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Viel Rauch um nichts: Das Spiel SV Darmstadt 98 gegen den Karlsruher SC war eine wenig spektakuläre Nullnummer, sieht man einmal von Pyro-Spektakel einiger so genannter KSC-Fans ab, die mit ihrem Feuerwerk eine zweiminütige Spielpause erzwangen, obwohl gerade "ihre" Mannschaft am Drücker war. © Thomas Frei
30.11.2014

Pyro-Gezündel der KSC-Fans - Ausschreitungen bei Rostock-Dresden

Fußball könnte so schön sein, wenn sich die Fans auf den Sport konzentrieren würden. Stattdessen gibt es Gruppierungen, die scheinbar nichts anderes im Sinn haben, als sich mit den so genannten Fans anderer Vereine zu prügeln. Und weil der DFB das Zünden von Pyrotechnik verboten hat, scheinen manche Fangruppierungen besonders gerne Raketen durchs Stadion zu schießen. Teuer wird es für die Vereine, die jene Fans angeblich unterstützen. Wie zum Beispiel für Dynamo Dresden und den Karlsruher SC.

Bildergalerie: Pyro-Gezündel der KSC-Fans beim SV Darmstadt

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Das dickste Ei haben die Krawallmacher und Prügler dem schon in Sachen DFB-Repressalien bekannten Drittligisten aus Dresden ins Nest gelegt. Doch auch die Rostocker sind nicht unbekannt in Sachen Randale. Nach dem Spiel zwischen Hansa Rostock und Dynamo Dresden ist es zu schweren Ausschreitungen in Rostock gekommen. Dabei bewarfen nach Angaben der Polizei vom Samstagabend „mehrere Hundert Personen, die dem Fanspektrum des Vereins Hansa Rostock zuzurechnen sind“, Polizisten und Gebäude mit Steinen. Ein Beamter wurde am Knie verletzt. An einer Polizeiwache wurden durch Steinwürfe mehrere Fensterscheiben beschädigt. Mehrere Mülltonnen und Sperrmüllhaufen seien angezündet, an sieben Fahrzeugen von Dresdner Fans Reifen zerstochen worden.

Bildergalerie: Pyro-Gezündel der Dynamo-Dresden-Fans bei Hansa Rostock

Insgesamt setzte die Polizei nach eigenen Angaben 55 randalierende Fans vorläufig fest und nahm Ermittlungen unter anderem wegen Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und wegen des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz auf.

Ein direktes Aufeinandertreffen von Fans beider Vereine wurde laut Mitteilung der Polizeiinspektion Rostock verhindert. Insgesamt waren demnach 1700 Polizeibeamte verschiedener Bundesländer sowie der Bundespolizei an dem Einsatz beteiligt. Schon während des Spiels war es zu Ausschreitungen gekommen. Die Partie musste für zwölf Minuten unterbrochen werden, nachdem Dynamo-Anhänger im Gästeblock Pyrotechnik gezündet hatten. Und die Raketen flogen zielgerichtet in Richtung Hansa-Fans, was ein bewusstes Verletzten des Gegners impliziert. Ach ja, die unwichtigste Nebensache des Spiels, zumindest wohl aus Sicht der Krawallfans: Dresden gewann das Spiel mit 3:1 (1:0).

Vergleichsweise harmlos dagegen, aber nicht minder negativ fürs Image des Vereins und nicht minder schädlich für die Vereinskasse des Karlsruher SC: Auch KSC-Fans brannten am Freitagabend Pyrotechnik ab. Beim Spiel gegen den SV Darmstadt 98 sorgten die Unterstützer des badischen Zweitligisten für eine zweiminütige Unterbrechung der Partie. Kurzzeitig war für die Pyro-Zündler das Spielfeld nicht mehr zu sehen.

Für den KSC könnte diese Art der Unterstützung weitreichende Konsequenzen haben. Pyrotechnik ist schon vor Spielbeginn zum Einsatz gekommen – im Gästeblock, wo die KSC-Fahnen wehten. Als der KSC gerade am Drücker war und die Darmstädter in Bedrängnis zu bringen schien, zündeten KSC-Anhänger wieder Pyros. Dieses Mal so reichlich, dass es einigen die Sicht und vielleicht auch den Atem nahm. Letztlich nahm es auch den KSC-Spielern den Schwung, denn nach der Zwangspause waren Rhythmus und Spielfluss wieder unterbrochen.

Was den KSC-Spielern nicht gefallen hat, verärgert auch das KSC-Management. „Diese Leute schaden dem Verein. Wir sind Wiederholungstäter, das ist keine schöne Sache", wird Manager Jens Todt auf KA-news zitiert. Vor kurzem die Prügelei beim 1. FC Kaiserslautern, weiter zurück liegen die Ausschreitungen nach dem verlorenen Relegationsspiel und immer wieder viele Kleinigkeiten wie beim Polizeikessel im Spiel gegen Borussia Dortmund II oder ... oder ... oder ...

Die Randale auf dem Betzenberg wird demnächst in einem Urteil münden. Da der Karlsruher SC schon länger im Fokus des DFB liegt, dürfte es nicht ohne Strafe ausgehen. Und das Pyro-Spektakel wird die KSC-Kasse wohl noch ein weiteres Mal belasten.

„Welche Idioten machen da wieder Scheiße?“, schreibt ein KSC-Anhänger in einem Fanforum des badischen Zweitligisten. Andere fordern „endlich ein Stadionverbot“ für diese „Chaoten“. Das Pyro-Gezündel habe „mit Stimmungsmache nichts zu tun“, sondern führe nur zwangsläufig wieder zur nächsten Geldstrafe. „Pyrotechnik ist kein Verbrechen“, lautet gleich mehrfach die Antwort auf die Vorwürfe der Pyro-Gegner, die oft als eine Art Fans zweiter Klasse abgekanzelt werden, weil sie angeblich nicht bei jedem Auswärtsspiel dabei seien. Auf die Frage, ob denn die Randale-Fans auch die Strafe zahlen werden, gibt es in der Regel ein „Nein“ oder ein schriftlich fixiertes Schulterzucken.

Im gleichen Fanforum ist auch folgender Dialog nachzulesen: „Wenn Pyrotechnik kein Verbrechen ist, warum müsst ihr euch dann vermummen“, fragt ein Krawallgegner. Die witzige und vielleicht gar nicht so weit von der Wahrheit entfernte Antwort: „Weil sie sonst von ihren Eltern erkannt werden und Hausarrest bekommen.“ Hausarrest ist für den KSC wie für Dynamo Dresden sicherlich keine Option, aber ein Stadionverbot auf Zeit wäre möglich. Und wenn die Vereine das nicht tun, könnte es vielleicht der DFB – zum Beispiel in Form von Geisterspielen. Auch damit haben ja die Karlsruher schon Erfahrungen sammeln können.

Hier sehen Sie Youtube-Videos aus Sicht von Fans des Karlsruher SC und des SV Darmstadt 98:

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