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Schmerzhafte Erfahrung: Zwei Finger der linken Hand hat sich Andreas Bretschneider bei einer Barrenübung verletzt.
Schmerzhafte Erfahrung: Zwei Finger der linken Hand hat sich Andreas Bretschneider bei einer Barrenübung verletzt.
16.10.2015

Olympia-Quali: Turner Bretschneider und Nguyen vom KTV Straubenhardt mit Problemen

Pforzheim. Normalerweise mögen die Turner der KTV Straubenhardt den Barren. Das gilt auch für ihre beiden Spitzenleute, die Nationalturner Andreas Bretschneider und Marcel Nguyen. Der Unterhachinger Nguyen wurde an seinem Paradegerät sogar schon Europameister, holte zudem Olympia-Silber, der Chemnitzer Bretschneider ist amtierender deutscher Vizemeister an den Parallel-Holmen.

Derzeit aber hadern die beiden KTV-Turner mit dem Barren – und mit ihnen das ganze Nationalteam. Denn Bretschneider und Nguyen haben sich im Vorfeld der Weltmeisterschaften an eben diesem Gerät verletzt, beide an Fingern der linken Hand. Brettschneider erwischte es Anfang Oktober bei der ersten WM-Qualifikation am Zeige- und Mittelfinger. Vor allem der Zeigefinger mit einem knöchernen Bänderausriss macht noch Probleme. Knapp zwei Wochen später traf es Nguyen im Training: Bänderdehnung samt Einblutung der Kapsel ebenfalls am linken Mittelfinger. Beide sind also im wahrsten Sinne des Wortes gehandicapt.

Wenn gut nicht gleich gut ist

„Die Finger machen noch ordentlich Probleme, die schmerzen schon gut“, sagt Bretschneider. Und es versteht sich von selbst, dass gut in diesem Fall nicht tatsächlich gut heißen soll, sondern kräftig. Vor allem der Langhang am Barren wird beim Training zum Problem. Da treffen Zug- und Rotationskräfte zugleich auf die lädierten Finger. Was tun? „Ökonomisch trainieren“, sagt Bretschneider. Das bedeutet: Die verletzten Gelenke so wenig wie möglich belasten. Aber auch genug trainieren, um die Fitness zu erhalten.

Ansonsten gilt für Bretschneider: „Zähne zusammenbeißen.“ Das kennt er ebenso wie Nguyen ja zur Genüge. Während der Chemnitzer zuletzt mit einem Achillessehnenriss rund ein halbes Jahr pausieren musste, fiel der Unterhachinger mit einem Kreuzbandriss samt folgenden Komplikationen fast ein Jahr aus.

Dass beide schon wieder praktisch alle Geräte turnen können, ist erstaunlich genug. Und die deutschen Turner werden die guten Übungen des KTV-Duos brauchen. Denn bei der WM in Glasgow geht es kommende Woche um nicht weniger als das Ticket für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. Nur die besten acht Mannschaften, die sich für das Team-Finale qualifizieren, sind auch unter dem Zuckerhut als Mannschaft dabei. Auch ein gesunder Fabian Hambüchen als Vorturner und Sechskämpfer kann es alleine nicht schaffen.

Fünf Olympia-Tickets scheinen an die Mannschaften aus China, Japan, Russland, den USA und Großbritannien vergeben. Für die restlichen drei Plätze gelten neben Deutschland noch Südkorea, Brasilien, die Schweiz und die Ukraine als Anwärter. „Wenn wir unser Ding durchziehen, sind wir vorne“, sagt Bretschneider.

Sicherheit geht vor

Wären alle Turner gesund, wäre alles einfacher. Doch neben Bretschneider und Nguyen ist auch Sebastian Krimmer angeschlagen. Bundestrainer Andreas Hirsch hat den Stuttgarter wegen dessen Fußverletzung zunächst sogar nur „unter Vorbehalt“ nominiert. Um so wichtiger ist für das Team jede fehlerfreie Übung. Notfalls verzichtet Bretschneider sogar auf sein spektakuläres Flugteil am Reck zugunsten der Sicherheit. „Wenn es der Mannschaft hilft“, sagt er. Dass er bereits wieder an fünf Geräten ran kann, freut seinen Coach: „Ich ziehe den Hut vor ihm“, sagt Hirsch.

Ein Gutes hat am Ende die Fingerverletzung sogar für Bretschneider. Er muss bei der WM im Gegensatz zu den Kollegen nicht ans ungeliebte Pauschenpferd. „Marcel freut sich sicherlich nicht hundertprozentig, dass er da ran muss“, sagt der Chemnitzer. Fabian Hambüchen hat jüngst erst wieder seine ultimative Lösung für das Problemgerät vorgetragen: „Abschaffen!“