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Turbulent war die Zeit nach Olympia, doch André Link, hier auf der Anlage des Landesleistungszentrums Pforzheim, lässt sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Foto: Koller
Turbulent war die Zeit nach Olympia, doch André Link, hier auf der Anlage des Landesleistungszentrums Pforzheim, lässt sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Foto: Koller
09.09.2016

Pforzheimer Schütze André Link holt Gold, Silber und Bronze bei Deutschen Meisterschaft

Edelmetall hat Pforzheims bester Einzelsportler bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro als großartiger Fünfter zwar knapp verfehlt. Dafür hat Kleinkaliberschütze André Link wenige Tage später bei den deutschen Meisterschaften in München gleich einen ganzen Medaillensatz abgeräumt: Gold im sogenannten kleinen Dreistellungskampf mit je 20 Schuss liegend, knieend und stehend, Silber im eigentlichen Dreistellungskampf mit der doppelten Anzahl von Schüssen und Bronze in der Disziplin 60 Schuss liegend.

Trainer: „Das war genial“

Keine Frage: Nicht nur der nervenstarke 21-jährige Olympia-Debütant, sondern auch sein Trainer Helmut Hoffmann zieht eine positive Jahresbilanz. „Das war genial, dass er in Rio ins Finale gekommen und Fünfter geworden ist“, schwärmt Hoffmann, der im Landesleistungszentrum Pforzheim verantwortliche Trainer, von seinem großen Talent. Bei dem ruhigen Typ Link hört sich das nüchterner an: „Mit der Saison bin ich alles in allem zufrieden.“

Der in Bietigheim-Bissingen geborene Sportschütze wäre bei den deutschen Meisterschaften in München-Hochbrück im Liegendkampf zu gerne „Olympiasieger-Besieger“ geworden, wie er sich ausdrückt. Doch Goldmedaillen-Gewinner Henri Junghänel „war einfach bärenstark“. Und auch Daniel Brodmeier, der in Rio im großen Dreistellungskampf als Vierter einen Rang vor Link lag, „war bei der DM überragend“. Das DM-Gold im Kleinen Dreistellungskampf tröstet ihn ein wenig.

Zunächst wenig motiviert

„Meine Motivation war nach den Olympischen Spielen nicht so hoch“, räumt der Wirtschaftsinformatik-Student ein, der täglich von Pforzheim zum Studium nach Stuttgart oder zu seiner Ausbildungsfirma in Filderstadt fahren muss. Im Vorkampf des großen Dreistellungskampfs bei der deutschen Meisterschaft in München musste er sich mit 1168 Ringen gegenüber 1174 von Rio begnügen. „Doch im Finale wurde sein Ehrgeiz geweckt“, kennt Hoffmann seinen Schützling ganz genau.

Die Reise von Rio über Frankfurt, wo der Empfang für die Olympiateilnehmer stattfand, bis zur DM war für Link und seine Schützenkameraden ein Abenteuer für sich. „Eine Stunde vor meinem Wettkampf in München, der um 8 Uhr am Morgen begann, hatte ich meine Waffe und den Munitionskoffer noch gar nicht in der Hand.“ Doch Link bringt so schnell nichts aus der Ruhe.

Suche nach den Waffen

Das Tohuwabohu begann schon in Rio, obwohl die Schützen schon fünf Stunden vor der Abreise zum Flughafen gebracht wurden. Lange Wartezeiten in einem Zubringer-Bus, Menschenschlangen an den Schaltern, ein Hin und Her mit der Sicherheit der Gewehre und Pistolen und lange Fußwege im Terminal führten dazu, dass die Spezialisten mit Kimme und Korn gerade noch fünf Minuten vor dem Ende der Boarding-Zeit den Flieger erreichten. Doch weder in München noch in Frankfurt tauchte zunächst das Sperrgepäck mit den wichtigen Schießutensilien der Olympiateilnehmer auf.

„Erst als Schnellfeuerpistolenschütze Oliver Geis am Tag danach noch einmal im Frankfurter Flughafen einen unerlaubten Blick in einen Gepäckraum warf, entdeckte er unsere Sachen“, berichtet Link. Doch auch der Transport der Waffen nach München gestaltete sich noch schwierig.

„Zunächst einmal kommt mein Kleinkalibergewehr in den Schrank und dieses Jahr wohl nicht mehr heraus“, ist sich Link sicher. Dennoch muss er in diesem Jahr noch genau zielen. Allerdings greift er für seinen Bundesligaverein KKS Königsbach von Oktober an dann zum Luftgewehr.

Wegen seines Studiums lässt es Link im nächsten Jahr etwas ruhiger angehen. Aber spätestens, wenn die Qualifikation für die Europameisterschaften im Juli in Baku (Aserbaidschan) ansteht, wird den „wettkampfstärksten Schützen, den ich in 30 Jahren hatte“ (Hoffmann über Link), wieder der Ehrgeiz packen.