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Zweikampfstark: Nöttingens Kapitän Timo Brenner beim 2:1-Heimsieg gegen den FC Homburg. 

PZ-Interview mit Timo Brenner über die Regionalliga, Abstiegskampf und den BFV-Pokal

Die Fußball-Regionalliga Südwest ist stark wie nie. Im Feld der zahlreichen Ex-Erst- und -Zweitligisten versucht sich der FC Nöttingen zu behaupten. Nach zwei Spielen sprach die PZ mit Kapitän Timo Brenner (26) über die ersten Eindrücke und Erwartungen.

PZ: Zwei Spiele – ein Sieg, eine knappe Niederlage: Aufsteiger Nöttingen ist in der Regionalliga keinesfalls nur Kanonenfutter, sagen Beobachter. Wie lautet Ihre erste Bilanz?

Timo Brenner: Schwer zu sagen nach zwei Spielen. Aber wir haben uns sehr gut verkauft. Man hat gegen Homburg und Steinbach gesehen, dass wir mithalten können. Das ist gerade für uns Spieler am Anfang ein wichtiges Signal. Wir haben gemerkt: Wenn wir Top-Leistung bringen, können wir Gegner vor Probleme stellen.

Was ist anders als vor zwei Jahren, als der FC Nöttingen schon einmal in der Regionalliga war und gleich wieder abstieg?

Die Liga ist förmlich explodiert. Vor zwei Jahren gab es noch einige Mannschaften auf unserer Augenhöhe wie Baunatal oder Zweibrücken. Aber sogenannte „Kleine“ gibt es in dieser Saison keine. Und oben gibt es sechs, sieben Mannschaften mit Top-Qualität, die aufsteigen wollen. Aber auch wir sind weiter. Zehn, zwölf Spieler waren vor zwei Jahren schon dabei: Und wir haben unsere Lehren gezogen und uns weiterentwickelt.

In Steinbach war mehr drin als ein 2:3. Was hat gefehlt?

Ich glaube, vom Kader her ist auch Steinbach oben anzusiedeln in der Tabelle. Die sind sehr ambitioniert. Auch das Umfeld: Wenn man dieses neue und top moderne Stadion sieht. Warum es nicht für einen Punkt gereicht hat? Wir haben nach der eigenen Führung zu früh den Ausgleich kassiert. Danach waren wir zu passiv und zu abwartend. In der zweiten Halbzeit ist uns nach der harten Woche mit dem Pokalspiel am Ende auch ein bisschen die Kraft ausgegangen. Dennoch, denke ich, waren auch die Steinbacher überrascht, dass wir uns in der zweiten Halbzeit noch so aufgebäumt haben. Die hatten sich das vielleicht einfacher vorgestellt.

Am Mittwoch (19.00 Uhr) kommt Spitzenreiter Hessen Kassel. Was erwartet den FCN im zweiten Heimspiel?

Kassel hatte auch einen Umbruch. Ich denke, die Mannschaft hat eher den Anspruch, im gesicherten Mittelfeld zu sein. Entsprechend werden sie bei uns auftreten. Sie haben sicher auch Respekt vor uns. Wir müssen uns auf einen harten Kampf einstellen. Ich denke, das wird ein richtiger Abnutzungskampf am Mittwoch. Trotzdem ist es eines der wenigen Spiele für uns, wo man im Vorfeld sagen könnte, dass man eigentlich etwas holen sollte.

Ihr spielt noch gegen Ex-Bundesligisten wie Offenbach, Saarbrücken, Kickers Stuttgart oder SV Waldhof. Auf welches Spiel freuen Sie sich besonders?

Oh, es gibt in dieser Saison viele Spiele, auf die man sich wahrlich freuen kann. Es gibt viele tolle Stadien in dieser Liga. Ich denke beispielsweise an Offenbach, wo wir am Dienstagabend, 30. August, gastieren. Vor solch einer großen Kulisse zu spielen macht unheimlich Spaß. Wir wissen, wie schwer solche Spiele für uns sind. Trotzdem ist die Vorfreude sehr groß. Ob Offenbach, Stuttgarter Kickers oder SV Waldhof – das sind alles absolute Highlights für uns. Immer mit vierstelligen Zuschauerzahlen – auch gegen uns.

Wie lautet Ihre Prognose: Kann Nöttingen die Klasse halten?

Schwer zu sagen nach zwei Spielen. Wir gehen natürlich nicht in die Saison, um die vielen schönen Stadien in der Regionalliga zu sehen. Klar ist, wenn tatsächlich sechs Mannschaften absteigen sollten, wird es hart. Das sehen wir realistisch. Aber der Start macht mir Mut. Es macht richtig Spaß. Man merkt, dass jeder in der Mannschaft Bock hat auf die Liga und in jedem Spiel 100 Prozent gibt. Wenn wir das durchhalten, können wir schon noch einige Mannschaften ärgern. Ob es dann reicht, muss man sehen. Wenn vier oder fünf absteigen, bin ich sicher, dass wir den Teamspirit haben, um vier oder fünf Mannschaften hinter uns zu lassen.

Vor einem Jahr spielte der FCN im DFB-Pokal gegen den FC Bayern München. Dieses Jahr ist man nur Zuschauer. Kommt da ein bisschen Wehmut auf?

Ja natürlich, das wären wir am Wochenende auch gerne dabei. Aber wir dürfen uns, was die Teilnahme am DFB-Pokal angeht, wirklich nicht beschweren. Jetzt geben wir auch im BFV-Pokal Gas. Vielleicht sind wir nächstes Jahr wieder dabei.

Wunschgegner im BFV-Pokal-Viertelfinale wäre der FV Niefern?

Gegen die Mannschaft von Trainer Norbert Kolbe: das wäre schlau, das wäre ein cooles Spiel.

Die Chance, weiterzukommen, wäre auch nicht so schlecht.

Nun ja, wir haben gegen Heidelsheim und Bruchsal gesehen, wie schwer es sein kann. Auch Niefern wäre eine harte Nuss. Aber das wäre aus lokaler Sicht natürlich eine reizvolle Partie, zu der auch sicher ein paar Zuschauer kommen würden. Schaun mer mal!