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Da gab es für Stuttgarts Torhüter Przemyslaw Tyton nichts zu halten: Admir Mehmedi (rechts) bescherte Leverkusen kurz vor Schluss das entscheidende 4:3.  Gambarini (3), Skolimowska
Da gab es für Stuttgarts Torhüter Przemyslaw Tyton nichts zu halten: Admir Mehmedi (rechts) bescherte Leverkusen kurz vor Schluss das entscheidende 4:3. Gambarini (3), Skolimowska
Daniel Didavi traf und hatte am Ende doch keinen Grund zur Freude.
Daniel Didavi traf und hatte am Ende doch keinen Grund zur Freude.
Martin Harnik ging nach einem grandiosen Spiel enttäuscht vom Feld.
Martin Harnik ging nach einem grandiosen Spiel enttäuscht vom Feld.
Als Martin Ristl kam, stand es 3:3, am Ende verlor der VfB mit 3:4.
Als Martin Ristl kam, stand es 3:3, am Ende verlor der VfB mit 3:4.
25.10.2015

Niederlage in Leverkusen: Ein Schuss mitten ins VfB-Herz

Dass es das beste Saisonspiel seiner Mannschaft gewesen ist, wollte Alexander Zorniger nach dem Schlusspfiff in Leverkusen nicht hören. „Ich habe auch andere gute Spiele meiner Mannschaft gesehen“, sagte der Trainer des VfB Stuttgart. Es sind Bundesligaspiele, die sein Team alle verloren hat. Die großartige Partie bei Bayer Leverkusen, einer Mannschaft die in der Champions League spielt, endete aus VfB-Sicht 3:4 (0:0).

Beginnen wir mit dem Positiven. Es macht Spaß, dem VfB beim Fußballspielen zuzuschauen. Vor allem in der Offensive. Auch ohne Daniel Ginczek kombinationssicher, geführt von einem glänzend aufgelegten Daniel Didavi, der vermutlich spätestens ab nächster Saison in der BayArena auflaufen wird. Mit einem Jung-Talent Timo Werner, der endlich wieder in der Lage zu sein scheint, zu zeigen, was in ihm steckt. 30210 Zuschauer in der ausverkauften Arena sahen ein temporeiches, offensives Spiel, sieben Tore in 40 Minuten, super. Und am Ende sagte Daniel Didavi zutreffend: „Wir haben in zehn Spielen jetzt 23 Tore eingefangen. Das sind mehr als zwei pro Spiel. Das geht in der Bundesliga gar nicht.“ Dem wollte in Leverkusen niemand widersprechen.

Wer vom Positiven spricht, darf das Negative nicht ausblenden. Die Abwehr genügt derzeit nicht den Ansprüchen, die ein Trainer in der Bundesliga stellen muss. „Wir können die Qualität, die Leverkusen offensiv entfaltet, momentan nicht verteidigen. Diese einzigartige Offensivpower können wir nicht unterbinden. Trotzdem ist diese Last Minute-Niederlage nur schwer zu akzeptieren. Normalerweise müssen wir nach dieser Leistung in Leverkusen Punkte mitnehmen“, sagte der Stuttgarter Trainer.

Nach 3:1-Führung kalt erwischt

Das ist alles nicht falsch, aber eben auch nur bedingt richtig. Durch Tore von Martin Harnik, der erstmals in der laufenden Saison traf (50.), und Didavi vier Minuten später führte der VfB verdient mit 2:0, dann wechselte Leverkusens Trainer Roger Schmidt Nationalspieler Karim Bellarabi ein. Und sofort wendete sich das Blatt. Kaum im Spiel, traf Bellarabi zum 1:2 (57.). Noch behielt der VfB seine Stabilität. Glänzend angespielt von Werner, gelang Lukas Rupp das 3:1 (60.).

Damit musste das Spiel entschieden sein: Wenn Zorniger jetzt nur noch auf die Abwehr gesetzt hätte. Aber die Mannschaft stürmte trotz nachlassender Kräfte weiter, als gäbe es kein Morgen. Durch blitzschnelle Gegenstoßaktionen glich Bayer durch den frei stehenden Sebastian Boenisch (70.) und durch Javier „Chicharito“ Hernández (71.) aus. Zorniger reagierte und nahm den eingewechselten Arianit Ferati wieder aus dem Spiel, um mit Mart Ristl die Defensive zu stärken. Trotzdem stürmte die Mannschaft weiter. Und als Admir Mehmedi dann eine Minute vor Schluss den Siegtreffer erzielte, war die ganze Mühe des VfB wieder umsonst.

Im Zweikampf zu schwach

Zorniger wehrte sich mit Händen und Füßen dagegen, zu offensiv gespielt zu haben. „Das 3:4 ist keine Frage von Offensive und Defensive, sondern eine Frage des unzureichenden Zweikampfverhaltens.“ Dass seine Abwehr zum Ende Spiels nur noch einem Torso glich, verschwieg er.