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Seine Gegner will Marcel Ewald (rechts) auch in der neuen Saison für den  KSV Ispringen im Griff haben.  DOLZHENKO
Seine Gegner will Marcel Ewald (rechts) auch in der neuen Saison für den KSV Ispringen im Griff haben. DOLZHENKO
Silber gewann Marcel Ewald bei den Europaspielen in Baku.  SHIPENKOV
Silber gewann Marcel Ewald bei den Europaspielen in Baku. SHIPENKOV
18.09.2015

PZ-Interview mit Ringer Marcel Ewald: „Bei jedem Kampf höllisch aufpassen“

Mit einem Heimkampf in der Pforzheimer Jahnhalle gegen den deutschen Vizemeister SV Germania Weingarten startet Aufsteiger KSV Ispringen heute um 19.30 Uhr in seine erste Bundesliga-Saison. Die Mannschaft von Trainer Bernd Reichenbach wurde erheblich verstärkt. Ein Neuzugang ist Marcel Ewald (32), der nach elf Jahren in Weingarten erstmals gegen seinen Ex-Verein antritt. Mit PZ-Redakteur Peter Hepfer unterhielt sich der Nationalringer über das badische Derby und die Ispringer Chancen in der neuen Klasse.

Pforzheimer Zeitung: Sie haben lange für den SVG Weingarten gerungen und dort zwei deutsche Mannschaftsmeisterschaften gefeiert. Wie ist das Gefühl, gegen die ehemaligen Kollegen anzutreten?

Marcel Ewald: Wegen der Vorbereitungen auf die Euro-Games in Baku und die WM in Las Vegas hatte ich nicht viel Zeit, mir darüber Gedanken zu machen. Komisch wird es wohl eher für die Weingartener Fans, weil ich nun auf der Gegenseite stehe. Natürlich ist es eine besondere Sache. Ich möchte meinen Kampf in der 57er-Klasse unbedingt gewinnen, um meinem Ex-Verein zu zeigen, dass es ein Fehler war, mir den Laufpass zu geben. Ich habe per SMS erfahren, dass man in Weingarten nicht mehr mit mir plant. Nach elf Jahren war das sehr enttäuschend.

Beim KSV Ispringen zählen Sie zu den Topringern. Wie gefällt Ihnen das neue Umfeld?

Marcel Ewald: Zunächst einmal war ich sehr froh, dass sich der KSV Ispringen um mich bemüht hat. Ich konnte in meiner Heimatregion bleiben und auch im Verein gefällt es mir gut. Der KSV hat große sportliche Pläne. Ich möchte meinen Teil beitragen, damit sich die verwirklichen lassen.

In Ispringen sind Sie nicht nur als Ringer, sondern auch als Führungspersönlichkeit gefragt, die die jungen Kollegen mitziehen soll. Liegt Ihnen diese Rolle?

Marcel Ewald: Ich denke schon. In Weingarten war das ähnlich. Außerdem bin ich seit acht Jahren Mannschaftssprecher der Nationalmannschaft und auch Ansprechpartner in meiner Sportfördergruppe. Mir macht es riesig Spaß, die jüngeren Ringer zu motivieren. Und obwohl ich mit 1,63 Meter einer der Kleinsten im Team bin, hören mir alle zu.

Wie stehen die Chancen beim Heimkampf gegen Weingarten?

Marcel Ewald: Weingarten ist der Platzhirsch, wir sind nur der Außenseiter. Als Bundesliga-Aufsteiger hast du immer ein bis zwei Lehrjahre vor dir. Da sollte man sich nichts vormachen. Aber unsere Mannschaft ist stark genug, um ein paar Überraschungen zu schaffen. Außerdem liegt der Druck eher beim Gegner, wir können eigentlich nur gewinnen. Wenn wir verlieren, geht die Welt nicht unter. In Weingarten dürfte das anders sein. Dort beginnt dann vielleicht das große Theater.

Schon in der vergangenen Saison gab es unschöne Spitzen aus Weingarten Richtung Ispringen – vor allem gegen KSV-Vorstand und Geldgeber Werner Koch. Wie brisant wird das heutige Duell?

Marcel Ewald: Ich habe diese Dinge hautnah in Weingarten mitbekommen. Wenn so etwas unter die Gürtellinie geht, ist das nicht gut für den Sport. Wir müssen wohl damit rechnen, dass es in der Halle hoch hergeht und ordentlich Stimmung gemacht wird. Auch beide Ringerteams sind heiß auf den Kampf. Ich bin gespannt, was passiert.

Wie ist die Stärke Ihrer neuen Mannschaft einzuschätzen?

Marcel Ewald: Wir haben auf alle Fälle eine schlagkräftige und gefährliche Truppe beisammen. Es gibt auch einige Ringer, die von den Gegnern möglicherweise unterschätzt werden. Das müssen wir uns zunutze machen. Aber die Bundesliga ist in dieser Saison so stark besetzt wie nie. Wir können alles gewinnen, aber auch alles verlieren.

Warum ist die Liga gerade in dieser Saison so stark?

Marcel Ewald: Das liegt daran, dass sich nicht nur der KSV Ispringen exzellent verstärkt hat, sondern auch viele andere Vereine. Oft sind die Teams auf allen Positionen doppelt besetzt, weil im Ringen immer mal jemand verletzt ausfallen kann. Niemand will ein Risiko eingehen. Außerdem starten erstmalig auch starke kubanische Ringer in der Bundesliga. Deshalb sollten wir bei jedem Kampf höllisch aufpassen und voll stellen, sonst gewinnst du keinen Blumentopf.

Was könnte gegen Weingarten den Unterschied ausmachen?

Marcel Ewald: Weingarten hat den größeren Kader. Das könnte genauso mitentscheidend sein, wie die Frage, wieviele WM-Starter und Topringer auf beiden Seiten eingesetzt werden. Gerade aber die Leistung der deutschen Ringer wird wohl das Zünglein an der Waage spielen, weil in einigen Kämpfen die Elite aufeinandertrifft. Und bei so einem Nachbarschafts-Duell geht es auch ums Prestige, um die Vorherrschaft in der Region.

Welche Ziele haben Sie sich mit dem KSV Ispringen gesetzt?

Marcel Ewald: Unser Minimalziel ist das Erreichen der Playoffs um die deutsche Meisterschaft. Alles andere ist Zubrot. Im Titelrennen haben wir nur Außenseiterchancen. Zum Favoritenkreis zähle ich Nendingen, Weingarten, Köllerbach, Mömbris-Königshofen und vielleicht noch Mainz.

In der Bundesliga treffen Sie auch auf Ihren Zwillingsbruder Christoph vom KSV Schriesheim. Gut möglich, dass es zum direkten Duell kommt...

Marcel Ewald: Ich hoffe es, muss die Entscheidung aber dem Trainer überlassen. Wir Brüder wünschen uns dieses Duell. Das geht schon seit unserer Kindheit so. Früher war die Rivalität aber größer, da bin ich auch schon mal mit einem blauen Auge von der Matte gegangen. Mittlerweile sind wir etwas ruhiger geworden, aber jeder setzt noch immer alles daran, zu gewinnen. Darauf freue ich mich.