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© Günther/PZ-Archiv
08.05.2011

Nöttingens Vorstandsvorsitzender Dirk Steidl: „Ein Dämpfer zur rechten Zeit“

Die 1:2-Heimniederlage gegen den FSV Hollenbach war für Tabellenführer FC Nöttingen ein Rückschlag im Titelrennen der Fußball-Oberliga. Noch aber hat der FCN die besten Karten. PZ-Redakteur Jerôme Nell sprach mit dem Nöttinger Vorstandsvorsitzenden Dirk Steidl über die Aussichten.

Pforzheimer Zeitung: Was war Ihrer Meinung nach ausschlaggebend für die vermeidbare Niederlage gegen den FSV Hollenbach?
Dirk Steidl: Diese Niederlage hat sich bereits in den vergangenen Spielen angekündigt. Auch gegen Neckarrems und in Freiberg haben wir trotz einer 1:0-Führung nur mit sehr viel Glück gewonnen. Vielleicht war es ein Dämpfer zur rechten Zeit.

PZ: Wie beurteilen Sie jetzt die Chancen Ihrer Mannschaft im Meisterschaftsrennen mit dem SV Waldhof Mannheim und im Pokalfinale am Mittwoch gegen den Drittligisten SV Sandhausen?
Steidl: Durch das Unentschieden des SV Waldhof beim Kehler FV hat sich unsere Ausgangssituation im Meisterschaftsrennen nicht verändert. Wir haben es immer noch selbst in der Hand und sind nicht auf Punktverluste des SV Waldhof angewiesen. Bezüglich der Ansetzung des Pokalfinales haben wir natürlich durch unsere englische Woche einen Nachteil gegenüber den Profis des SV Sandhausen. Der Verband wollte dies jedoch so. Wir müssen es leider akzeptieren. Sandhausen spielt zwei Klassen höher als wir. Deshalb sind sie auch haushoher Favorit. In einem solchen Spiel ist jedoch alles möglich.

PZ: Sieht man mal von der jüngsten Niederlage ab, dann hat Ihre Mannschaft bislang eine bärenstarke Saison gespielt. Was sind die Gründe dafür, dass sich der FCN – mit fast demselben Personal wie in der vergangenen Runde – in dieser Spielzeit zu einem echten Spitzenteam entwickelt hat?
Steidl: Dafür gibt es mehrere Gründe. Einerseits sind unsere jungen Spieler wieder ein Jahr älter und reifer geworden. Andererseits ist es uns gelungen, mit Metin Telle und Holger Fuchs zwei absolute Verstärkungen zu verpflichten. Alles in allem passt es derzeit einfach.

PZ: Welchen Anteil trägt Trainer Michael Wittwer an dieser Entwicklung?
Steidl: Als Trainer einer so erfolgreichen Mannschaft, hat man immer einen großen Anteil am Erfolg. Michael Wittwer war es zeitlich möglich, die wöchentlichen Trainingseinheiten zu erhöhen. Dazu kommt seine langjährige Erfahrung als Profi. Dass er den FCN und seine Strukturen sehr gut kennt, hat dann die Sache rund gemacht.

PZ: Lebt die Mannschaft von ihren starken Einzelspielern oder eher vom Teamgeist? Was sind die Stärken der Elf, wo hat sie noch Schwächen?
Steidl: Unsere Mannschaft hat einen sehr guten Teamgeist. Ich habe selten so eine Mannschaft erlebt, die für ihren Erfolg so hart arbeitet wie die aktuelle. Ich denke, dass der aktuelle Erfolg auf einer Mischung aus Teamgeist und den speziellen Möglichkeiten einzelner Spieler basiert. Wenn es mal nicht läuft, dann muss halt mal ein Freistoß versenkt werden. Die Schwächen sollen andere beurteilen.

PZ: Viele Spieler sind mit ihrer Entwicklung noch lange nicht am Ende. Was trauen Sie der Mannschaft in Zukunft noch zu, wenn sie zusammen bleiben sollte?
Steidl: Ich denke, dass dieses Team noch enormes Potenzial hat. Da nun alle jungen Spieler ihre Verträge bei uns verlängert haben, können wir auch beruhigt in die Zukunft schauen.

PZ: Der FCN hat seine Jugendarbeit in den vergangenen Jahren intensiviert – mit großem Erfolg. In der zweiten Mannschaft sind bereits viele Spieler aus der eigenen Jugend integriert. Die B- und A-Junioren spielen in der Verbandsliga. Werden wir in Zukunft noch mehr Eigengewächse in der ersten Mannschaft sehen?
Steidl: So wie es derzeit aussieht, werden in dieser Saison auch die C-Junioren der SG Remchingen wieder in die Verbandsliga aufsteigen. Das würde unsere Basis weiter stärken. Man darf jedoch auch nicht vergessen, dass die Erfolge der Juniorenarbeit nicht allein dem FC Nöttingen zuzuschreiben sind. Ohne die Mitarbeit des FC Alemannia Wilferdingen in der SG Remchingen wäre der augenblickliche Erfolg nicht möglich gewesen. Bezüglich der Frage nach den Eigengewächsen ist es nicht einfach, Spieler für die Oberliga auszubilden. Wenn ich die derzeitige Juniorenarbeit aber so betrachte, gehe ich davon aus, dass sowohl der FCN als auch der FCA von der gemeinsamen Juniorenarbeit in den nächsten Jahren sehr stark profitieren werden.

PZ: Wäre es für Sie ein harter Schlag, wenn der FCN am Ende nicht Meister werden sollte? Oder würde dennoch die Freude über eine gute Saison überwiegen?
Steidl: Es wäre auf jeden Fall sehr schade wenn es nicht reichen würde, aber davon gehen wir mal nicht aus.