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Vor leeren Tribünen spielten TGS Pforzheim (weiße Trikots) und SG Pforzheim/Eutingen zuletzt im Liga-Pokal gegeneinander. In der ersten DHB-Runde hoffen beide Vereine darauf, dass die Entwicklung in der Corona-Pandemie wieder Zuschauer zulässt. Archiv foto: Becker 

Pforzheimer Handballvereine vor DHB-Pokal: Ein Glückslos und ein ehrgeiziges Ziel

Pforzheim. Jutta Ehrmann-Wolf muss man nicht unbedingt kennen, auch wenn sie in Handballerkreisen keine Unbekannte ist. Einst leitete sie als Schiedsrichterin Bundesliga-Begegnungen, heute ist die 57-Jährige beim Deutschen Handball-Bund (DHB) für das Schiedsrichterwesen zuständig. Am Dienstag war sie zusätzlich als Losfee im Einsatz und wird vor allem der SG Pforzheim/Eutingen in guter Erinnerung bleiben. Denn für die erste Runde im DHB-Pokal am 28./29. August loste sie der Spielgemeinschaft aus der Goldstadt Wunschgegner VfL Gummersbach zu. Weniger glücklich war ihr Händchen bei der TGS Pforzheim, die es mit dem ASV Hamm Westfalen zu tun bekommt. Beide Gegner spielen in der zweiten Liga. Altmeister Gummersbach verpasste zuletzt die Rückkehr in die erste Liga nur knapp, Hamm beendete die Saison auf Rang neun.

Durch die Wohnung gesprungen ist Alexander Lipps vor Freude zwar nicht, aber innerlich sei er schon gehüpft. „Ich habe mich sehr gefreut“, kommentiert der SG-Trainer das Los für seine Mannschaft und fügt mit Blick auf die Qualifikation über den Liga-Pokal hinzu: „Das ist der verdiente Lohn für meine Jungs.“ Altmeister Gummersbach ist der Heimatverein deutscher Handball-Größen wie Heiner Brand, Erhard Wunderlich und Joachim Deckarm. Natürlich hätte auch Wolfgang Taafel gerne einen prominenteren Gegner für den Pokal gehabt. Den anderen Altmeister Großwallstadt zum Beispiel oder den HSV Hamburg.

„Sportliche Chance größer“

Aber der Abteilungsleiter der TGS Pforzheim sieht auch Positives: „Da ist unsere Chance, die zweite Runde zu erreichen, etwas größer“, setzt er sportliche Ziele. Er weiß, dass die Möglichkeiten auf eine Pokalüberraschung nicht so groß sind wie im Fußball. „Aber ganz aussichtslos ist es nicht.“ Sein Trainer pflichtet ihm bei: „Mit etwas Glück und einem guten Tag kann ein Drittligist im Pokal einen Zweitligisten ausschalten.“

Bevor die beiden Pforzheimer Handball-Drittligisten nun sportlich getrennt marschieren und zuschlagen wollen, müssen sie gemeinsam noch ein Problem aus der Welt schaffen: den Spieltermin. Beide Vereine setzten ihre Heimspiele vorzugsweise am Samstagabend an. In der Liga werden die Spielpläne für die Pforzheimer Rivalen so gestaltet, dass man abwechselnd daheim spielt.

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Wie ist das Problem im Pokal zu lösen? „Gute Frage“, sagt Wolfgang Lipps. Ob es möglich sei, eine der beiden Pokalbegegnungen eine Woche vorzuziehen, müsse man ausloten. Wolfgang Taafel will den Dialog suchen: „Wir müssen zusammensitzen und diskutieren.“ Taafel sieht beim Spieltermin am Samstag ebenso Vor- und Nachteile wie am Sonntag und sagt: „Deshalb bekommen wir keinen Krach.“ Sein Vorschlag, falls es keine Einigung gibt: „Dann losen wir halt.“ Einig sind sich beide Vereine in einem anderen Punkt: Hoffentlich kann im Pokal vor Publikum gespielt werden.

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Alfred Gislason als Gummersbacher Trainer in Pforzheim, im Hintergrund der damalige SG-Coach Marc Nagel. Archivfoto: Schmid

Bundestrainer und Weltstars einst mit Gummersbach zu Gast in Pforzheim

Im August 2006 war Bundestrainer Alfred Gislason zu Gast in Pforzheim. Damals war er natürlich noch nicht Bundestrainer, es war noch nicht einmal absehbar, dass er 15 Jahre später in dieser Funktion die DHB-Handballer bei den Olympischen Spielen in Tokio führt. Gislason war damals noch Trainer des VfL Gummersbach und mit seinem Team auf Testspielbesuch in der Goldstadt. Gegner war die SG Pforzheim/ Eutingen.

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Weltstar in der Konrad-Adenauer-Halle: Daniel Narcisse (links) gegen Manuel Mönch. Archivfoto: Schmid

Im Rückblick ist es erstaunlich zu sehen, wie viel Weltklasse damals in der Pforzheimer Konrad-Adenauer-Halle auf dem Parkett stand. Dazu zählte der Franzose Daniel Narcisse, vierfacher Weltmeister, zweifacher Olympiasieger und Welthandballer. Dazu zählte auch der Isländer Gudjon Sigurdsson, der den Weltrekord für die meisten Länderspieltore hält und aktuell Trainer des Zweitligisten aus dem Bergischen Land ist. Bis auf einen Spieler waren oder wurden die Gummersbacher aus dem Team des Jahres 2006 Nationalspieler, zusammen haben sie mehr als 2200 Länderspiele bestritten.

Jetzt stehen sich im DHB-Pokal zwei Männer als Trainer gegenüber, die damals als Spieler Kontrahenten waren. Denn auch Alexander Lipps spielte damals noch im SG-Trikot. Und dazu ein ganz junger Spieler, der später für mehr als 150 Länderspiele ebenfalls das Trikot des DHB tragen sollte und bis heute trägt: Patrick Groetzki.

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