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Der Aufreger kurz vor Schluss: Schiedsrichter Manuel Bergmann zeigt Holger Fuchs die Rote Karte, rechts liegt der gefoulte Daniel Hahn. Foto: Gössele
25.10.2013

Niederlage des FC Nöttingen: Erhitzte Gemüter nach Schlusspfiff

Remchingen-Nöttingen. Nach dem Schlusspfiff wollten sich die Gemüter zunächst nicht beruhigen. Schiedsrichter Manuel Bergmann aus Erbach wurde im Nöttinger Panoramastadion mit einem Pfeifkonzert verabschiedet, der FCN-Vorsitzende Dirk Steidl fing den Unparteiischen vor der Kabine ab und „geigte“ ihm die Meinung. Entzündet hatte sich der Frust an der Roten Karte für Nöttingens Abwehrspieler Holger Fuchs, der den Walldorfer Daniel Hahn umgesenst hatte (87. Minute). „Der stand vorher klar im Abseits. Wäre das gepfiffen worden, wäre es gar nicht zum Zweikampf mit Platzverweis gekommen“, schimpfte Steidl.

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Zehn Minuten später war Steidl wieder da. Dieses Mal in der Kabine der Schiedsrichter. Um sich zu entschuldigen. Nachdem er die Videoaufnahme der strittigen Szene gesehen hatte, gestand er ein: „Richtige Entscheidung, kein Abseits.“

So umstritten diese eine Szene kurz vor Spielende war, so einig waren sich alle Beteiligten über den Ausgang des Spitzenspiels in der Fußball-Oberliga. Der 2:1 (0:0)-Erfolg von Verfolger FC Walldorf beim Tabellenführer FC Nöttingen war verdient. Die einsatzfreudigen Gäste waren 90 Minuten lang feldüberlegen, hatten die klar besseren Chancen. Dennoch mussten sie lange zittern, weil Nico Hillenbrand (70.) und Timo Kern (72.) erst spät trafen und FCN-Torjäger Michael Schürg mit seinem elften Saisontreffer (84.) noch einmal für Spannung sorgte.

Für die Nöttinger war es die erste Saisonniederlage. Trainer Michael Wittwer gab sich dennoch entspannt: „Das haut uns nicht um.“ Mit Wechseln hätte er an diesem Abend den Spielverlauf kaum beeinflussen können. Zu viele der Akteure in den lila-weißen Trikots brachten nicht Normalform. Vor allem im Spiel nach vorne ging wenig zusammen.

Und der Blick auf die Bank zeigt auch den großen Unterschied zwischen beiden Vereinen. Während der Walldorfer Kader so üppig ausgestattet ist, dass Spieler wie die Ex-Profis Stephan Sieger und Thomas Hillenbrand oder Mario Göttlicher nur Reservisten sind, warteten bei Nöttingen überwiegend junge Spieler aus der zweiten Mannschaft auf ihre Einwechslung. Tobias Müller kam dann auch tatsächlich und bereitete das Tor von Schürg vor. Aber Langzeitverletzungen von Spielern wie Niklas Hecht-Zirpel, Simon Frank und Demis Jung schlagen bei den Remchingern schon anders zu Buche als beim Konkurrenten. Umso erstaunlicher sind die drei Punkte Vorsprung, die der FCN immer noch auf Walldorf hat.

Mit zu viel Schwung

Bitter ist die Rote Karte für Holger Fuchs. Dass es ein Foul war, bestritt Fuchs nicht. Aber der Abwehrmann gilt eigentlich nicht als unbesonnener Haudrauf. „Ich hatte einfach zu viel Schwung“, berichtete der Rotsünder später vom entscheidenden Zweikampf, führte zur Entschuldigung aber an: „Ich habe ihn bei der Grätsche nicht mit dem gestreckten Bein, sondern mit dem zweiten Bein, das angewinkelt war, erwischt. Und es war mein erstes Foul im Spiel.“ Doch der Schiedsrichter kannte kein Pardon, zückte sofort Rot.

Jetzt hofft man in Nöttingen, dass die Sperre nicht zu lange ausfällt. Schließlich ist die Personaldecke auch so schon kurz. Immerhin steht Abwehrspieler Sascha Paseka, der zuletzt etwas angeschlagen war, wieder parat. Und mit neun Gegentoren in 14 Spielen hat der FCN immer noch die mit Abstand beste Defensive der Liga.

Das war bislang auch der Garant für die Tabellenführung. Von der werden sich die Nöttinger heute aber möglicherweise verabschieden müssen. Lokalrivale TSV Grunbach ist punktgleich und könnte schon mit einem Unentschieden im Verfolgerduell heute (15.30 Uhr) daheim gegen den Tabellensechsten SGV Freiberg vorbeiziehen.

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