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Reinhard Schenker und Mario Bilger
Reinhard Schenker und Mario Bilger © Seibel
24.05.2013

Nöttinger Streitgespräch vor dem Champions-League-Finale - Teil 2

Teil zwei des Nöttinger Streitgesprächs zum Champions-League-Finale: Bilger und Schenker über Götze und Lewandowski und was der BVB sonst noch so alles kann - oder auch nicht.

PZ: Klingt so, als ginge es im Training zwischen Ihnen beiden zurzeit besonders hart zur Sache...

Mario Bilger: Naja...

Reinhard Schenker: Natürlich sticheln wir uns da gegenseitig ein bisschen.

Bilger: So verstehen wir uns ja sehr gut, nur wenn es um das Thema Bayern/Dortmund geht, wird es schwierig. Da reden wir auch nicht so gerne drüber, denn da kann es schonmal ordentlich zur Sache gehen.

Schenker: Das ist bei dem Thema wie Minus und Plus: Das passt nicht zusammen.

Bilger: Die Rivalität ist in den letzten Jahren durch die Dortmunder Erfolge schon gestiegen. Da tut mir diese Saison besonders gut.

Schenker: Bis jetzt. Aber mit dem Dortmunder Final-Sieg die Bayern-Saison im Eimer. Dann war alles umsonst.

Bilger: Das könnte man dann so sagen.

Schenker: (lacht) Wie würde Hoeneß sagen? „Dann sind die Kräfteverhältnisse in Europa wieder zurechtgerückt.“

PZ: Und falls Bayern doch gewinnt? Bekommt Reinhard Schenker dann ein Souvenir aus London mitgebracht?

Bilger: Ich bringe ihm so einen kleinen Champions-League-Pokal mit. Damit er auch mal einen anfassen darf.

PZ: Herr Schenker, gibt es denn eine Sache, die selbst Ihnen als Dortmund-Fan an den Bayern gefällt?

Schenker: Ganz ehrlich: Uli Hoeneß. Egal, was er jetzt in der letzten Zeit gemacht hat: Er ist ein Top-Mann und er war ein Top-Manager, an seiner Arbeit können sich andere eine Scheibe abschneiden.

PZ: Und was gefällt ihnen am BVB, Herr Bilger?

Schenker: Jetzt sagt er gleich „Götze und Lewandowski“.

Bilger: (lacht) Was an denen super ist, ist vielleicht das Stadion. Die Stimmung und die gelbe Wand – das ist schon nicht schlecht.

PZ: Und Götze und Lewandowski?

Bilger: Die natürlich auch. Aber die gehören ja eigentlich schon gar nicht mehr dazu.

Schenker: Abwarten, abwarten, was mit Lewandowski passiert.

Bilger: Weg ist er auf jeden Fall.

Schenker: So einen Spieler will natürlich jeder haben. Da wird jetzt nach Bayern und Real wahrscheinlich auch noch ManU und weiß der Geier wer noch alles kommen. Aber wenn Dortmund die Champions League gewinnt, bin ich mir gar nicht so sicher, ob er weggeht.

Bilger: Das wäre dann ja aber nur eine einmalige Ausnahme. Bayern gewinnt sie dafür in den nächsten drei, vier Jahren. Dortmund kann froh sein, dass sie jetzt im Finale sind. In den nächsten Jahren passiert da nicht mehr viel.

Schenker: Ist klar... das sehen wir dann.

Bilger: Der FC Bayern etabliert sich gerade an der Spitze in Europa. 2010 Finale, 2012 Finale, 2013 Finale. Es wird immer besser.

PZ: Kommt der BVB da noch hinterher?

Schenker: Was München zuletzt international geleistet hat ist schon überragend. Aber zumindest in Deutschland war Dortmund in den letzten zwei Jahren besser als Bayern. Auch wenn Mario das jetzt nicht gerne hört. Und jetzt sind sie auch international gereift. Wenn sie ein paar gute Neuzugänge holen, ist da in den nächsten Jahren auch in der Champions League was drin.

PZ: Wir können uns an ein deutsches Finale auch gerne gewöhnen...

Schenker: Da könnte mich auch dran gewöhnen – so lange es den richtigen Sieger gibt. Ansonsten ist mir Real oder Barca als Gegner aber lieber als Bayern.

Bilger: Für mich wäre es auch schlimmer, gegen Dortmund zu verlieren als gegen Real.

Schenker: Da sind wir uns sogar einig. Es ist wirklich schlimmer, wenn man sich als Dortmund-Fan von den Bayern-Fans anhören muss „Wo seid ihr, wo seid ihr?“. Das muss man sich von Barca-Fans nicht anhören.

PZ: Hat man sich denn nicht auch als Bayern-Fan ein ganz kleines bisschen gefreut, als Dortmund im Viertelfinale in letzter Sekunde Malaga mit 3:2 bezwang?

Bilger: Ganz ehrlich: Absolut nicht.

PZ: Weil man Angst vor Dortmund hat?

Schenker: Genau!

Bilger: Nein, das nicht. Aber ich mag die einfach nicht. Daher wäre es mir lieber gewesen, Malaga hätte gewonnen. Aber das ist auch nicht schlimm, jetzt kriegen sie halt von uns eine Lektion erteilt.

Schenker: Ich war ja bei dem grandiosen 3:2 im Stadion mit dabei. Das war der Wahnsinn.

Bilger: Da wart ihr schon halb-tot und jetzt seid ihr im Finale..

Schenker: Ja, wir waren den Tränen nahe und drehen das Ding noch. Das war Weltklasse. Das war mein größtes Erlebnis als Dortmund-Fan bisher, das kann man gar nicht beschreiben. Ich war Tage danach noch wie benommen, das war wirklich krass.

PZ: Haben Sie mit den Bayern schon Vergleichbares erlebt, Herr Bilger?

Bilger: 2010 war ich beim Viertelfinale in Manchester, als wir mit einer 2:3-Niederlage noch weitergekommen sind. Wir lagen nach 30 Minuten 0:3 hinten. Dann das 1:3, dann macht Robben mit einem Volleyschuss das 2:3 und wir sind weiter.

PZ: Wer von Ihnen beiden ist denn der verrücktere Fan?

Bilger: Da schenken wir uns nicht viel, ich würde mich für Bayern zerreißen.

Schenker: Und ich mich auch für Dortmund.

PZ: Haben Sie denn besondere Glücksbringer oder Fan-Utensilien?

Bilger: Ich habe ein original Trainigs-T-Shirt von Lizarazu. Als kleiner Bub war ich mal am Tag der Offenen Tür beim Training im Olympiastadion. Da bin ich mit zwei Bekannten über den Zaun geklettert und stand plötzlich auf der Tartanbahn. Da hat mir Lizarazu dann das Warmmach-T-Shirt in die Hand gedrückt.

Was ist wichtiger? Die 2. Runde des DFB-Pokals oder der Finalsieg? Hier gehts zu Teil 3 des Interviews.

Die besten Fragen und alles zur Wette zwischen Mario Bilger und Reinhard Schenker gibt es am Samstag in der Pforzheimer Zeitung!