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PZ-Team vs. Ispringer Frauen: Kampf der Geschlechter.
PZ-Team vs. Ispringer Frauen: Kampf der Geschlechter © Becker
24.06.2011

PZ-Team vs. Ispringer Frauen: Kampf der Geschlechter

Die Aufgabe war heikel. Richtig heikel. Männer spielen Fußball gegen Frauen. Da gibt es für die Männer nichts zu gewinnen. Aber viel zu verlieren. Am Ende konnten die Herren der Schöpfung die GAB – die Größte Anzunehmende Blamage – verhindern.

Was aber der 9:2-Sieg der Männer wert ist, muss die Zukunft zeigen.
Der große Showdown: Kunstrasenplatz des FC Ispringen. Auf der rechten Platzhälfte herrscht Ordnung. Dort machen sich die Frauen des FC Ispringen warm. Das sieht ganz professionell aus, wie die Mädels in der Gruppe laufen und sich dehnen. Immerhin ist die Mannschaft seit Kurzem frischgebackener Meister der Kleinfeld-Landesliga, Staffel Pforzheim.
Auf der linken Platzseite die Herren der Schöpfung. Von Ordnung keine Spur. Laufen? Dehnen? Von wegen! Wir haben doch einen Ball, also wird munter gekickt. Wir, das ist die PZ-Betriebsmannschaft. Eine bunte Mischung aus jung und alt, groß und klein, schlank und vollschlank. Fußballer und Nichtfußballer.
Es sind zwar einige junge Kicker wie Patrick Föller vom FC Singen und Julian Steinert, Sohn von PZ-Redakteur Ralf Steinert, dabei. Doch Herrschaften wie Papa Steinert, die PZ-Sportredakteure Udo Koller und Martin Mildenberger sowie Michael Schenk treiben den Altersdurchschnitt der Mannschaft knapp an die Grenze von 40 Jahren. Und an Handicaps ist unser Team wahrlich nicht arm. Ich spiele in der Ü 50 (Alter) und in der Ü 100 (Gewicht) gleichzeitig, Kollege Steinert ist schon fast Ü 60 (Alter) und außerdem Ü 20 (Zigaretten/Tag).
Wie aber an eine Partie gegen Frauen herangehen. Da gab es ganz unterschiedliche Ansichten im Männerkreis. Die einen plädierten für die Macho-Methode („Jungs, die hauen wir weg“), andere für die Gentleman-Methode („Wir zeigen, dass wir besser sind, dann lassen wir sie auch ein paar Tore schießen“), wieder andere für die Pragmatismus-Methode („Gewinnen, egal wie. Und wenn wir in der letzten Minute einen Elfmeter schinden müssen“).
Aber im Hinterkopf lauerte dieser Gedanke, der uns doch die eine oder andere schlaflose Nacht bereitete: Was, wenn die Mädels einfach zu stark sind? Was wenn wir verlieren? Können wir uns dann noch nach Hause trauen? Können wir uns noch einmal am Arbeitsplatz blicken lassen? Können wir die hämischen Kommentare und das feixende Grinsen der Kolleginnen und Kollegen ertragen?
Ja, wir waren nervös. Zumindest ein kleines bisschen. Die Ispringer Mädels aber, das zeigte das Spiel, waren noch nervöser. Die servierten uns in den ersten drei Minuten gleich zweimal vor dem eigenen Tor maßgerecht den Ball – 2:0. Unser Vorhaben („Eine frühe Führung ist wichtig“) war geglückt. Der Rest war ein munteres und nettes Spielchen, vor allem eine ganz faire Partie ohne Foulspiel. Und auch wir Männer konnten etwas lernen. Frauen sind im Sport den Männern körperlich zwar unterlegen. Aber gut Fußballspielen können sie inzwischen schon längst.
Trainer Andreas Weiss hat in der Halbzeit für seine Ispringer Fußballerinnen einen Rat parat. „Ein bisschen körperlicher können wir schon werden.“ Ruhig den Körperkontakt suchen und so die Abwehr der Männer durcheinanderbringen – eine Taktik die bei uns Frauen im Alltag regelmäßig zum Erfolg führt. Das kann schließlich auch auf dem Fußballplatz nicht so verkehrt sein. Und einen erfolgversprechenden Plan können die sportlichen Damen jetzt gut brauchen. Denn nach den ersten 30 Minuten steht es 5:2 – für die Herren der Schöpfung, die Mannschaft der PZ.
