junger Trainer aus Westfalen, findet beim ambitionierten Bundesliga-Absteiger VfB Stuttgart ein neues Zuhause.  Stein
Hannes Wolf, ein junger Trainer aus Westfalen, findet beim ambitionierten Bundesliga-Absteiger VfB Stuttgart ein neues Zuhause. Stein
21.09.2016

Neuer VfB-Trainer Hannes Wolf: Noch kein Spiel und schon gepunktet

Wenn Hannes Wolf die Punkte so leicht gewinnt wie die Menschen in einer Pressekonferenz, dann kann es tatsächlich etwas werden mit dem Wiederaufstieg des VfB Stuttgart in die Bundesliga. Der 35-jährige Neuling im Profigeschäft ließ sich gestern im Clubhaus gleich von sehr vielen Reportern verbal auf den Zahn fühlen. Der erste und der zweite Eindruck: Da weiß einer, was er tut.

Beispiel gefällig? Wolf wurde gefragt, wie er wünscht, von den Spielern angeredet zu werden: „’Trainer’ und ’du’ – der Vorname muss nicht sein, siezen wäre albern.“ Klare, entwaffnende Antwort. Noch so ein Wolf-Satz mit Biss: „Jeder Trainer auf Topniveau hat irgendwann sein erstes Spiel gemacht.“

So ähnlich soll es sein Team am besten schon am morgigen Freitag (18.30 Uhr/Sky) in seiner Geburts- und Studienstadt Bochum gegen den VfL machen: trotz knifflig aussehender Ausgangslage klare, entwaffnende Antworten auf dem Platz geben. Und punkten soll der VfB auch wieder. Wolf: „Ich habe einen sehr hohen Anspruch an mich. Ich möchte schnellen, intensiven, emotionalen Fußball spielen lassen.“

Auf den Spuren großer Trainer

Wenn man Wolf reden hört und die Augen schließt, sieht man Jürgen Klopp und Thomas Tuchel vor dem geistigen Auge auftauchen. Die Art des Fußballs, den sie spielen lassen, verbindet die drei, ebenso ihre Wortgewandtheit und Borussia Dortmund: Bei Klopp und Tuchel durfte Junioren-Trainer Wolf Mäuschen spielen: „Ich habe das Glück, dass ich an beiden teilhaben durfte“, sagt der verheiratete Vater zweier Töchter und nennt das Trainingslager in Dubai mit Tuchel als Beispiel: „Die Türen waren offen, ich war bei der Trainingsplanung dabei – ein unglaublicher Input.“ Von dem profitiert er seit Jahren, was auch schon in Württemberg zu sehen war.

Der Absolvent des Fußballlehrerjahrgangs 2012 (mit Steffen Effenberg, Mehmet Scholl sowie Alexander Zorniger als bestem Teilnehmer) war 2013 in Bretzfeld und 2014 in Wüstenrot mit Dortmunds U 17 beim Bundesliga-Cup zu Gast. Schon da war Turnierdirektor Jürgen Birkert klar: „Hannes Wolf wird seinen Weg machen.“ Nun sagt Birkert: „Außer Erfahrung hat Wolf alles, was ein erfolgreicher Trainer haben muss: Fachkompetenz, moderne Spielauffassung, großen Ehrgeiz, Durchsetzungsvermögen und ganz wichtig, er kann seine Spieler begeistern. Das ist ein Typ wie der Hoffenheimer Julian Nagelsmann.“ Wolf wurde wie Nagelsmann früh von einer Verletzung ausgebremst. Er ging studieren, sein Körper machte wieder mit, so dass er Spielertrainer wurde: „Zwischen 23 und 28 habe ich bis zur Verbandsliga Aktive trainiert, Familienväter, die einen ganz normalen Job hatten.“ Sie hörten Wolf zu.

Mann mit feinen Antennen

VfB-Sportvorstand Jan Schindelmeiser streicht die Sozialkompetenz seines „Wunschkandidaten“ heraus: „Hannes hat feine Antennen, wer in der Gruppe gerade schwach ist.“ Die Verletzten, die Reservisten. Sie alle braucht es, für den Erfolg. „Entwickeln geht nur über Kommunikation“, weiß Schindelmeiser.

Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, der Wolf letztlich ziehen ließ, sagte: „Der VfB Stuttgart ist ein toller Traditionsverein, jetzt kriegen sie einen tollen Trainer. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass sie aufsteigen.“ Dafür braucht es aber noch viele Punkte. Und viele Worte von Trainer Wolf. Er wird mit ihnen schnell punkten.