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Chef und Toptorjäger auf dem Feld: Florian Taafel. Gössele, PZ-Archiv

PZ-Interview mit TGS-Handballer Florian Taafel: „Ich will gesund sein und Spaß haben“

Florian Taafel ist einer der besten Handballer, die Pforzheim je hervorgebracht hat. Der 25-jährige Kapitän der TGS Pforzheim könnte ein, zwei Klassen höher spielen. Angebote gab und gibt es. Nach seiner schweren Verletzung (Kreuzbandriss), die er sich vor knapp einem halben Jahr zugezogen hat, will der Psychologie-Student in der neuen Saison wieder voll angreifen.

PZ: Wie geht es Ihnen? Was macht das Kreuzband?

Florian Taafel: Bei der letzten Kontrolle sagte der Arzt, dass mein Knie schon so weit ist, dass ich wieder spielen könnte. Es ging alles relativ schnell und es ist gut verlaufen. Im Training mache ich schon wieder alles mit, außer die Übungen mit Körperkontakt.

PZ: Sie sind also in der kommenden Saison wieder voll dabei?

Florian Taafel:Ja, auf jeden Fall. Wir starten am 8. September mit einem Heimspiel gegen den TSV Schmiden.

PZ: Bleibt etwas zurück – im Kopf?

Florian Taafel:Ich gehe nur aufs Feld, wenn ich wieder zu 100 Prozent fit bin. Ich denke, das erledigt sich auch mit der ersten kritischen Situation im Training. Ich weiß von anderen Handballern – diese Verletzung haben ja viele in unserem Sport: Wenn man mal wieder im Spiel ist, ist das alles schnell raus aus dem Kopf.

PZ: Im zweiten Jahr in der BW-Oberliga wurde die TGS Siebter. Sie haben nur zwölf Spiele gemacht. Wie fällt Ihre persönliche Bilanz aus?

Florian Taafel:Na ja, die fällt ja recht kurz aus. Bis zu meiner Verletzung habe ich wohl meine bisher stärkste Runde gespielt. Die Saison davor war ja schon gut, aber diese war noch einen Tick besser. Bis zur Verletzung hatte ich angeblich einen Zwölf-Tore-Schnitt. Das war ja der Wahnsinn.

PZ: Sie sind der Kapitän. Wie fällt die Bilanz der Mannschaft aus?

Florian Taafel:Die ersten beiden Spiele waren schwierig. Dann haben wir ein paar Dinge geändert. Es kam der Pflichtsieg gegen Heidelsheim, und dann das Derby gegen die SG. Aus diesem Sieg (24:21, die Red.) haben wir dann enormen Rückenwind mitbekommen. Bis zu meiner Verletzung waren es, glaube ich, 16:6 Punkte. Mit einem Sieg in Pfullingen wären wir sogar dran gewesen an den ersten zwei. Die Verletzungen, es kamen ja noch andere hinzu, haben die Jungs super kompensiert. Wir waren relativ schnell raus aus dem Schneider. Das Saisonende war dann natürlich enttäuschend.

PZ: Warum wurde der Vertrag von Trainer Hans Christensen nicht verlängert? Er war doch recht erfolgreich?

Florian Taafel:Das hatte wirtschaftliche Gründe. Der alte und neue Trainer Damir Lebovic trainiert bei uns in der kommenden Saison die erste und zweite Mannschaft und die A-Jugend. Das ist für den Verein eine perfekte Konstellation. Es ist einfach günstiger, einen Mann für drei Teams zu haben als je einen für jede Mannschaft. Hinzu kommt, dass die Erfolge und die Erfahrung von Damir Lebovic für sich sprechen.

PZ: Warum hat man sich vorzeitig von Hans Christensen getrennt?

Florian Taafel:Als bekannt wurde, dass mehrere Spieler mit dem Trainer den Verein verlassen, war einfach kein Vertrauensverhältnis mehr da. Es ist immer eine kritische Sache, wenn ein Trainer den Verein verlässt und Spieler mitgehen.

PZ: Ihr unterstellt Hans Christensen also, dass er die Spieler abgeworben hat?

Florian Taafel:Um dazu etwas zu sagen, bin ich nicht nahe genug dran. Ich will nichts unterstellen. Aber es hat, wie man so schön sagt, ein Gschmäckle.

PZ: Die TGS Pforzheim galt immer als verschworene Gemeinschaft. Jetzt gehen vier Spieler. Bröckelt der legendäre Zusammenhalt?

Florian Taafel:Na ja, ich denke, das muss sich jetzt alles erst mal beruhigen. Die Pause kommt da gerade richtig. Klar, man ist enttäuscht, aber ich denke, wir werden irgendwann wieder ein ganz normales Verhältnis haben. Die Jungs gehen jetzt ja auch mit auf Abschlussfahrt. Man sollte das alles nicht überbewerten. In der kommenden Saison werden wir genau diesen Zusammenhalt leben, der uns die letzten Jahre ausgezeichnet hat.

PZ: Wie lautet Ihr ganz persönliches Ziel für die kommende Saison.

Ich will wieder richtig gesund sein, damit ich wieder so spielen kann, wie vor der Verletzung. Und ich will Spaß haben. Alles andere ist mir relativ egal nach dieser schweren Verletzung.

Florian Taafel:Welche Ziele habt ihr als Mannschaft in der neuen Saison. Man hörte schon, ihr wollt die SGPforzheim/Eutingen überflügeln?

Ohne Verletzungspech wären wir dieses Jahr schon ganz eng dran gewesen an der SG Pforzheim. Unser Ziel sollte es aber nicht sein, die SG Pforzheim zu überholen. Unser Ziel sollte sein, uns immer weiter zu verbessern.

PZ: Welche Platzierung strebt ihr in der neuen Saison an?

Florian Taafel:Je nachdem, was spielermäßig noch passiert, wollen wir auf jeden Fall eine bessere Platzierung erzielen, als in diesem Jahr (7., die Red.). In der ersten BWO-Saison waren wir schon unter den ersten fünf. Das einmal zu toppen, wäre eine super Sache.

PZ: Vier Neuzugänge stehen fest. Was kommt da noch?

Florian Taafel:Es kommen sicher noch ein, zwei Spieler dazu. Namen wollen wir noch keine nennen. Darüber hinaus könnten vielleicht noch zwei Spieler kommen. Das ist aber noch ungewiss. Wir suchen Rückraumspieler und einen Kreisläufer.

PZ: Sie könnten auch höher spielen, vielleicht in der 2. Bundesliga. Ist dieses Thema nach der Kreuzbandverletzung abgehakt?

Florian Taafel:Auf keinen Fall ist das abgehakt. Es gab auch relativ früh in der Saison, schon vor der Verletzung, wieder Anfragen, gerade aus der 2. Liga. Jetzt wollte ich nicht gehen, weil ich nicht gleich Vollgas geben kann im Training. Ohne Verletzung wäre das auf jeden Fall ein Thema gewesen.