Die ersten zwei Tore kassieren die Ispringerinnen schon in den ersten drei Minuten. Die Männer der Pforzheimer Zeitung machen eines von Anfang an klar: Gegen Mädchen wollen sie nicht verlieren. Schon gar nicht im Fußball, der männlichsten aller männlichen Disziplinen. Der Spott wäre ihnen gewiss. Doch auch der weibliche Kampfgeist ist nach dem schlechten Start geweckt. Schließlich ist die Damenmannschaft des 1.FC Ispringen keine Gurkentruppe. Ganz im Gegenteil: Die Damen sind Landesligameister auf dem Kleinfeld. Unterkriegen lassen wollen sie sich nicht.
Die Fußballerinnen beißen die Zähne zusammen und kämpfen. Mit Erfolg. In der neunten Minute bugsiert Christina Vitos den Ball in die Bude von PZ-Torhüter Alexander Heilemann – nur noch 1:3. Den Neunmeter zum 2:5 verwandelt Sabrina Pierstorf nach einem Handspiel der Herren.
Zufrieden sind sie in der Halbzeit dennoch nicht. „Ich nehme den Schönling“, greift Fabienne Müller deshalb den Tipp ihres Trainers auf und zeigt auf die Nummer sieben im blauen PZ-Trikot – Patrick Föller. Doch das ist leichter gesagt, als getan. In den kommenden 30 Minuten läuft sie Föller vergeblich hinterher.
Die PZ-Kicker sind zwar nicht alle perfekt durchtrainiert, erweisen sich aber dennoch als deutlich antrittsschneller als die Damen. „Wenn die einen Schritt machen, müssen wir drei machen“, bemerkt Josephine Asotia, die am Spielfeldrand auf ihre Einwechslung wartet. „Das Fußballspiel als Spielform ist wesentlich eine Demonstration der Männlichkeit“, hatte der niederländische Sportmediziner F.J.J. Buytendijk zwar schon 1953 gesagt, doch mit dieser vor Testosteron strotzenden Vorführung männlicher Dominanz hatten die Fußballerinnen nicht gerechnet. Vor Beginn des Spieles, in der Damenumkleide, gaben sie sich noch optimistisch. „Natürlich gewinnen wir“, waren sie sich einig, zogen die Siegesfeier kurzerhand schon vor und ließen eine Sektflasche kreisen. Die Ispringer Damen wirken wie Zwerge neben den Spielern der Pforzheimer Zeitung. Und auch den Zuschauern am Spielfeldrand wird langsam aber sicher klar: Dort auf dem Kunstrasen kämpft David gegen Goliath. Doch da Fairplay bei den Damen großgeschrieben wird, kommt die Steinschleuder ebenso wenig zum Einsatz wie Blutgrätsche.
Am Ende kommt es, wie es kommen muss: Die Pforzheimer Zeitung entscheidet das Spiel mit 9:2 für sich. Doch die Ispringer Damen sind nicht nur gute Fußballerinnen sondern auch gute Verliererinnen. „Es hat trotzdem richtig viel Spaß gemacht“, sind sie sich nach dem Spiel einig. So sind sie zwar die Verlierer des Duells „Mann gegen Frau“, dafür aber die Siegerinnen der Herzen.langsam tauen die Mädchen auf und verlieren die Angst vor dem Körperkontaktdoch da kämpft David gegen Goliath auf verlorenem Posten. Da beginnt man sich über kleine Erfolge zu freuen. in der 21. Minuten legen die Damen den Chefredakteur Magnus Schlecht flach.Zur Halbzeit steht es 5:2Sabrina Piersdorf zaubert nach einem Handspiel der Männer einen neun Meter in das Tor von Alexander HeilemannDann endlich die Halbzeit. Trainer gibt Rat. „Ein bisschen körperlicher könnten wir schon werden“ Das sagt sich leicht vom Rand. Die PZ- Männer überragen die zierlichen Damen. Da trifft David auf Goliath. Nur haben die Mädels keine Steinschleuder zur Hand. Dennoch: Sie wollen sich den Rat zu Herzen nehmen. „Ich deck den Schönling“, sagt Fabienne Müller und zeigt auf Patrick Föller. Trotz der körperlichen Überlegenheit haben die Mädchen den Spaß nicht verloren.