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Symbolbild dpa: Geisterspiel des KSC auf Baden TV zu sehen.
Geisterspiel des KSC auf Baden TV zu sehen © Symbolbild: dpa
08.08.2012

Ohne Fans und ohne Sieger: KSC spielt 1:1

Als die Fußballprofis des Karlsruher SC um 19.00 Uhr winkend gen Gegenrade grüßten, war dies zum einen der Routine des Drittligaaltags geschuldet. Zum anderen war es auch der Versuch, die leeren Ränge bei der Partie gegen den VfL Osnabrück zu ignorieren: Zwar hatte der DFB die Wildparkprofis nach den Ausschreitungen im Relegationsspiel zu einem Geisterspiel verurteilt. Doch beim 1:1 (1:0) gegen die Niedersachsen traten sowohl knapp 1000 Fans vor, als auch die Karlsruher Kicker im Stadion in Sachen Einsatzfreude so auf, als ob es den Zuschauerausschluss nicht geben würde.

Spielerisch schien der Versuch, das Geisterspiel zu ignorieren, zwar zu gelingen. Dass es in den Köpfen der Spieler anders aussah, bekannte KSC-Torwart Dirk Orlishausen: „Das ist ein Katastrophengefühl, du hörst jeden Furz.“ Trotzdem war es der KSC, der mit der Geisterkulisse zu Beginn besser zurecht kam: Schon nach zwei Minuten fischte Gästetorwart Manuel Riemann einen Kopfball Steffen Haas aus dem kurzen Eck. Vier Minuten später war es der erstmals aufgebotene Neuzugang Koen van Biezen, der am starken Riemann scheiterte.

Es war in diesen Minuten ein Geisterspiel der sehenswerten Sorte. Der in der laufenden Saison schlichtweg nicht vohandene Spielwitz: in Person von Hakan Calhanoglu zurückgekehrt. Die Stimmung bei den gut 1000 Fans, die das Spiel auf dem Birkenparkplatz vor dem Wildpark verfolgten: laut genug, um bei den Spielern laut Dennis Kempe „in einigen Situationen anzukommen“. Und der in Stuttgart so schmerzlich vermisste Einsatz: bei fast allen gegeben.

Bei manch einem war der Kampfgeist aber auch zu groß: Mitte der ersten Hälfte, als Osnabrück sich mehr und mehr steigerte, fiel Jungspund Silvano Vernhagen seiner Unerfahrenheit zum Opfer. Überraschend war der 19-Jährige im defensiven Mittelfeld aufgelaufen. Schnell hatte er sich per Halten bei seinem Profidebüt eine Gelbe Karte abgeholt, in der 24. Minute fällte er auch noch den Ex-Karlsruhers Marcus Piossek im Sechzehner. Den fälligen Elfmeter schien Piossek selbst schießen zu wollen, wurde von seinen Mitspielern aber zurückgehalten – was den Gästen gleich doppelt zum Verhängnis wurde: Erst hielt Dirk Orlishausen den mittig getretenen Strafstoß Gaetano Mannos fest. Dann zündete Hakan Calhanoglu nur zwei Minuten später den Turbo: Nach einem Pass von Gaetan Krebs ließ er zwei Osnabrücker aussteigen und setzte eine halbe Drehung später einen gefühlvollen Schuss aus 18 Meter ins rechte Eck (26. Minute).

Die folgenden Osnabrücker Offensivbemühungen mündeten zunächst in einer Großchance Daniel Nagys, die Orlishausen entschärfte (38.). Kurz nach der Pause machte Simon Zoller schließlich ernst: Nachdem die Karlsruher Verteidigung den aufgerückten Rechtsverteidiger Nils Fischer unbedrängt innerhalb des Strafraums flanken ließ, setzte Zoller – auch er spielte wie seine Teamkollegen Piossek und Timo Staffeldt letzte Saison noch für Karlsruhe – seinen Kopfball ins linke Eck (49.).

Das folgende zehnminütige Powerplay der Gäste überstanden die Karlsruher schadlos – und waren in den letzten 30 Minuten gegen den bis gestern verlustpunktfreien Spitzenreiter gar selbst deutlich überlegen. Doch Calhanoglus Freistoß fischte Riemann aus dem Winkel (57.), van Bietzen schoss ans Außennetz (67.) und beim Schuss von Alibaz rettete ein Osnabrücker auf der Linie (73.). Diese Chancen waren es auch, die KSC-Trainer Markus Kauczinski nach dem Spiel grämten: „Das war heute ausgeglichen keine Frage“, so der Coach, der direkt ein „aber“ hinterherschickte: „Aber uns fehlt einfach noch der Kilerinstinkt, um so ein Spiel für uns zu entscheiden.“