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Dirigent beim VfB: Andreas Beck zeigt seinen Kollegen, wo es langgeht.  Foto: Baumann 
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Interimstrainer Nico Willig (links) hält viel von seinem Routinier.  Foto: Baumann 
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Starke Partie gegen Gladbach: Andreas Beck im Duell mit Denis Zakaria.  Foto: dpa 

Plötzlich Führungsspieler beim VfB Stuttgart: Andreas Beck genießt einen neuen Status

Stuttgart. So schnell kann es gehen: Bis vor wenigen Tagen wurde Andreas Beck von den Fans des VfB Stuttgart teils kritisch beäugt, nun soll er im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga zur zentralen Figur werden.

Seit Nico Willig in der vergangenen Woche das Traineramt vom glücklosen Markus Weinzierl bis Saisonende übernommen hat, genießt der 32 Jahre alte Rechtsverteidiger einen neuen Status.

„Andi Beck ist ein Signalspieler und ich wünsche mir Signalspieler auf dem Platz“, sagte der Interimscoach Willig vor dem Spiel des Tabellen-16. bei Hertha BSC am Samstag (15.30 Uhr/Sky). „Auf welcher Position ist dann abhängig von unserer taktischen Ausrichtung und auch vom Gegner.“ So spielte Beck zuletzt beim 1:0 gegen Borussia Mönchengladbach nicht wie zuvor als Rechtsverteidiger, sondern auf der halbrechten Position im Mittelfeld – und vertrat den verletzten Christian Gentner als Kapitän. Der frühere VfB-Jugendspieler, der schon 2008 zum badischen Rivalen TSG 1899 Hoffenheim wechselte und im Sommer 2017 nach zwei Jahren beim türkischen Topclub Besiktas Istanbul nach Stuttgart zurückkehrte, agierte solide, aber nicht überragend.

Willig genügte das. „Ich glaube nicht, dass er da eine 1,0 gespielt hat, aber er hat die Spieler um sich rum besser gemacht und damit auch die ganze Mannschaft.“ Mit seinem Auftreten gegen die Borussia trug Beck maßgeblich dazu bei, dass die davor teils leblos wirkende Mannschaft neuen Mut gefasst hat. Dabei endet Becks Vertrag nach dieser Spielzeit und es gab vom Verein bisher noch kein öffentliches Signal, ihn zu verlängern. Beck selbst schloss kürzlich einen erneuten Wechsel ins Ausland nicht aus. Anfragen gebe es, sagte er. Die Aussagen Willigs sind für den Saisonendspurt, in dem die Stuttgarter zumindest den Relegationsplatz sichern wollen, dennoch ein wichtiges Signal. So ist davon auszugehen, dass er gegen die Hertha wieder auf ein Mittelfeld der Routiniers setzen wird. Neben Beck auf den 31-jährigen Gonzalo Castro sowie Dennis Aogo (29). Auch Spielmacher Daniel Didavi ist 29 Jahre alt. Dabei hat es Beck auch dem Millionen-Missverständnis Pablo Maffeo zu verdanken, dass er überhaupt zu den Stammkräften zählt. Der im vergangenen Sommer als Rechtsverteidiger und damaliger Rekordtransfer geholte Spanier entpuppte sich als Flop und spielt beim VfB keine Rolle mehr. So behielt Beck seinen Platz rechts hinten, wurde aber vor allem wegen seiner Offensivschwächen häufig kritisiert. Gegen Gladbach hatte Willig von einer Dreier- auf eine Viererabwehrkette umgestellt und Weltmeister Benjamin Pavard anstelle Becks auf der defensiven Außenbahn gebracht.

Nach dem Gladbach-Spiel machte Beck zumindest indirekt klar, dass er die Trennung von Coach Weinzierl positiv sieht, indem er besonders Willigs Ansprache und Souveränität positiv hervorhob. „Ohne groß zu bewerten, was davor war, aber es ist eine andere Herangehensweise, es sind andere Schwerpunkte“, sagte der U21-Europameister von 2009.

Zwar hat Mittelfeldspieler Gentner seinen Muskelfaserriss auskuriert, könnte in Berlin aber erst mal auf der Bank sitzen. Dann würde Beck erneut als Kapitän auflaufen – als neuer Anführer im Mittelfeld sowieso.

Mislintat hält sich im Hintergrund auf

Natürlich hat Sven Mislintat auch ein Büro in der Mercedesstraße 109. Am 1. Mai hat der in der Branche hoch geschätzte 46-Jährige auch offiziell als neuer Sportdirektor des VfB Stuttgart angefangen – aber für die Mannschaft, die Fans und die Medien soll sich in den wichtigen letzten Wochen des Abstiegskampfes in der Fußball-Bundesliga nichts ändern. Selbst Interimstrainer Nico Willig hatte bis Donnerstagmittag noch kein längeres Gespräch mit ihm. Ob der Mann, der aus seiner Zeit als Chefscout von Borussia Dortmund den Beinamen „Diamantenauge“ hat, im VfB-Clubzentrum oder am Trainingsplatz ist oder nicht, soll keine Rolle spielen.

Am Samstag bei Hertha BSC (15.30 Uhr) wird also erneut Sportvorstand Thomas Hitzlsperger bei Bedarf vor dem Anpfiff mit den Reportern von Sky sprechen und nach der Partie vielleicht ein paar einordnende Sätze in der Kabine oder der Mixed Zone sagen. Mislintat wird allenfalls auf der Tribüne zu sehen sein, wahrscheinlich aber nicht mal das. Bis er wirklich in der Öffentlichkeit auftaucht, dauert es. „Die offizielle Vorstellung von Sven Mislintat erfolgt im Rahmen einer Pressekonferenz im Mai“, hieß es bei der Bekanntgabe des Coups vor drei Wochen. (dpa)