„Für einen Schritt den die machen, müssen wir drei machen“Nach 10 Minuten wunden lecken gehen die Mädels wieder aufs Feld.„Das Fußballspiel als Spielform ist wesentlich eine Demonstration der Männlichkeit“, sagte der niederländische Sportmediziner F.J.J. Buytendijk 1953.1930 erster deutscher Damenfußballklub wird gegründetdie Initiatorin damals: „Ich habe gesagt, was die Männer können, können wir auch“AbgeschlachtetDebakeldoch nicht deklassiertabtropfen lassenAbwehrhüneDie Mädels ackerndoch es gelang ihnen nur selten Akzente zu setzenantrittsschnellerdoch eine Aufholjagdweggeballertbugsiert das Ding in die Budekalt erwischtHausherrinenkeine EierschalentruppeDämpfer„Die Zukunft des Fußballs ist weblich“, FIFA-Präsident Joseph S. Blattner 2007„Gott schütze uns vor dem Frauenfußball“, Fifa-Verbandsmitglied aus Asien 19709:2 ein bitteres Ergebnis für dieSiegerin der Herzen – sind sie in jedem Fall.Trotz der 9:2 Niederlage gegen die PZ-HerrenKraftausdrücke, Damen auf dem SpielfeldMelinda Nagno, SAndra Sicker, MAnuela Schumacher, Tanja Obleser, Sabrina Pierstorf, Regina Russkow, Angi Schumacher, Rebecca Gehring, Katja SchumacherCharlotte Dingler, Christina Vitos, Petra Deininger, Dorothee Beck, Josephine Asotia, Kerstin Müller, Adele Neuweiler, Fabienne MüllerSpielführerin Reginabeste Stimmung in der Umkleide, Glas Sekt stimmen sich auf das Spiel einHaarsprayMädels machen sich warm, PZler kicken den Ball nur ein bisschen hin und herLandesliga auf Kunstrasen„Die müssen wir platt schießen“, doch daraus wird wohl nichtsNach drei Minuten steht es 2:0 für die Männerdenen ist die Erleichterung ist die Erleichterung ins Gesicht geschriebendie Mädels dagegen wirken überrascht. sonst als Landesmeister auf Kleinfeld, das siegen gewohntauch der Trainer Andrea Weiß am Spielfeldrand schreit „lasst sie laufen“doch es hilft nichts schon in der siebten Minute der nächste Treffer„ich dachte das macht Spaß“, murren auf der Ersatzbankdann in der 9. Minute Christina Vitosdoch die Freude hält nicht langschon das Gegentorlangsam tauen die Mädchen auf und verlieren die Angst vor dem Körperkontaktdoch da kämpft David gegen Goliath auf verlorenem Posten. Da beginnt man sich über kleine Erfolge zu freuen. in der 21. Minuten legen die Damen den Chefredakteur Magnus Schlecht flach.Die Mädels kämpfen. Und die Männer haben ein kleines Zwischentief. Erste Kraftausdrücke fallen. Auf Seiten der Männer versteht sich, doch die finden schnell zu ihren gewohnten Manieren zurück und dann auch wieder ins Spiel„Hat jemand ein Taschentuch“, fragt eine der Ersatzspielerinnen. Nicht etwa weil sie ihre Tränen trocknen will, sondern weil die Nase läuft. „Bei den Männern gibt es keine Tempos“, Trainer56 Minute nehmen die PZler Kerstin Müller in die Zangenach 60 Minuten ist das Spiel zu Ende: 9:2 haben die PZ männer gewonnen.„Das war eine Erfahrung wert“, sind sich die Mädchen einig. Viele von ihnen haben das erste Mal gegen Herren gespielt. Auch sie sind überrasch, wie viel die körperliche Überlegenheit ausmachtDas Fazit des Trainers: „IOch wusste, dass wir das Spiel nicht gewinnen können. Wir haben heute aber auch zu viele Abspielfehler gemacht. Und am Anfang haben die Mädchen zu viel Angst gehabt.