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Kevin Gerwin, Hallensprecher der Basketballer der BG Karlsruhe, wurde am 11. Januar in der Europahalle zur Zielscheibe pöbelnder Fans des Teams der Giessen 46ers. Jetzt hat die Polizei mutmaßliche Randalierer ermittelt, die unter anderem für eine schwere Körperverletzung und das mutwillige Urinieren auf einen Stuhl in der Halle verantwortlich sein sollen.
Hallensprecher Kevin Gerwin © Patrick Hubig
04.02.2014

Polizei ermittelt vier Straftaten bei Basketball-Randale in Europahalle

Karlsruhe. Betrunkene, aggressive Fans der Giessen 46ers haben am 11. Januar bei einem Basketballspiel gegen die BG Karlsruhe in der Europahalle in der Fächerstadt randaliert und für einen Großeinsatz der Polizei gesorgt. Jetzt hat die Ermittlungsgruppe der Karlsruher Polizei mehrere Straftaten erfolgreich aufgeklärt und die mutmaßlichen Täter identifiziert. In einem Fall geht es um eine gefährliche Körperverletzung.

Mit 19 Streifenwagen eilte die Polizei nach dem Spiel, dass die Giessen 46ers knapp gewonnen hatten, vor die Europahalle. Mit diesem unerwarteten Einsatz – so etwas gab es noch nie in der Europahalle - war an diesem Abend die Karlsruher Polizei an ihre Einsatzgrenzen gestoßen. Die Randale hatte sich aber schon vor dem Spiel abgezeichnet, denn das aggressive Auftreten einiger Gäste aus Mittelhessen hatte erstmals in der Basketballgeschichte der Europahalle strenge Einlasskontrollen provoziert.

Stadionsprecher Kevin Gerwin musste die Fans aus Gießen mehrmals bitten, nicht das Spielfeld zu betreten und keine Gegenstände in Richtung Spielfeld oder gegen das Ordnerpersonal zu werfen. Am Ende flogen zuerst Bierbecher und dann die Fäuste, als die Supporter der Giessen 46ers in Richtung der Ordner drängten. Die Polizei hatte danach die Randalierer vor der Europahalle eingekesselt, um die Personalien feststellen zu können.

„Solche Eskalationen sind aufs Schärfste zu verurteilen“, wird Daniel Müller, Geschäftsführer der 2. Basketball-Bundesliga, auf der Liga-Webseite zitiert. Und: „Das Verhalten einiger ‚Fehlgeleiteter‘ darf nicht dazu führen, dass sich eine solche negative Dynamik entwickelt – unabhängig davon, was der Auslöser für die Vorkommnisse gewesen ist.“ Über das auslösende Moment scheint es zumindest bei der Spielleitung der 2. Basketball-Bundesliga, die Junge Liga GmbH (DJL), Unklarheiten zu geben, denn beide Teams werden mit einer 500-Euro-Ordnungsstrafe belegt. DJL-Spielbeobachter sollen bei den Februar-Heimspielen der BG Karlsruhe beobachten, ob „das Kampfgericht oder/und der Hallensprecher nicht ordnungsgemäß arbeiten“. Ein DJL-Beobachter soll bei Auswärtsspielen der Giessen 45ers einen Blick auf das Verhalten der Fans und auf die Einhaltung von diversen Maßnahmen des Vereins werfen.

Schon jetzt genauer hingesehen hat dagegen die Ermittlungsgruppe des Karlsruher Polizeireviers West. Vier Straftaten von Fans aus Gießen sind ausermittelt: eine schwere Körperverletzung, eine Körperverletzung und eine Beleidigung zum Nachteil des Karlsruher Hallensprechers sowie eine Sachbeschädigung, bei der ein Giessen-46ers-Fan auf einen Hallensitz uriniert hat.

Hallensprecher Kevin Gerwin, der zur Zielscheibe pöbelnder Mittelhessen wurde, sieht die Doppelstrafe für beide Teams und die Erklärung der Junge Liga GmbH so: „Hier werden nun gefährliche Körperverletzung und das Urinieren auf Sitzen mit verbalen Äußerungen eines Hallensprechers auf eine Stufe gestellt.“ In einem früheren Interview hatte er gegenüber PZ-news erklärt: „Wenn notwendige Unterlassungsdurchsagen oder Videoaufnahmen von einem Hallensprecher gegenüber Gästefans als Legitimation zur Gewalt angesehen werden, dann ist dem, denke ich, nichts hinzuzufügen.“

Hinzufügen wird allerdings in diesen Tagen die Polizei in Gießen noch die Aussagen der ermittelten und mutmaßlichen Schläger und Sachbeschädiger. Ob sich die Verantwortlichen der Junge Liga GmbH von den Ergebnissen der Polizeiarbeit in Karlsruhe und Gießen noch einmal zu einer Neubewertung des Basketballskandals bewegen lassen?

Weitere Infos:

Interview mit VG-Hallensprecher Kevin Gerwin

Zwischenstand erste Ermittlungen

Erste Informationen zum Randale-Großeinsatz