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Israil Kasumov (rechts) will auch kommende Saison im Ispringer Trikot seine Gegner über die Matte wirbeln. Foto: PZ-Archiv/Ripberger
Israil Kasumov (rechts) will auch kommende Saison im Ispringer Trikot seine Gegner über die Matte wirbeln. Foto: PZ-Archiv/Ripberger
Großen Kampfsport geboten hat der KSV Ispringen in der Ringer-Bundesliga. Kommende Saison will das Team weiter nachlegen. Foto: PZ-archiv/Hennrich
Großen Kampfsport geboten hat der KSV Ispringen in der Ringer-Bundesliga. Kommende Saison will das Team weiter nachlegen. Foto: PZ-archiv/Hennrich
03.02.2016

PZ-Interview mit Ringer-Boss Werner Koch über Ziele und KSV-Gegner

In kürzester Zeit hat der KSV Ispringen den Durchmarsch von der Oberliga bis in die Ringer-Bundesliga geschafft. Als Aufsteiger gelang dem Team von Trainer Bernd Reichenbach sogar der Einzug ins Halbfinale zur deutschen Mannschaftsmeisterschaft.

Dort kam das Aus gegen Titelverteidiger Nendingen. Der rasante Weg nach oben ist vor allem der finanziellen Unterstützung von Vereinschef Werner Koch zu verdanken. Gemeinsam mit dem Trainer und dem sportlichen Leiter Alen Kovacevic stellt der Unternehmer derzeit die Weichen für die neue Saison.

PZ: Herr Koch, der KSV Ispringen hat auf Anhieb das DM-Halbfinale erreicht. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Werner Koch: Absolut. Unter die besten Vier zu kommen, habe ich mir vor der Runde gewünscht und das ist der Mannschaft gelungen. Mehr war als Aufsteiger kaum zu erwarten. Enttäuschend fand ich nur die klare 6:20-Niederlage im Halbfinal-Heimkampf gegen Nendingen. Das habe ich immer noch nicht ganz geschluckt.

PZ: Was gab es für den Aufsteiger Ispringen zu lernen?

Werner Koch: Dass man jeden Bundesliga-Kampf ernst nehmen muss. Als Endrundenteilnehmer sind wir in Köllerbach knapp mit 10:11 auf die Nase gefallen. Ohne diese Niederlage wäre höchstwahrscheinlich das DM-Finale dringewesen. Aber in der ersten Liga kann so viel passieren, planbar ist nur wenig. Und es hat natürlich Zeit gebraucht, sich in diese Liga reinzubeißen.

PZ: Über welche Dinge haben Sie sich geärgert?

Werner Koch: Als Aufsteiger haben wir wohl eher andere Mannschaften geärgert. Besonders in den Heimkämpfen der Endrunde, als unsere Mannschaft Köllerbach und Weingarten klar geschlagen hat. Aus Gegnersicht war das sicher nicht eingeplant. Wir haben uns dadurch Respekt verschafft.

PZ: Ihr Halbfinal-Gegner, der ASV Nendingen, ist am Samstag zum dritten Mal in Folge deutscher Mannschaftsmeister geworden. Haben Siemit der Titelverteidigung gerechnet?

Werner Koch: Ich habe von vorneherein auf den Titelverteidiger getippt. Das hat gute Gründe: Nendingen ist in jeder Gewichtsklasse, unter anderem mit Weltmeister Frank Stäbler, stark besetzt und hat einen sehr großen Kader. Außerdem gibt es ein Reservoir an Sponsoren. Das gesamte Umfeld zieht mit und zeigt Begeisterung fürs Ringen – vom normalen Dauerkarteninhaber bis zur VIP-Loge.

PZ: Ist der Liga-Platzhirsch für Ispringen irgendwann zu schlagen?

Werner Koch: Auch Nendingen hat Angriffspunkte und ist nicht unschlagbar. Das haben die Niederlage in der Bundesliga-Vorrunde gegen Aalen und die Ergebnisse gegen Weingarten gezeigt.

PZ: Die Ispringer Planungen für die neue Bundesliga-Runde laufen. Einige Neuzugänge stehen fest. Wer wird den Verein verlassen?

Werner Koch: Ceyhun Zaidov geht, Patrick Sauer wechselt zum ASV Ladenburg und Arian Güney haben wir an den SRC Viernheim ausgeliehen. Leistungsträger wie Igor Besleaga, Mihail Sava oder Israil Kasumov haben bereits unterschrieben. Dasselbe gilt für den Esten Ardo Arusaar. Ob Ivan Guidea und Yuriy Belonovski bleiben, ist noch offen.

PZ: Zur neuen Saison wird es eine eingleisige erste Liga geben. Was heißt das für den KSV?

Werner Koch: Eigentlich nichts Besonderes. Natürlich müssen wir jetzt auch zu Gegnern in den Norden fahren. Viel gravierender wirkt sich die neue Ausländerregelung aus. Ab sofort dürfen nur noch 15 Ausländer pro Bundesliga-Team auf der Kaderliste stehen, davon maximal drei aus Nicht-EU-Ländern. Da muss man sich schon etwas genauer überlegen, wen man als Punktegaranten holt.

PZ: Mit der RWG Mömbris-Königshofen, dem KSV Schriesheim und dem 1. Luckenwalder SC haben weitere Traditionsclubs ihre Teams zurückgezogen. Wird die erste Liga künftig nur noch von wenigen Top-Vereinen dominiert?

Werner Koch: Für die Bundesliga ist das ein Verlust, zeigt aber auch, welche Rolle die Finanzen auf diesem hohen Niveau spielen. In der Fußball-Bundesliga gehört das längst zum Alltag. Sponsoren wollen am Erfolg teilhaben, und wenn der ausbleibt, springen sie über kurz oder lang ab. Umso wichtiger ist es, vernünftig zu haushalten. Es muss alles ins Konzept passen.

PZ: Apropos Konzept – Sie planen den Bau einer neuen Ringerhalle in Reichweite des Ispringer Fußballplatzes. Wie ist der Stand der Dinge?

Werner Koch: Die Gespräche mit der Gemeinde über den Kauf der alten Halle am Winterrain laufen. Es gibt positive Signale, bei den Feinheiten sind wir aber noch lange nicht. Prinzipiell ist es für einen Bundesliga-Verein wünschenswert, eine eigene, neue Halle mit der entsprechenden Atmosphäre zu haben. Ich denke an maximal 500 Zuschauer auf engerem Raum. Das würde auch bei der Vermarktung ganz andere Möglichkeiten bieten – siehe Mineralix-Arena in Weingarten.

PZ: Was kann der KSV Ispringen in der kommenden Runde erreichen?

Werner Koch: Das hängt nicht nur von uns ab, sondern auch davon, was sich bei den anderen Bundesliga-Teams personell tut und welche Trümpfe die Konkurrenz im Ärmel hat. Wir wollen unsere Mannschaft verstärken und möglichst wieder vorne mitmischen. Es soll in kleinen Schritten nach oben gehen, Rückschritte möchte ich nicht machen.