nach oben
Ehrgeizig und emotional: Patrick Groetzki von den Rhein-Neckar Löwen.  Heimken
Ehrgeizig und emotional: Patrick Groetzki von den Rhein-Neckar Löwen. Heimken
25.08.2017

PZ-Interview mit Patrick Groetzki: „Der Titel-Hattrick wird brutal schwer“

Mit einem Auswärtsspiel am Sonntag (15 Uhr) beim TVB Lemgo startet Patrick Groetzki mit den Rhein-Neckar Löwen in die neue Handball-Bundesliga-Saison. Den ersten Titel haben die Mannheimer schon gewonnen.

Am Mittwoch triumphierten sie mit einem 32:30-Sieg nach Siebenmeterwerfen gegen den THW Kiel. Welche Ziele Groetzki mit den Löwen in dieser Runde verfolgt und was er nach seiner Karriere vorhat, erzählt der 28-jährige gebürtige Birkenfelder im PZ-Interview.

PZ: Am Wochenende geht ’s wieder los. Wie erleichtert sind Sie, dass die harte Vorbereitungszeit vorbei ist.

Patrick Groetzki: Ja, ich freue mich jetzt wieder auf den normalen Rhythmus. Die Vorbereitung ist immer sehr hart. Doch sie war gut. Unser Trainer Nikolaj Jacobsen ist ja mittlerweile im vierten Jahr bei uns, da weiß man, was auf einen zukommt. Schweißtreibende Einheiten – einen Felix-Magath-Hügel haben wir allerdings nicht (lacht). Wichtig war, dass ich verletzungsfrei geblieben bin. Es kann also losgehen.

PZ: Peilt ihr nach zwei Meisterschaften in Folge nun den Titel-Hattrick an?

Patrick Groetzki: Wenn man zweimal hintereinander deutscher Meister geworden ist, wäre es natürlich vermessen, zu sagen, wir spielen diesmal nur um die internationalen Plätze. Das nimmt uns ja keiner ab. Auch weil sich unsere Mannschaft nicht groß verändert hat. Der Abschied von Kim Ekdahl Du Rietz tut weh, klar, irgendwie werden wir aber versuchen, diese Lücke zu schließen. Doch die Spitze rückt in der Bundesliga enger zusammen. Gerade die Füchse Berlin oder auch MT Melsungen werden punktetechnisch näher heranrücken. Die Meisterschaft wird also über mehrere Mannschaften gehen. Nicht nur über zwei, drei, wie in den vergangenen Spielzeiten. Somit wird für uns der Titel-Hattrick brutal schwer.

PZ: Wen sehen Sie als härtesten Konkurrenten in der Meisterschaft?

Patrick Groetzki: Nur einen ganz großen Konkurrenten auszumachen, ist schwierig. Kiel wird aber sicherlich noch einen Tick besser sein als vergangene Saison. Mit Flensburg muss man rechnen. Berlin wird ein gutes Wort in der Meisterschaft mitsprechen wollen, aber auch Melsungen hat sich gut verstärkt und sieht vom Papier her stark aus. Ebenso muss man Magdeburg auf der Rechnung haben. Die haben vergangene Saison eine tolle Rückrunde gespielt, dabei fast keinen Punkt mehr abgegeben. Wenn sie diese Form in die neue Saison mitnehmen können, werden sie gefährlich sein.

PZ: Wie haben sich die Neuzugänge Jerry Tollbring (Kristianstad/ Schweden), Momir Rnic (Melsungen) und Kristian Bliznac (Elverum/Norwegen), Bogdan Radivojevic (Flensburg) integriert?

Patrick Groetzki: Sehr gut. Menschlich hat es von Anfang an sehr gut gepasst. Vom Spielerischen her dauert es natürlich immer ein wenig, bis man richtig drin ist und die Abläufe stimmen. Doch das wurde in der Vorbereitung auch immer besser.

PZ: Welche persönlichen Ziele haben Sie sich für die neue Saison mit den Löwen gesteckt?

Patrick Groetzki: Ich will natürlich verletzungsfrei durch die Runde kommen und am Ende etwas zu feiern haben.

PZ: Der Pokalsieg wäre nach vielen knapp gescheiterten Anläufen nicht schlecht...

