nach oben
16.12.2013

Neues KSC-Stadion nach Grünen-Vorschlag wieder in Gefahr

Karlsruhe. Einen Aufstiegsplatz in Richtung Bundesliga hat der Karlsruher SC am Wochenende vorerst verspielt, nun könnte auch der erhoffte Neubau eines erstligareifen Stadions in Wanken geraten.

Denn ein Routinetermin auf dem Weg zur neuen Spielstätte für den Tabellenvierten der zweiten Liga ist die Gemeinderatssitzung der Stadt am Dienstag (ab 15.00 Uhr) nicht mehr. Mit gut gewähltem Timing fordert die Grünen-Fraktion knapp sechs Monate vor den Kommunalwahlen einen Bürgerentscheid über das Projekt - die Befürworter von CDU, FDP und der SPD von Oberbürgermeister Frank Mentrup stecken plötzlich in einer schwierigen Situation.

Statt 65 Millionen Euro in eine zeitgemäße Arena und 55 Millionen Euro in die Infrastruktur zu investieren, wollen die Grünen lediglich 40 Millionen Euro in eine «grundhafte Modernisierung» stecken. «Fußball ist nicht zwingender Bestandteil der kommunalen Daseinsvorsorge», sagte Fraktionssprecherin Bettina Lisbach. Und nach Ansicht von Stadträtin Ute Leidig ist dabei auch «die Wirtschaftlichkeit des Vereins nur eine Frage von mehreren».

Gegner eines Neubaus sehen den Vorstoß in letzter Minute als notwendiges, taktisches Foul. Im Fußballclub empfindet man die erneute Infragestellung des Projekts nach der Einigung von OB und Vereinsspitzen im Oktober dagegen als Blutgrätsche. «Eine reine Sanierung des Stadions im laufenden Betrieb ohne Aussicht auf Einnahmesteigerungen wäre gleichbedeutend mit einem Todesurteil für den KSC und dem Ende des Profifußballs in Karlsruhe auf absehbare Zeit», äußerte der Verein in einer Pressemitteilung. Der KSC werde für Verhandlungen auf dieser Basis «nicht zur Verfügung stehen».

Selbst Trainer Markus Kauczinski, der sonst «eigentlich eher ungern» über dieses Thema spricht, bezog vergangene Woche Stellung. «Natürlich gibt es ganz viele Argumente, die für ein neues Stadion sprechen. Mehr als dagegen. Mit dem Stadion und den Mitteln, die wir haben, brauchen wir in der ersten Liga gar nicht erst antreten. Das muss klar sein», sagte er. Präsident Ingo Wellenreuther hat die Hoffnung jedoch noch nicht aufgegeben. «Wir vertrauen auf die Weitsicht des Gemeinderats», sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete, der dem Gremium selbst lange angehörte. Wohl wissend, dass der Verein kaum einen eigenen finanziellen Beitrag zu einem neuen Stadion leisten könnte.

Auch Coach Kauczinski will jede Entscheidung akzeptieren. «Ich bin gerne hier. Ich weiß aber auch, dass die Infrastruktur nicht ausreicht, um die nächsten Schritte zu gehen. Wenn man sagt, man will aufsteigen, dann muss die Infrastruktur mitwachsen», sagte er. «Es müssen Einnahmemöglichkeiten da sein, man muss Trainingsstrukturen haben und man muss den Leuten Komfort bieten können. Wenn man das alles nicht will oder andere Prioritäten setzt, dann ist das eben so. Dann muss man das als Verein akzeptieren.»