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Nach seinen Schulteroperationen hat sich Reckspezialist Andreas Bretschneider die WM im Oktober als Ziel gesetzt. Foto: dpa
Nach seinen Schulteroperationen hat sich Reckspezialist Andreas Bretschneider die WM im Oktober als Ziel gesetzt. Foto: dpa
17.03.2017

Olympiaturner Andreas Bretschneider von der KTV: „Schlimmste Phase überstanden“

Mit Schmerzen und starken Einschränkungen hat sich Turner Andreas Bretschneider durch das Olympia-Jahr 2016 gequält. Im Dezember und Februar ließ er sich dann operieren: Erst die rechte Schulter, dann die linke Schulter. Jetzt arbeitet der Chemnitzer, der in der Bundesliga-Mannschaft der KTV Straubenhardt zu den Zugpferden zählt, an seinem Comeback. Die PZ hat mit dem 27-jährigen Reck-Spezialisten über seine Leidenszeit gesprochen.

PZ: Hallo Herr Bretschneider, wie geht es Ihnen?

Andreas Bretschneider: So weit ganz gut. Die OPs sind fünf und elf Wochen her, ich bin in der Reha ganz gut unterwegs und zuversichtlich, dass wir das gut über die Bühne bekommen.

PZ: Welche Seite war problematischer?

Andreas Bretschneider: Auf der rechten Seite war der Innenrotator gerissen, auf der linken Seite war es das Übliche, der Supraspinatus (Anm. der Red: Ein Skelettmuskel oben auf der Schulter), wie bei vielen Turnern. Der linken Seite, die erst vor fünf Wochen operiert wurde, geht es schon ziemlich gut, für den aktuellen Zeitpunkt sogar schon super. Da bin ich weit voraus, sagen die Therapeuten. Die rechte Seite macht nach elf Wochen auch ihr Ding, aber da zwickt es noch in der endgradigen Beweglichkeit. Da muss man schauen, dass wir das noch aufarbeiten. Aber wir sind zuversichtlich. Der Operateur hat die Sehnen nachkontrolliert und ist sehr zufrieden.

PZ: Eine operierte Schulter ist ein ganz schönes Handicap im Alltag, oder?

Andreas Bretschneider: Vor allem, wenn Du beide Schultern operiert hast. In der Zeit, als die zweite Schulter frisch operiert war, da konnte ich fast gar nichts machen und war im Alltag sehr eingeschränkt. Die schlimmste Phase ist überstanden. Jetzt arbeiten wir daran, dass die Beweglichkeit auf beiden Seiten zurückkommt. Dann machen wir ein ordentliches Krafttraining, einen ordentlichen Aufbau. Dann haben wir ein bisschen Zeit, bis im Oktober die WM und danach die zweite Hälfte der Bundesliga-Saison anstehen.

PZ: Hatten Sie privat auch ein bisschen Unterstützung?

Andreas Bretschneider: Ja, sicherlich, da haben sich schon ein paar Leute gekümmert. Aber einen Großteil der Zeit war ich ja auch zur Reha in München beim Therapeuten der Nationalmannschaft. Da war ich einen Großteil schon auf mich alleine gestellt. Aber da muss man halt zusehen, dass man das hinbekommt. Selbst ist der Mann.

PZ: Aber schon einfache Sachen wie Duschen oder das Öffnen einer Getränkeflasche können plötzlich zum Problem werden.

Andreas Bretschneider: Das war tatsächlich problematisch. Fast alles, was man sich vorstellen kann, war plötzlich schwierig, erst recht, wenn es mit Handgriffen über dem Kopf losgeht, wenn man etwas aus dem Schrank herausholen will. Aber das war vorher klar. Und es war klar, dass es gemacht werden muss. Deshalb habe ich gesagt, wir machen es lieber im Jahr 2017 als kurz vor den nächsten Olympischen Spielen im Jahr 2020.

PZ: Was geht denn schon an Training, zumindest für Oberkörper oder für die Beine?

Andreas Bretschneider: Ja, klar. Wir versuchen natürlich, den Fitnesszustand nicht total in den Keller fahren zu lassen. Da muss man zusehen, dass man etwas für Beine, Rücken und Bauch macht. Das ist natürlich schwierig, die passenden Übungen zu finden, bei denen man die Arme nicht braucht. Selbst laufen und radfahren geht ja nicht. Da muss man sich ein bisschen etwas einfallen lassen. Aber dafür haben wir ja qualifizierte Therapeuten.

PZ: Hätte es irgendwelchen Sinn gemacht, die Schultern früher operieren zu lassen?

Andreas Bretschneider: Vor Olympia kam es natürlich gar nicht in Frage. Und in der zweiten Jahreshälfte standen auch noch Bundeswehr-Lehrgänge an. Der 21. Dezember war schon der frühestmögliche Zeitpunkt.

PZ: Wie optimistisch sind Sie, dass es bis zur WM im Oktober in Montreal reicht?

Andreas Bretschneider: Es sollte eigentlich funktionieren, wenn nichts mehr Großes dazwischenkommt. Ich muss mich natürlich auch intern gegen die Konkurrenten durchsetzen. Da gibt es ja auch ein paar andere Leute, die in Frage kommen. Der Plan ist, dass wir im Mai mit Krafttraining starten. Ab Mitte Juni hätte ich zweieinhalb Monate Zeit, um für die WM-Quali an den Geräten fit zu werden. Da es eine Einzel-WM ist, kann ich mich auf wenige Geräte fokussieren. Ich werde versuchen, mit ordentlichen Übungen am Reck und am Boden zur WM zu kommen.

PZ: Dann könnten Sie auch Teil zwei der Bundesliga für die KTV Straubenhardt turnen. Das Ziel ist die Titelverteidigung. Wer sind denn aus Ihrer Sicht die größten Konkurrenten?

Andreas Bretschneider: Die Liga ist ein bisschen offener als im letzten Jahr. Die KTV Obere Lahn hat sich mit Lukas Dauser als Neuzugang sicherlich verbessert. Das wird ein Gegner, der nicht zu unterschätzen ist. Und wir treffen auf sie schon im Mai, wenn ich noch nicht fit bin. Das ist ein bisschen schade, aber damit muss man leben. Der stärkste Konkurrent bleibt aber sicherlich die TG Saar. Wenn wir es aber ins Finale schaffen, sollte eigentlich etwas drin sein.

Zur Person

Andreas Bretschneider wurde am 4. August 1989 in Berlin geboren. Erst mit 21 Jahren nahm er erstmals an deutschen Meisterschaften teil. Zu den größten Erfolgen des Reckspezialisten zählt der Sieg 2013 beim Turnier der Meister in Cottbus, die Titelverteidigung beim World Challenge Cup im Jahr 2014 sowie der Sieg beim Weltcup-Turnier der Meister 2016. Sein selbstkreierter „Bretschneider“ (Doppelsalto rückwärts über die Reckstange mit zwei Längsachsenschrauben) ist das schwerste Übungsteil im Turnen weltweit. Der Sportsoldat wohnt in Chemnitz und turnt in der Bundesliga für die KTV Straubenhardt. dom