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30.07.2017

Niederlage in Haching deckt Karlsruher Defizite schonungslos auf

Marc-Patrick Meister hatte schon einige Interviews gegeben, als er sich nach der Pressekonferenz Zeit für die mitgereisten Karlsruher Journalisten nahm. Doch selbst 45 Minuten nach dem Ende eines Spiels, das sein Team mit 2:3 verloren hatte, sah man dem KSC-Trainer an, dass ihn der Auftritt seiner Elf schockiert hatte. „Unser Gegner geht zurecht als Sieger vom Platz. Er hat sich das erarbeitet und erkämpft.“

Dabei war Meisters Hauptkritik am Auftrittseiner Mannschaft gegen die Spielvereinigung Unterhaching nicht mal die fehlende Kampf- und Laufbereitschaft, die war zumindest bis zur 60. Minute halbwegs da. Doch taktisch hatte das Team wenig von dem umgesetzt, was Meister vorgegeben hatte. „Wir haben zu tief verteidigt und wenn wir den Ball hatten, haben wir ihn weggeschossen“, staunte Meister, der genau das Gegenteil gefordert hatte: Frühes, aggressives Stören und schnelles Spiel in die Spitze. Doch das sah man beim Zweitliga-Absteiger viel zu selten. Was zum einen daran lag, dass die Mittelfeldzentrale – erneut mit den defensiven Kai Bülow und Andreas Hofmann besetzt – kaum Ideen im Offensivspiel entwickelte.

Es lag aber auch am Sturm: Dominik Stroh-Engel ist ein klassischer Strafraumstürmer. Doch auch in Haching rochierte er zu wenig, ging allenfalls halbherzig ins Pressing. Ganz anders sein Sturm-Partner Anton Fink, der per Elfmeter den ersten von zwei Karlsruher Treffern erzielte, sich aber im zweiten Durchgang fast ausschließlich als Ballverteiler im Mittelfeld betätigte. „So ist Toni, er will helfen und mitarbeiten“, erklärte Meister. „Aber das war nicht seine Aufgabe, wir brauchen ihn vorne.“

Wechsel zahlen sich nicht aus

Meister schaute sich das Offensiv-Elend im zweiten Durchgang nicht lange an. Schon in der 56. Minute nahm er Stroh-Engel vom Platz, kurz darauf mussten Burak Camoglu und Hofmann runter. Für sie standen nun mit Florent Muslija, Fabian Schleusener und Marvin Wanitzek drei schnelle Spieler auf dem Platz. Mehr als eine Chance von Schleusener (82.) kam dennoch nicht zustande. Dass der dritte Gegentreffer durch Stefan Schimmer in der 89. Minute fiel, war bitter, spiegelte aber den Spielverlauf wider. Der KSC tat in der zweiten Hälfte schlicht zu wenig, um beim Aufsteiger Punkte mitzunehmen.

Unter normalen Umständen müsste eine zweimalige Führung natürlich reichen, um als individuell besser besetzte Mannschaft ein Spiel zu gewinnen. Doch da wären eben noch die unerklärlichen Wackler in der Defensive. Bei allen Gegentoren verteidigte der KSC nicht konsequent. Vor dem ersten Hachinger Tor durch Stephan Hain verlor Jonas Föhrenbach den Ball, vor dem zweiten durch Kai Bigalke ließen Föhrenbach und Marc Lorenz Hachings Angreifer durchlaufen. „Da ist mir egal, wer die Gelbe Karte riskiert. Aber entweder Marc oder Jonas müssen es tun“, ärgerte sich der Coach.

Anhänger erstmal beunruhigt

Bislang hat der KSC einen Zähler aus zwei Partien auf dem Konto. Dass es schon am Mittwoch (19 Uhr/telekomsport) bei der zweiten Mannschaft von Werder Bremen weitergeht, ist für den KSC-Tross ein zweifelhaftes Vergnügen.

Bei einem Sieg würde es in den Internetforen wieder ruhiger. Doch andererseits bleibt bis dahin nicht viel Zeit, um die Mängel in allen Mannschaftsteilen abzustellen.