nach oben
Arm auflegen, drehen, über die Schulter rollen und runter auf die Knie: Mit dem sogenannten Armzug legt PZ-Redakteurin Nina Giesecke den zweiten Vorsitzenden des KSV Ispringen, Maik Henning, auf die Matte – natürlich hat der erfahrene Ringer kaum Widerstand geleistet. © Warmke
13.01.2017

Ninas Ding beim Ringen: Ab auf die Matte vor dem DM-Finale

Japsend, nach Luft ringend und gleichzeitig kichernd, schlage ich mit dem Rücken zuerst auf die Matte ein. Ein starker Mann drückt mich herunter – jetzt kichere ich nicht mehr. Puh: Wäre das ein echter Ringkampf gewesen, hätte ich wohl einige Punkte oder gar den kompletten Kampf verloren. Aber zum Glück bin ich nur im Training bei den Ringern vom KSV Ispringen zu Gast, die sich gerade auf ihren finalen Kampf um die deutsche Meisterschaft vorbereiten (am Samstag um 19.30 Uhr in der Bertha-Benz-Halle in Pforzheim).

Ninas Ding: Ringen beim KSV Ispringen

Trainer Bernd Reichenbach bringt mir zunächst ein paar Basics bei: Armzug und Achselwurf. Etwas vorsichtig wage ich mich heran, denn ich habe gehörigen Respekt vor den kräftigen Sportlern, die gerade noch schwere Gewichte gestemmt und gefühlt hunderte von Liegestützen gemacht haben. Doch ich versuche mutig zu sein, packe beherzt zu und tatsächlich: Der Armzug klappt bereits nach dem ersten Versuch – allerdings weiß ich nicht, wie sehr mir die Profis im wahrsten Sinne des Wortes unter die Arme greifen.

Mit dem Achselwurf gepunktet

„Mein persönlicher Lieblingsangriff ist der Achselwurf, mit dem kann ich immer punkten“, erklärt mir David Wagner, mit dem ich üben darf. Der 22-Jährige ringt schon seit seinem sechsten Lebensjahr beim KSV und tritt auch am Samstagabend beim Finale an. Er ergänzt: „Das ist immer ein großartiges Gefühl, wenn man jemanden auf die Matte schickt“. Das kann ich nur bestätigen. Denn kurze Zeit später darf ich meine neu gelernten Künste bei Maik Henning anwenden. Der zweite Vorsitzende des Vereins hat jede Menge Erfahrung – die er gnädigerweise unter den Tisch fallen lässt – so, dass ich ihn wiederum zwar nicht unter den Tisch, aber dafür auf die Matte fallen lassen kann. Und ich kann nur bestätigen: Es ist ein großartiges Gefühl. Ich reite auf einer Welle von Glücksgefühlen, bin total beschwingt – aber vielleicht ein wenig zu sehr. Denn kurze Zeit später zeigt mir Maik, wie richtige Ringer kontern: Raffiniert packt er mich, wirft mich über die Schulter und ab auf den Boden. Da liege ich nun – japsend, nach Luft ringend.

Bildergalerie: Ninas Ding beim Ringen: Ab auf die Matte

Beeindruckende Fairness

„Ein Ringer muss Ehrgeiz, Willen und vor allem Kameradschaft mitbringen, wenn er erfolgreich sein will“, erklärt mir Maik, hilft mir wieder auf die Beine und gibt mir erneut die Chance, gegen ihn zu bestehen. So viel Fairness beeindruckt mich. Schon allein deshalb drücke ich den Jungs aus Ispringen für Samstagabend fest die Daumen. Mir persönlich würde im Angesicht eines so wichtigen Wettkampfes ja ganz schön die Düse gehen – schließlich ist es eine historische Chance, die die KSVler haben. Das erste Mal in der Vereinsgeschichte ist der deutsche Meistertitel zum Greifen nah. „Ich bin sehr aufgeregt, habe schon einige Stunden nicht geschlafen, das ist ein Highlight, das Größte an sich, was man erreichen kann“, sagt Trainer Bernd Reichenbach. Nun bin ich endgültig mit dem Ringer-Fieber infiziert. Aber egal, wie der Kampf um die Meisterschaft am Ende ausgeht: Sieger der Herzen sind die Ispringer für mich schon längst.

Weitere Artikel zum Thema:

KSV Ispringen glaubt fest an historische DM-Chance

Vor dem Finale im Ringen: PZ-news zeigt das „Ringer-ABC“

Mit lädierter Schulter weitergekämpft: Ispringer Ringer geben alles im ersten DM-Finale