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Karlsruher Fans halten beim Spiel in Sandhausen Zettel mit der Aufschrift „Versager“ in den Händen. Die 0:4-Niederlage des KSC dürfte wohl den Abstieg aus der 2. Liga endgültig besiegelt haben.  Foto: dpa 

Nur wenige haben alles gegeben: Der Karlsruher SC ist tief gesunken

Für den Karlsruher SC stellt sich nur noch die Frage, wie er in Würde aus der 2. Liga absteigt. Die jüngste 0:4-Niederlage in Sandhausen machte deutlich, dass nur wenige alles geben.

Marc-Patrick Meister war irritiert, schließlich hatte ihn ein Fernsehreporter gerade gefragt, ob nicht die Gefahr der Wettbewerbsverzerrung bestehe, wenn der KSC so weiterspiele. „Das sehe ich überhaupt nicht“, antwortete der Trainer des Zweitliga-Schlusslichts tapfer. Meister versprach, seine Mannschaft werde in den kommenden Spielen „nichts herschenken“. Was sollte der Mann auch sonst sagen? Er trainiert schließlich ein Fußball-Team, das er ziemlich sicher ganz anders zusammengestellt hätte, auf dessen Gefolgschaft er aber angewiesen ist, bis nach dem letzten Spiel (am 21. Mai bei Eintracht Braunschweig) sehr viele ihren Spind räumen werden.

Dabei ist die Frage nach der Wettbewerbsverzerrung legitim, wenn man sich die Rahmendaten des Karlsruher Niedergangs zu Gemüte führt: Zuletzt gab es sieben Spiele ohne Sieg, das 0:4 beim Abstiegs-Konkurrenten SV Sandhausen war die sechste Auswärtspleite in Folge. 21 Treffer hat der KSC erst zustande gebracht. Wer gegen Karlsruhes Fußballer spielt, kann im Grunde einen Sieg einplanen – was die Konkurrenz der jeweiligen Gegner nicht freuen dürfte.

Natürlich ist die Debatte, ob Spiele gegen den KSC womöglich zu unlauteren Verschiebungen im Auf- und Abstiegskampf führen, ehrenrührig. Doch die Frage nach der Einstellung einiger Spieler, die stellte sich nach dem Desaster von Sandhausen zwangsläufig.

Da war Kapitän Dirk Orlishausen, der sich nach seinem schlimmen Lapsus vorm 0:1 in Spiel zurückkämpfte und Schlimmeres verhinderte. Da war Benedikt Gimber, der an alter Wirkungsstätte bissig wirkte und „unbedingt zeigen wollte, dass er hier zu Unrecht keine Rolle gespielt hat“, wie Ex-Kollege Denis Linsmayer lobte. Fast alle anderen Spieler aber schienen spätestens nach 45 Minuten den Schlusspfiff herbeizusehen. Oder sehnten sie gar schon das Saisonende herbei?

Kreuzer gab jedenfalls ziemlich deutlich zu verstehen, dass er viele Spieler in der 3. Liga nicht mehr sehen will. „Dieses Spiel hat die Augen geöffnet, auf wen man sich verlassen kann“, sagte Kreuzer: „Wir müssen gegen Lautern alles versuchen, sonst beschwert sich 1860 München zurecht.“

Die logische Konsequenz nach dem Auftritt vom Sonntag, wäre es wohl, schon am Samstag gegen den 1. FC Kaiserslautern (13 Uhr/Sky) nur noch Spieler einzusetzen, auf die man auch in der kommenden Saison bauen will und kann. Doch das ginge mit einem Qualitätsverlust einher, der dem KSC tatsächlich den Vorwurf einhandeln würde, er nehme hohe Niederlagen in Kauf. Meister wird also die Quadratur des Kreises neu angehen und „die Spieler aufstellen, mit denen ich die besten Chancen sehe, ein Spiel erfolgreich zu gestalten“ ohne dabei „aus dem Blick zu verlieren, wer sich über die Saison hinaus mit dem KSC identifiziert.“

Die möglicherweise entscheidendere Frage als die nach der Aufstellung ließ Meister derweil unbeantwortet. Die Frage, ob das Spiel in Sandhausen nicht einmal mehr gezeigt habe, dass diesem Kader Tempo und Qualität fehlten, quittierte er mit einem Stirnrunzeln: „Dazu möchte ich lieber nichts sagen.“ Das konnte man nur allzu gut verstehen, zumal sein Sportdirektor die Sache ja schon gut zusammengefasst hatte, als er feststellte, dass jeder Coach, der diesen Kader trainieren muss, „die ärmste Sau“ sei.