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So schaut man gerne Fußball – allerdings entspricht das nicht den Vorgaben des Hygienekonzepts vom badischen Fußballverband. Der Mindestabstand von 1,50 Meter wurde auch am vergangenen Spieltag nicht immer eingehalten. Foto: Hennrich 
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Vorbildlich: Der 1. CfR Pforzheim hat im Brötzinger Tal die Sitzordnung zwischen den Sitzschalen auf der Gegengerade mit Absperrband markiert.  Foto: Hennrich 

Probleme mit dem Abstand - wie im Fußballkreis Pforzheim das Corona-Hygienekonzept umgesetzt wird

Für die Vereine ist die Umsetzung des Hygienekonzepts eine riesige Herausforderung. Wege und Zonen müssen eingezeichnet werden, Namen der Zuschauer dokumentiert werden, der Mindestabstand der Fans muss ständig überprüft werden und auch die Fußballer müssen in der Kabine (beim Umziehen und Duschen) sowie auch auf dem Platz (etwa beim Torjubel) mit Einschränkungen leben.

Kommen die Kicker damit klar? Und klappt die Umsetzung des Hygienekonzepts bei den Vereinen? Am vergangenen Wochenende sah man auf einigen Plätzen in der Region, dass so mancher Fan doch gerne auf Tuchfühlung zu seinem Steh- oder Sitznachbar ging.

„Man kann die Hodte nicht einfangen“, sagt Marcus Meeh und berichtet wie viele andere Vereine auch, dass viele Zuschauer am Spielfeldrand einfach den Mindestabstand von 1,50 Meter nicht einhalten. „Das ist das größte Problem“, so der Spielleiter des A-Ligisten 1. FC Engelsbrand. „Die Disziplin ist bei den Leuten fast nicht mehr da. Aber das ist nicht nur auf dem Fußballplatz so, das ist quasi überall so“, meint Marcus Meeh, der betont, dass man beim 1. FC Engelsbrand die Zuschauer immer wieder daraufhinweise, den Mindestabstand einzuhalten. „Beim Trinken- und Essenholen klappt’s“, berichtet Meeh. Beim Zuschauen dann weniger.

Extrem kontraproduktiv findet der Funktionär außerdem die neuen Anstoßzeiten. Damit sich die Spieler der ersten und zweiten Mannschaften nicht in der Kabine begegnen sollten, beschloss der Badische Fußballverband die Anstoßzeiten der Partien auf 13 Uhr beziehungsweise 16 Uhr zu setzen. „Das ist Schwachsinn“, so Marcus Meeh. „Die Spieler laufen sich jetzt erst recht über den Weg und begegnen sich in der Kabine. Früher ist die eine Mannschaft raus und die andere rein.“ Meeh plädiert dafür, diese Regelung wieder abzuschaffen. „Vor allem Vereine die nur zwei Kabinen haben wie wir, haben hier große Probleme“, sagt er. Spaßeshalber schaute er am Wochenende mal nach den Anstoßzeiten im Württembergischen und südbadischen Verband. Hier seien Spiele wie gehabt um 13 und 15 angepfiffen worden, berichtet der Engelsbrander Sportchef.

Ansonsten würde das Hygienekonzept beim FCE reibungslos umgesetzt. Die Spieler haben einen separaten Eingang übers Clubhaus zu den Kabinen. Die Zuschauer müssen sich vor dem Eintritt aufs Gelände auf Zetteln registrieren. Zonen, die nicht betreten werden dürfen, sind mit Absperrband versehen.

Beim Ligakonkurrenten SV Neuhausen wissen die Zuschauer unterdessen ganz genau, wo sie stehen müssen. Die Stehplätze sind mit einem „X“ gekennzeichnet. Überhaupt wird beim SVN ganz besonders auf die Hygienevorschriften geachtet. „Unser Hygienebeauftragter ist da sowas von hinterher“, betont Neuhausens Trainer Dietmar Dierlamm. Er achtet etwa darauf, dass sich die Spieler in der kleinen Kabine mit Mundschutz umziehen oder auch nur eine begrenzte Anzahl an Spielern gleichzeitig duscht. „Das dauert eben jetzt ein wenig länger“, weiß Dierlamm. Er muss sich bei seinen gewohnt „heißblütigen“ Spieleransprachen nun auch etwas zurückhalten. Die finden jetzt nicht mehr in der Kabine statt, sondern vor dem Spiel auf dem Platz. Auch in der Halbzeitpause verweilt die Mannschaft auf dem Feld. Für Dierlamm kein Problem. Er hat nur eine Sorge: „Was ist, wenn es in Strömen regnet? Oder die kalte Jahreszeit kommt? Was sollen wir dann machen?“ Dierlamms Blick in die Zukunft sieht wegen der anhaltenden Corona-Pandemie und einer möglichen Grippewelle in den nächsten Monaten für den Amateurfußball düster aus: „Ich gehe davon aus, dass wir die Saison nicht zu Ende spielen werden.“

Dominique Jahn

Dominique Jahn

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