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Foto: Axel Heimken/dpa
Foto: Axel Heimken/dpa
08.01.2019

PZ-Interview vor der WM: Was Patrick Groetzki über seine Rolle als einziger Rechtsaußen sagt

Die deutschen Handballer sind heiß auf die Heim-WM. Das gilt natürlich auch für den Birkenfelder Patrick Groetzki, einer der erfahrensten Profis im Team von Bundestrainer Christian Prokop. Auch bei ihm steigt die Anspannung.

Vor dem Start am Donnerstag mit dem ersten Gruppenspiel gegen Korea (18.15, live im ZDF) erklärt der 29-Jährige im PZ-Interview, was er ganz persönlich von dieser WM erwartet.

PZ: Eine WM im eigenen Lande: Das ist doch das absolute Highlight in der Karriere eines Nationalspielers?

Patrick Groetzki: Klar, das ist etwas Besonderes. Ich glaube, wir hätten alle nicht gedacht, dass nach 2007 so „schnell“ wieder eine WM nach Deutschland kommt. Das ist etwas Einmaliges, so sehe ich das.

PZ: Sie haben 133 Länderspiele im Rücken und damit reichlich Erfahrung: Da ist man nicht mehr nervös, oder?

Patrick Groetzki: Ein wenig Nervosität gehört immer dazu, gerade vor so großen Turnieren. Sicher, man kennt die Abläufe, wenn man das schon öfter mitgemacht hat. Aber eine gewisse Nervosität ist auch gut, um richtig in Stimmung für so ein großes Event zu kommen.

PZ: Bei der letzten Heim-WM holte Deutschland 2007 den Titel: Wissen Sie noch, wie sie das miterlebt haben, mit 17?

Patrick Groetzki: Ich habe das ganze Turnier intensiv am TV verfolgt. Einmal war ich sogar in Köln bei einem Trainer-Symposium mit der Junioren-Nationalmannschaft. Das Finale habe ich dann zuhause bei meiner Freundin gesehen. Daran kann ich mich gut erinnern.

PZ: Seit 2009 sind sie selber Nationalspieler: Die WM-Plätze 11, 5, 7 und 9 in dieser Zeit sind nicht überragend? Ist das Halbfinale bei der Heim-WM das Minimalziel?

Patrick Groetzki: Das waren jetzt ja lauter ungerade Zahlen. Ein paar ungerade Zahlen weiter vorne wären nicht schlecht. Ich denke schon, dass für Deutschland bei einer Heim-WM das Halbfinale ein Ziel sein muss. Man muss groß träumen, darf die Aufgaben, die vor einem stehen, aber auf gar keinen Fall unterschätzen. Die Weltspitze ist so eng beisammen. Da kann ein einziges schlechtes Spiel entscheidend sein. Ich sehe das wie den Bergaufstieg auf einen 8000-er, wo man von einem Basecamp ins nächste kommt.

PZ: Als Co-Gastgeber mit dem Heimvorteil im Rücken wird Deutschland sogar als Mitfavorit gehandelt? Wer sind Ihre Favoriten?

Patrick Groetzki: Nun ja, das sind die üblichen Verdächtigen. Ganz klar Frankreich, auch Dänemark als Mit-Gastgeber, das den Vorteil hätte, das Finale zuhause spielen zu können. Norwegen war stark bei den letzten Turnieren, Spanien ist als amtierender Europameister immer zu beachten.

PZ: Als Gastgeber steht man enorm unter Erfolgsdruck. Die Medienpräsenz ist außergewöhnlich, alles wird im Free-TV übertragen, die Erwartungen sind immens: Ist das für Sie eher Motivation oder Belastung?

Patrick Groetzki: Das ist etwas sehr Schönes, das ist genau das, was wir möchten. Wir wollen diese hohe Präsenz in der Öffentlichkeit. Man hat die Euphorie schon bei den letzten Testspielen in Hannover und Kiel gespürt. Das war die pure Freude. Das war ein Vorgeschmack auf das, was jetzt kommt. Es ist super, dass unsere Spiele im Free-TV gezeigt werden. Das kann unserem Sport einen enormen Schub geben.

PZ: Ihr Konkurrent auf der Rechtsaußenposition, Tobias Reichmann, ist für viele überraschend doch noch aus dem Kader gestrichen worden. Hat Sie diese Entscheidung des Bundestrainers auch überrascht?

Patrick Groetzki: Schwer zu sagen. Das hatte sich im Vorfeld zumindest so nicht angedeutet. Am Ende entscheidet das Trainerteam eben so, wie sie das für das Beste halten.

PZ: Wie hat der Trainer diese Entscheidung vor der Mannschaft begründet?

Patrick Groetzki: Uns gegenüber hat er das gar nicht so im Detail begründet. Er möchte mehr Flexibilität im Rückraum haben. Dazu hat er noch drei Kreisläufer im Kader. Dann wird halt meist auf einer Außenposition gestrichen. Das ist das, was man so im Nachhinein gehört hat.

PZ: Was bedeutet diese Maßnahme für Sie ganz persönlich? Was passiert, wenn sich Rechtsaußen Patrick Groetzki verletzt?

Patrick Groetzki: Nun ja, man kann ja während des Turniers auch nachnominieren. Ansonsten werde ich wohl sehr viel spielen. Das ist wirklich ein riesen Vertrauensbeweis vom Bundestrainer und dem ganzen Trainerteam. Aber vom Verein bin ich es ja auch gewohnt, die meiste Zeit durchzuspielen. Ich kenne das und ich bin fit genug.

PZ: Es gab Startschwierigkeiten mit dem neuen Coach Christian Prokop bei der EM 2018. Das soll ausgeräumt sein. Was macht er jetzt anders?

Patrick Groetzki: Gar nicht so unglaublich viel. Er kommuniziert jetzt vielleicht ein bisschen mehr mit uns. Er weiht uns in ganz viele Dinge schon früher ein. Er fragt uns nach unserer Meinung. Die Trainingseinheiten sind sehr gut und sehr prägnant.