Patrick Groetzki: Ich war schon achtmal beim Final-Four-Turnier in Köln dabei, allerdings immer ohne Erfolg. Der Pokal ist somit ein großes Ziel, auch weil einige unserer Spieler noch nie beim Final-Four dabei waren. Die Motivation ist dementsprechend groß. Schön wäre es, wenn wir dann im Halbfinale nicht wieder auf Flensburg treffen. (In der vergangenen Saison scheiterten die Löwen mit 23:33 zum vierten Mal in Folge im Halbfinale an Flensburg, Anm. d. Red.).

PZ: Steigerungsmöglichkeiten sind auch in der Champions League vorhanden. Zuletzt erreichten die Löwen 2009 und 2011 das Halbfinale.

Patrick Groetzki: In den letzten beiden Jahre war immer im Achtelfinale Schluss. Unser Anspruch ist natürlich auch hier mal eine Runde weiterzukommen.

PZ: Was können Sie mit der Nationalmannschaft bei der EM 2018 in Kroatien reißen? Ist die Titelverteidigung drin?

Patrick Groetzki: In Europa gibt es sechs bis acht Mannschaften, die auf einem relativ ähnlichen Niveau spielen. An einem guten Tag kann jeder jeden schlagen. Frankreich war in den letzten Jahren spitze, jetzt hat auch Dänemark die Nase vorne. Aber auch andere Nationen haben aufgeschlossen – zum Glück auch wir. Wenn man während des Turniers gute zwei Wochen hat, kann man um den Titel mitspielen. Und so wie sich unsere Mannschaft zuletzt entwickelt und präsentiert hat, muss es das Ziel sein, bis ins Halbfinale zu kommen. Ab da ist dann bekanntlich ja alles möglich.

PZ: Ihr Vertrag bei den Löwen läuft bis 2020. Gab es trotzdem mal die Überlegung, den Verein zu wechseln? Vielleicht sogar ins Ausland?

Patrick Groetzki: Im Moment sieht es nicht danach aus. Ich habe meinen Vertrag bewusst langfristig verlängert, weil ich mich bei den Löwen sehr wohlfühle. Es gab in den letzten Jahren immer wieder mal Anfragen aus der Bundesliga, auch aus dem Ausland. Aber das war damals kein Thema, das hat sich irgendwie noch nicht so richtig angefühlt. Ich muss auch sagen, dass ich mir einen Wechsel innerhalb Deutschlands nur schwer vorstellen kann. Schließlich will man ja weiterkommen, sich verbessern. Das Ausland hingegen würde mich schon irgendwann mal reizen. Neue Leute kennenlernen, sich dort durchzusetzen – das wäre schon mal eine große Herausforderung. Aber das muss man dann sehen, wenn es soweit ist.

PZ: Sie sind jetzt 28 Jahre jung. Wie lange werden Sie noch Handball auf diesem Niveau spielen können?

Patrick Groetzki: Mal schauen. 2020 bin ich dann 32. Das ist im Normalfall kein Alter, um aufzuhören. Mein Ziel ist, auch mit 35 noch zu spielen. Wenn man allerdings merkt, es reicht nicht mehr, dann muss man ehrlich zu sich sein und Tschüss sagen. Aber ich hoffe, bis dahin ist es noch eine Weile.

PZ: Was folgt nach der Handball-Karriere? Sie studieren ja nebenher noch „Digitale Medien und Medienkommunikation“.

Patrick Groetzki: Ich bin drei Monate an der Hochschule und drei Monate beim Mannheimer Morgen. Dort bekomme ich Einblicke in alle Abteilungen. Und es macht unheimlich viel Spaß und es fordert mich. Das ist gut für den Kopf – neben dem Sport. Was ich nach dem Abschluss mache, weiterstudieren oder beruflich einsteigen, weiß ich jetzt noch nicht.

PZ: Verfolgen Sie noch die Spiele Ihres Ex-Clubs, der SG Pforzheim/Eutingen?

Patrick Groetzki: Klar, in der vergangenen Saison habe ich kräftig mitgefiebert. Alexander Bossert ist ein guter Freund von mir. Leider ist die Mannschaft abgestiegen. Für die neue Oberliga-Saison drücke ich die Daumen. Der Verein gehört aufgrund seiner tollen Arbeit in die dritte Liga.