nach oben

Karlsruher SC

Unfassbar für viele: Sportdirektor Oliver Kreuzer ging vier Tage vor Ende der Transferperiode, also in der heißen Phase, in Urlaub.
Unfassbar für viele: Sportdirektor Oliver Kreuzer ging vier Tage vor Ende der Transferperiode, also in der heißen Phase, in Urlaub. © dpa
05.09.2018

Pleite gegen Schlusslicht Lotte hat die KSC-Bilanz erheblich getrübt

Karlsruhe. Nach kräftezehrenden fünf Wochen mit fast zehn Pflichtspielen können die KSC-Profis nun in der Länderspielpause durchatmen. Das Zwischenfazit nach sechs Drittliga-Spielen fällt angesichts von sieben Punkten und Rang 14 allerdings mäßig aus.

Die Aufgaben im BFV-Pokal gegen unterklassige Mannschaften löste die zweite Garnitur der Karlsruher souverän. Im DFB-Pokal dagegen kassierten die KSC-Kicker eine 0:6-Klatsche gegen Hannover 96. Überraschend war die hohe Zahl der Gegentore, denn in der Liga war die Abwehr, das „Badische Bollwerk“, bis dahin das Prunkstück. Doch gegen die 96er bekam der Kader hart und heftig seine Grenzen in Sachen Schnelligkeit und technische Fertigkeiten aufgezeigt.

Zudem wurde offensichtlich: Der Wurm liegt im Sturm. Von den bereits fünf im Angriff eingesetzten Akteuren traf nur Anton Fink. In den sechs Liga-Spielen trafen die Badener überhaupt nur fünfmal – das ist sehr mager.

Dennoch sah es bis zur Partie gegen den Tabellenletzten Sportfreunde Lotte ganz gut aus. Der KSC war ungeschlagen, hatte trotz Sturmflaute Tuchfühlung zur vorderen Tabellenregion. Doch die peinliche 1:3-Niederlage deckte Schwächen schonungslos auf. Zu wenig Einsatz, schlechtes Zweikampfverhalten, keine Abstimmung.

Der KSC-Kader leidet noch unter den „Spätfolgen“ der verfehlten, teuren Zusammenstellung des Kaders vor der vergangenen Spielrunde. Dabei gab es diesen Sommer über 20 personelle Veränderungen. Hoch bezahlte Neuzugänge der Vorsaison, die die Erwartungen nicht erfüllten, nun von der Gehaltsliste zu bekommen kostet den KSC viel Geld. Geld, das aktuell fehlt, um Neuzugänge mit Qualität zu verpflichten. Um Löcher in der Kasse zu stopfen, musste man etliche Stammkräfte verkaufen. Das war notwendig, um finanziell zu überleben.

Verständlich, wenn Dominik-Stroh-Engel dem angeblich geäußerten Wunsch nach Vertragsauflösung nicht zustimmt. „Dodo“ wird bald 33 Jahre alt, hat einen gut dotierten Kontrakt – warum sollte er auf etwas verzichten, das ihm zusteht? Also sitzt er seinen guten Vertrag auf der Tribüne aus. Auch Alexander Siebeck konnte die Erwartungen nicht erfüllen, soll den KSC verlassen – doch auch er ist noch da, wird weiterhin bezahlt.

Stroh-Engel und Siebeck trainieren mit – ohne reelle Chance auf Einsatzzeit. Eine schwierige Situation für die beiden, aber auch für Trainer Alois Schwartz. Der Coach verlor fünf Stammkräfte, adäquater Ersatz wurde nicht gefunden. Auch, weil kein Geld da ist. Die Transfereinnahmen gehen weitgehend für alte Schulden, für Abfindungen, für Fehler der vergangenen Spielrunde drauf ...

Da war auch die Posse um U-19-Trainer Lukas Kwasniok. Ihn ließ man für 125.000 Euro Ablöse nicht zum Zweitligisten Erzgebirge Aue. Doch kurz darauf wurde sein Vertrag aufgelöst. Kwasniok soll sein komplettes Gehalt erhalten haben. So setzte der KSC in dieser Sache locker rund 200.000 Euro in den Sand. Das verstehe, wer will ...

Eines blieb wie in den letzten Jahren: Unruhe neben dem Platz! Da kündigte Geschäftsführer Helmut Sandrock. Überraschend. Offiziell ohne Begründung. Doch die Spatzen pfeifen es im Wildpark vom Dach, dass es Ungereimtheiten in der Zusammenarbeit mit dem Präsidium gegeben haben soll.

Unfassbar für viele: Sportdirektor Oliver Kreuzer ging vier Tage vor Ende der Transferperiode, also in der heißen Phase, in Urlaub. Der Kader stehe, erklärte Kreuzer vor dem Abflug in Richtung Griechenland. Das stimmte nicht, Florent Muslija ging noch nach Hannover. Insider erklärten, eine erhoffte, schnelle Nachverpflichtung sei auch aufgrund dieser Umstände nicht mehr machbar gewesen. „Unprofessionell“, war aus dem Umfeld zu hören. Manche fragten: Warum ging der Sportdirektor nicht erst nach Ende der Transferperiode in Urlaub? Holger Siegmund-Schultze, der Einzige aus dem Präsidium, der beim 1:3 gegen Lotte im Wildpark war, verwies auf Ingo Wellenreuther. „Wir haben im Präsidium eine Sprechordnung. Bei uns spricht nur der Präsident.“

Schwere Zeiten im Wildpark – aber das ist leider nichts Neues …