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Luan Krasniqi kämpft nur noch für den guten Zweck. Foto: Mick
Luan Krasniqi kämpft nur noch für den guten Zweck. Foto: Mick
Firat Arslan will noch einmal Weltmeister werden. Foto: Becher
Firat Arslan will noch einmal Weltmeister werden. Foto: Becher
14.10.2015

PZ-Interview mit Firat Arslan und Luan Krasniqi: „Nicht auf Haue einlassen“

Was für eine Box-Erfahrung hier zusammen sitzt: Insgesamt 88 Kämpfe, 64 Siege, 35 davon durch K.o. haben Luan Krasniqi und Firat Arslan gemeinsam vorzuweisen. Seit Jahren sind beide befreundet, zusammen stehen sie der PZ Rede und Antwort. Dabei unterscheidet sie doch eines: Während der ehemalige Schwergewichtseuropameister Krasniqi seine Karriere beendet hat und am 7. November in Ludwigsburg nur noch für den guten Zweck gegen Danny Williams kämpft, nimmt Arslan seinen Kampf an jenem Abend sehr, sehr ernst: Gegen Goran Delic will der Ex-WBA-Weltmeister im Cruisergewicht siegen und somit ein Bewerbungsschreiben für einen WM-Kampf senden.

PZ: Herr Arslan, Sie sind 44 Jahre alt. Trotzdem träumen Sie noch von einem Weltmeister-Titel?

Firat Arslan: Ganz klar: Mein Ziel ist es, den Kampf zu gewinnen und mich nochmal für die WM hochzukämpfen.

PZ: Also glauben Sie weiter, eine Chance zu haben?

Arslan: Ich habe letztes Jahr bewiesen, dass ich zu Recht daran glaube. Jetzt ist leider ein Jahr vergangen, aber da kann man manchmal nichts machen. Nach der Niederlage (Yoan Pablo Hernández gewann in einem umstrittenen Urteil nach Punkten, Anm. d. Red.) wurde von einem Rückkampf gesprochen, den hat es nie gegeben, er hat nicht mal seine Pflichtverteidigung gemacht. Auch Marco Huck hat mittlerweile den Titel verloren. Aber es gibt auch zwei Weltmeister, die in Moskau sitzen (Denis Lebedew, WBA, und Grigori Drosd, WBC, Anm d. Red.), auch da hatte ich schon Anfragen.

PZ: Wäre ein Kampf in Russland für Sie denkbar?

Arslan: Wer Weltmeister werden möchte, muss bereit sein, jeden überall zu boxen. Ich habe jetzt erneut von Denis Lebedew einen Anruf bekommen, sogar für November. Aber ich habe hier eine Zusage gemacht, für mich zählt jetzt die Charity-Veranstaltung. Und wer im November will, will auch im März.

PZ: Und wenn Sie gegen Delic in Ludwigsburg verlieren?

Arslan: Dann brauche ich nicht mehr weiter von der WM träumen. Es sei denn, ich habe gleich in der ersten Runde einen Kopfstoß und das Auge platzt auf. Das wäre was anderes. Aber wenn ich regulär verliere, dann brauchen wir nicht mehr über die WM reden.

PZ: Spielt es für Ihre Zukunft eine Rolle, wie Sie gewinnen?

Arslan: Ob nach Punkten oder durch K.o. spielt für mich keine Rolle. Es muss so sein, dass die Leute danach nicht aus der Halle gehen und sagen: „War das überhaupt ein Sieg?“ Auf die Art und Weise wie ich zuletzt verloren habe, will ich nicht gewinnen.

PZ: Herr Krasniqi, wie wichtig ist Arslans Profi-Kampf im Rahmen der Charity-Veranstaltung?

Luan Krasniqi: Dass er dabei ist, ist schon deshalb sehr wichtig für uns, weil er uns ein paar Tausend Zuschauer zusätzlich bringt. Es ist sein achter Titelkampf, und wir bezahlen ihm und seinem Gegner kleine Gagen. Die deckt bei ihm aber die Auslagen ab, mehr nicht.

Arslan: Ich will die Veranstaltung unterstützen, denn ich finde es genial, was Uwe Hück und Luan Krasniqi auf die Beine gestellt haben.

PZ: Das Motto lautet „Blaue Flecke für soziale Zwecke“. Schlagen, um etwas Gutes zu tun – widerspricht sich das nicht?

Arslan: So hart der Sport auch ist, für eine gute Tat kann man sich grundsätzlich immer einsetzen – egal wie, so lange es fair bleibt. Und das ist hier der Fall.

Krasniqis Gegner ist Danny Williams. Das ist schon ein anderes Kaliber als Uwe Hück, oder?

Krasniqi: (lacht) Ich hoffe nicht. Aber ich bin mir natürlich bewusst, dass es etwas anderes sein wird. Ich war bei Uwe Hück topfit und auch dieses Mal werde ich top vorbereitet sein.

Arslan: Williams hat Mike Tyson ausgeknockt. Auch wenn der damals nicht mehr auf der Höhe war, muss man das erst mal schaffen. Er ist ein gefährlicher Mann, aber: Wenn Luan seine Fitness bringt, ist er für mich immer noch einer der begnadetsten Schwergewichtsboxer. Ihm und auch Uwe Hück sind ihre Einlagen hoch anzurechnen. Denn beide setzten hier, um was Gutes zu tun, ihre großen Namen aufs Spiel.

PZ: Und wer wird bei Krasniqi gegen Williams gewinnen?

Arslan: Ganz klar, Luan gewinnt. Aber er muss hellwach sein ...

Krasniqi: ... ich werde den 2013 gegen Uwe Hück gewonnenen Charity-Gürtel nicht hergeben, den trage ich mit Würde ...

Arslan: ... aber Luan darf sich nicht auf Haue einlassen, er muss fit sein, das ist immer die Voraussetzung. Ich glaube an seine Wahnsinnstechnik und seine Explosivität. Kaum einer ist im Schwergewicht so begabt wie er, er schrammte nur haarscharf am WM-Titel vorbei (2005 gegen Lamon Brewster, Anm. d. Red.) ...

Krasniqi: ... er wollte es damals mehr als ich.

PZ: Ist es schwierig, einerseits für den guten Zweck zu kämpfen und gleichzeitig einen möglichst hochwertigen Kampf zu bieten?

Krasniqi: Das ist immer auch eine Gratwanderung, man weiß nie genau, wie der Gegner agiert, wie hart er zuschlagen wird. Du gehst in den Ring, ein Schlag, und es knallt ... das ist nicht ohne.

Arslan: Die beiden gehen ein Stück weit Risiko. Denn Boxen ist Boxen, Schwergewicht ist Schwergewicht. Da kann ein Schlag einen immer ausknocken und gerade bei der Charity-Veranstaltung will keiner K.o. gehen. Das ist bei meinem Kampf etwas anderes: Da geht es um einen Titel.