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Flügelstürmer Anastasios Donis (links) sorgt beim VfB Stuttgart für Tempo. Doch obwohl er das 1:0 glänzend vorbereitet hat, mussten die Stuttgarter im Hinspiel gegen Union mit einem Unentschieden zufrieden sein.  Foto: dpa 
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Was nun? Mario Gomez, VfB-Torwart Ron-Robert Zieler und Nicolas Gonzalez (von links) hatten eine gute Ausgangsposition fürs Rückspiel angestrebt, doch heraus kam im Heimspiel gegen Union Berlin nur ein mageres 2:2.  Foto: dpa 

Relegation: Der VfB Stuttgart ist angezählt

Der VfB Stuttgart hängt in den Seilen. Schwabens einstiger und einziger Fußball-Renommierclub ist angezählt — aber noch nicht ausgezählt. Nach dem enttäuschenden 2:2 im Relegations-Hinspiel um die Bundesliga-Zugehörigkeit gegen den 1. FC Union Berlin bemühte VfB-Übergangstrainer Nico Willig die Boxer-Sprache: „Wir haben die erste Runde verloren und eine abgekriegt. Aber am Montag steigen wir wieder in den Ring.“

Doch in dieser zweiten Runde, sprich im Rückspiel beim Dritten der Zweiten Bundesliga im Stadion Alte Försterei in Berlin (Montag, 20.30 Uhr, Eurosport 2 HD Xtra), ist es für den angeschlagenen Drittletzten der Ersten Bundesliga eine Herkulesaufgabe, sich aufzurappeln, um sich erhobenen Hauptes dem Fight zu stellen. Schließlich genügt der Union schon ein 0:0 oder ein 1:1, um erstmals in die Eliteliga aufzusteigen. Dagegen muss Stuttgart irgendwie gewinnen oder ein hohes Unentschieden schaffen, um nicht wie 1975 und 2016 zu abzusteigen.

Mit eisernem Willen haben sich die „Eisernen“, wie die Ostberliner ehrfurchtsvoll genannt werden, ihre Ausgangsposition erkämpft. „Das ist eine tolle Leistung und ein tolles Resultat“, schwärmte Trainer Urs Fischer. „Auch unter Druck haben wir spielerische Lösungen gefunden“. Damit traf er den Nagel auf den Kopf.

Immerhin weiß Willig vor dem sechsten und letzten Spiel bevor er von den Stuttgarter Profis zurück zur erfolgreichen U 19 geht, wo es anzusetzen gilt: „Wir müssen mutig auftreten und agiler und agressiver werden.“ Willig sagte, „ich werde das auch in vier Tagen hinbekommen“, nachdem er seinen Kollegen Fischer gelobt hatte. Dem Schweizer waren nach dem durch ein 2:2 beim VfL Bochum verpassten direkten Aufstieg nur vier Tage geblieben, um seine Spieler aufs Relegations-Hinspiel einzustimmen.

Nach diesem verließen die VfB-Akteure mit hängenden Köpfen den Platz und schlichen ebenso niedergeschlagen und schweigend in der Mixed-Zone an den Journalisten der schreibenden Presse vorbei. Selbst Sportvorstand Thomas Hitzlsperger kniff. Nur dem agilen Anastasios Donis, dem glänzenden Vorbereiter des 1:0 durch Christian Gentner, konnten die Reporter, nachdem sie schon eine Stunde gewartet hatten, ein paar Töne entlocken: „Wir denken positiv. Im Fußball ist alles möglich.“ Wie er aber zur Einschätzung „Wir waren das bessere Team“ kam, bleibt ein Rätsel.

Als einziger Akteur stellte sich anschließend Torwart Ron-Robert Zieler ausgiebig allen Fragen. Er drückt sich nie und war bester Kicker der Weißen mit dem roten Brustring: „Man kann nicht alles wegverteidigen. Dennoch hätte das zweite Gegentor nicht fallen dürfen“, urteilte Zieler. Drei Stuttgarter ließen nach einem Eckball Marvin Friedrich frei zum 2:2 köpfen. Daher die Forderung des Schlussmannes: „Wir müssen eine Schippe drauf legen.“

Auswärts ging noch nicht viel

Was spricht am Montag, außer der miserablen Ausgangslage, noch gegen den VfB? Die Stuttgarter haben in der ganzen Saison nur ein Auswärtsspiel gewonnen, die Berliner nur ein Heimspiel verloren. Was spricht für den VfB? Union-Kapitän Christoph Trimmel und Felix Kroos sind nach den gelben Karten, die sie sich am Donnerstagabend eingehandelt haben gesperrt. Stuttgarts argentinisches Mittelfeld-Ass Santiago Ascacibar ist nach seiner sechswöchigen Sperre wieder spielberechtigt.

Dennoch gilt, was der 79-jährige Leonberger Jürgen Sundermann, früher dreimaliger VfB-Trainer und nun Stammgast in der Mercedes-Benz-Arena, so ausdrückt: „Es sieht schlecht aus.“