nach oben
Profis gegen Amateure heißt es in der Regionalliga, wenn die Offenbacher Kickers (rechts Semih Sentürk) beim Dorfclub FC Nöttingen (links Theo Bräuning) antreten. Foto: Hennrich, PZ-Archiv
Profis gegen Amateure heißt es in der Regionalliga, wenn die Offenbacher Kickers (rechts Semih Sentürk) beim Dorfclub FC Nöttingen (links Theo Bräuning) antreten. Foto: Hennrich, PZ-Archiv
30.03.2017

Regionalliga: Viele Clubs sind in der Schieflage

Die Insolvenzen und Überschuldungen zahlreicher Regionalligisten liegen nach Ansicht des zuständigen DFB-Vizepräsidenten Rainer Koch am Miss-Management der Vereine und nicht an der Struktur der Ligen. „Wenn ein Verein finanzielle Probleme hat, liegt es unabhängig von der Liga vorrangig fast immer daran, dass er planmäßig mehr Geld ausgibt, als er einnimmt“, sagte der 1. Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes: „Wenn es am System der Regionalliga liegen würde, hätten vor allem die Vereine Probleme, die einen geringen Etat haben. In Wahrheit sind es aber fast immer die Vereine mit dem höchsten Etat.“

Zuvor hatte unter anderen Hajo Sommers, Präsident von Rot-Weiß Oberhausen erklärt, alle Ligen unterhalb der ersten beiden entwickelten sich „zu Opfern, die bei den Ansprüchen kaum noch überleben können“. Mit wenigen Ausnahmen drohe alle Vereinen „permanent die Pleite“.

Das liege aber daran, dass viele Vereine „ihre Etats nicht an die Struktur der Regionalliga anpassen und sich dabei wirtschaftlich übernehmen“, entgegnet Koch nun und stellt klar: „Die vierte Liga ist allenfalls eine Halbprofi-Liga. Und wer sich dort Vollprofitum leistet, kann nicht erwarten, dass ihm das andere finanzieren. Das kann auf Dauer nicht gut gehen.“

Das sieht Dirk Steidl, der Vorsitzende des FC Nöttingen, ähnlich. „Die Probleme sind meist hausgemacht. Profitum in der Regionalliga geht eigentlich nicht. Das haben viele noch nicht kapiert.“ Außerdem zahlten viele Clubs zu hohe Gehälter, glaubt Steidl. Der Etat des FC Nöttingen in der Regionalliga liege bei 350 000 Euro. Die bei vielen Konkurrenten des Aufsteigers bewegen sich im siebenstelligen Bereich.

In finanzielle Schieflage geraten oft die Traditionsvereine. „Es trifft meist Vereine, die sich als Profi-Vereine sehen“, meint Koch. Es sei bei „manchen Vereinen offenkundig, dass sie nichts mit der Regionalliga zu tun haben wollen“. In Richtung des früheren Bundesligisten Alemannia Aachen sagte Koch: „Zwei Insolvenzen in fünf Jahren sind völlig inakzeptabel.“ Die Alemannia habe den höchsten Zuschauerschnitt aller Regionalligisten. „Wenn ich mit mehr als 6500 Zuschauern pro Spiel nicht auskomme, kann es nicht an der Regionalliga als solcher liegen, wenn andererseits viele Vereine mit 1000 Zuschauern im Schnitt auskommen können“, sagte Koch.

In Schieflage waren auch die Offenbacher Kickers geraten, als sie vor dieser Saison neun Punkte wegen wirtschaftlicher Probleme abgezogen bekamen. Ein Einspruch dagegen wurde in dieser Woche vom Sportgericht der Regionalliga Südwest abgelehnt. „Die überwiegende Mehrzahl der Vereine kommt in der Regionalliga trotz aller wirtschaftlichen Herausforderungen vernünftig zurecht, das belegen alle Untersuchungen“, erklärt Koch.

Deshalb werde das umstrittene Modell mit fünf Regionalliga-Staffeln auch auf absehbare Zeit nicht verändert. „Eine Rückkehr zur dreigleisigen Regionalliga kommt nicht in Betracht, denn sie wurde abgeschafft, weil viele vor allem kleine und mittlere Vereine pleitegegangen oder vor wirtschaftlich unlösbare Probleme gestellt worden sind“, stellte Koch klar.