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09.10.2015

PZ-Interview mit Sebastian Kienle und Jan Frodeno

Der eine hat schon einmal den Triumph auf dem Alii Drive in Kailua Kona genießen dürfen, der andere will sich in diesem Jahr den Siegerkranz aufsetzen: Titelverteidiger Sebastian Kienle und Triathlon-Olympiasieger Jan Frodeno sind vor dem Start am Samstag (18.25 Uhr MESZ, ab 23.45 Uhr live auf Hessen 3) zum Ironman auf Hawaii die Hauptakteure beim Spektakel auf Big Island.

In diesem Jahr hat der 34-jährige Frodeno seinen Kumpel Kienle schon zweimal geschlagen: bei der Ironman-EM in Frankfurt/Main und bei der 70.3-WM in Zell am See. Beide haben viel Respekt voreinander. Der Weltmeister sagt über seinen großen Rivalen: „Ich traue dem Jan definitiv alles zu. Er hat das Zeug dazu, das Rennen zu gewinnen.“

PZ: Wie schätzen Sie Ihre eigenen Chancen ein?

Sebastian Kienle: Die Vorbereitung lief wirklich sehr gut. Zuversicht gibt mir auch die aufsteigende Tendenz in der Ganzjahres-Betrachtung. Ich habe mich in diesem Jahr in allen drei Disziplinen verbessert. Und es gibt mir Zuversicht, dass ich mich auf das Rennen auf Hawaii freue.

Jan Frodeno: Ich bin gar nicht so damit beschäftigt, es zu schaffen, wie alle sagen, mit dem Sieg und dass ich alle plattmache. Was mir Zuversicht gibt, ist, dass ich im vergangenen Jahr einen Schlüssel entdeckt habe zum großen Erfolg: Das ist, in keiner Situation aufzugeben. Ich befasse mich aber mit den Schritten zum Erfolg statt mit dem Erfolg an sich.

PZ: Was trauen Sie dem jeweils anderen zu?

Kienle: Alles, inklusive der Acht-Stunden-Marke, wenn die Bedingungen absolut perfekt sind. Jan hat das Zeug dazu, das Rennen zu gewinnen.

Frodeno: Gerade solche Situationen, in denen er wie in Frankfurt unterlegen war, motivieren Sebastian umso mehr. Das hat er oft genug gezeigt. Sebastian ist ein Killer. Ich weiß ja, wie er sich auf einen Wettkampf vorbereitet.

PZ: Sie sind bei aller Rivalität gut befreundet miteinander. Was schätzen Sie am jeweils anderen?

Kienle: Das ist seine Konsequenz, mit der er die Sachen angeht. Er ist vielleicht einer der härtesten Arbeiter, die ich sportübergreifend kenne. Ich schätze auch seine Fairness bei allem Ehrgeiz. Und ich mag seine Ehrlichkeit. Die kann auch sehr hart sein. Aber wenn ich Jan etwas frage, kriege ich von ihm immer eine ehrliche Antwort.

Frodeno: Sportlich ist Sebastian ein Macher und kein Schwätzer. Und er ist ein witziger Kerl. Mit ihm kann man gut essen gehen. Er hat lustige Geschichten und kann sie lustig rüberbringen.

PZ: Wie gehen Sie mit den Favoritenrollen um?

Kienle: Ich muss sagen, dass es mir das Leben leichter macht, dass Jan die Favoritenrolle hat. In einem Rennen, bei dem ich klarer Favorit bin, kann ich nur verlieren. Aber mir ist klar, dass der Jan eine verdammt harte Nuss sein wird, dass ich meinen absolut besten Tag brauchen werde, um den Titel zu wiederholen. Das sorgt dafür, dass ich mich mehr auf das Rennen freuen kann. Ich weiß, dass es keine Schande ist, wenn ich mit wehenden Fahnen Zweiter werde.

Frodeno: Im vergangenen Jahr hatte ich schon eine gewisse Favoritenrolle. Und auch wenn sich das jetzt anhört wie „Fünf Euro ins Phrasenschwein“, ist es so, dass die eigene Stimmung, der eigene Druck, den ich mir auflege, wichtig sind. Ich wollte schon im letzten Jahr den Vogel abschießen und will ihn diesem Jahr auch abschießen. Insofern hat sich vom Druck her da nicht viel geändert.

PZ: Was ist die Faszination am Ironman Hawaii?

Kienle: Ein Teil der Faszination ist es, dass man schon ganz, ganz viel gehört hat über Hawaii, bevor man als Sportler herkommt. Es gibt kaum jemanden, der mit Triathlon anfängt und sich gleich im ersten Jahr für Hawaii qualifiziert. Das Ziel wächst langsam, der Traum reift langsam. Jeder weiß um die große Herausforderung in dem Rennen. Ich sag mal, Ironman oder der Langstrecken-Triathlon ist noch eine gute Mischung aus sportlichem Wettkampf und Stück weit Abenteuer, bei dem man nicht nur gegen andere antritt, sondern auch gegen die Strecke, gegen die Bedingungen, gegen sich selber.

Frodeno: Es ist sicherlich die Härte der Bedingungen. Es ist, als würdest du einen Windkanal in die Sauna stellen und dann mit dem Fahrrad fahren. Und gerade dieses Krasse ist die besondere Anziehung. So wie Paris-Roubaix im Radsport. Es ist fast unmenschlich, dementsprechend ist die Herausforderung umso größer. Es gibt nur wenige Orte, an denen man sich verlassener fühlen kann als hier. Wenn man es dann überstanden hat, ist es einer der größten Endorphin-Momente.