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16.11.2015

PZ-Interview mit Pforzheimer, der beim Länderspiel in Paris im Stadion saß

PZ-Interview mit dem Pforzheimer Ronny Walter (Adler Fanclub Bretten), der mit zehn Freunden beim Länderspiel in Paris im Stadion saß.

PZ: Herr Walter, wie haben Sie die Anschläge in Paris erlebt?
Ronny Walter: Wir haben im Stadion den Knall gehört. Was einen selbst etwas mitnimmt, ist, dass das zwei Eingänge neben dem deutschen Block passierte. Also 20, 30 Meter von unserem Eingang entfernt. Ganz in der Nähe hatten wir uns vor dem Spiel noch aufgehalten, danach war da alles abgesperrt. Als man in der Halbzeitpause rausgeschaut hat, hat man schon gesehen, dass irgendetwas in nächster Nähe passiert sein muss. Aber keine wusste genau, was los ist.

PZ: Dachten Sie nach dem Knall gleich an einen Anschlag?
Walter: Man kennt ja diese Schlag-Geräusche in Stadien, wir dachten, da hat mal wieder jemand einen Böller gezündet – und ein paar Minuten später noch mal. Daher haben wir uns nichts dabei gedacht.

PZ: Wann haben Sie mitbekommen, was wirklich dahinter steckt?
Walter: Im Laufe der zweiten Halbzeit. Da kamen dann die Nachrichten aufs Handy: „Wie geht es dir?“ „Lebst du noch?“ Und so weiter. So haben wir dann von daheim auch die Meldungen bekommen, dass sich jemand in die Luft gesprengt hat.

PZ: Und je mehr Sie wussten, desto mulmiger wurde es Ihnen?
Walter: Ja, weil wir auch nach dem Spiel nicht genau wussten, was wir jetzt machen sollen. Am mulmigsten haben wir uns wegen zwei Sachen gefühlt: Zum einen der Gedanke: Was wäre gewesen, wenn er es eine halbe Stunde früher gemacht hätte – als man selbst noch draußen war? Zum anderen die Rückfahrt zum Hotel am Ostbahnhof. Das sind eigentlich nur fünf Minuten mit der S-Bahn. Aus der mussten wir aber wieder raus, weil es hieß, sie fährt nicht. Dann in die nächste rein, die fuhr wieder nicht los. Das war schon ein komisches Gefühl, weil man nicht wusste, ob noch einmal etwas passiert.

PZ: Sind Sie denn nach dem Spiel gleich rausgerannt?
Walter: Wir sind noch recht lange im Stadion geblieben, bis sich das draußen halbwegs beruhigt hatte und man einen Überblick hatte.

PZ: Waren Sie auch auf dem Feld?
Walter: Das nicht. Wir hatten unsere Plätze weit oben und sind dann hinter den Block in eine Zwischenetage, wo wir einen Überblick hatten und auch sahen, wie sich die Menschen draußen verteilen. Da sahen wir auch, dass sie erst wegströmten und dann zurück zum Stadion gerannt kamen. Unter den Leuten herrschte da schon eine Panik. Einer rief etwas von einer weiteren Bombe, aber keiner wusste etwas Genaues (Auslöser war wohl ein lautes Motorrad, Anm. d. Red.).

PZ: Wann waren Sie dann zurück im Hotel?
Walter: Nachdem die zweite S-Bahn auch nicht losfuhr, sind wir raus, weil uns das etwas komisch vorkam. Dann sind wir einige Kilometer ins Hotel gelaufen, kurz vor 1 Uhr waren wir dort.

PZ: Konnten Sie da überhaupt schlafen?
Walter: Das ging recht gut. Richtig realisiert habe ich das erst am nächsten Tag, als ich die Meldungen in Deutschland gesehen habe. Als ich gelesen habe, wie nah das alles war und dass ein Attentäter ins Stadion wollte.

PZ: Wann waren Sie denn zurück?
Walter: Am Samstagnachmittag mit dem Zug, das ging recht problemlos – auch wenn es dort viele Kontrollen gab und schwer bewaffnete Polizisten durch die Abteile liefen.