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Drunter und drüber geht es derzeit im deutschen Ringen – wie hier bei einem Heimwettkampf des KSV Ispringen.   PZ-Archiv/Ripberger
Drunter und drüber geht es derzeit im deutschen Ringen – wie hier bei einem Heimwettkampf des KSV Ispringen. PZ-Archiv/Ripberger
25.11.2016

Ringen: Spitzenclubs wollen eigene Bundesliga gründen - Deutsche Ringerbund ist dagegen.

Zupacken, den Gegner aushebeln und aufs Kreuz legen: Ringen ist ein Kampfsport. Es geht um Kraft, Ausdauer, Taktik. Darum geht es auch bei dem harten Kampf, den Deutschlands Griffkünstlern derzeit neben der Matte ausfechten.

Der Deutsche Ringer-Bund (DRB) und seine Spitzenvereine sind mitten in einer tiefgreifenden Strukturkrise ihrer Sportart auf Konfrontationskurs. Die Clubs haben die Deutsche Ringer-Liga (DRL) gegründet, streben nach mehr Selbstständigkeit. Der Verband stellt ein Ultimatum und droht den „Rebellen“ mit harten Sanktionen.

Wie sind die Positionen in diesem unerbittlichen Machtkampf? Welche Gefahren drohen durch diese Zerreißprobe? Die PZ gibt einen Überblick.

Wo liegt das strukturelle Problem bei den Ringern?

Die Zahl der aktiven Ringer sinkt, das Publikumsinteresse schwindet. Immer mehr Mannschaften ziehen sich zurück. Vor zehn Jahren bestand die Bundesliga noch aus drei Staffeln mit je acht Mannschaften. Heute gibt es eine eingleisige Bundesliga mit acht Teams. Traditionsvereine wie Mömbris-Königshofen, Luckenwalde und Schriesheim haben sich bis in die Amateurklassen zurückgezogen, andere wie Urloffen und Witten ringen nur noch in der 2. Liga. Der Grund: die wirtschaftlichen Möglichkeiten driften immer stärker auseinander. Auf der einen Seite stehen Vereine wie Ispringen, Weingarten und Aalen, die auf starke Sponsoren bauen können, auf der anderen Seite Clubs, die mit bescheidenerem Etat chancenlos sind.

Was kann man dagegen tun?

Einig sind sich alle, dass der Abwärtstrend gestoppt werden muss. Uneins ist man sich bei der Frage nach dem „wie“. „Es wird immer weniger. Das muss man ändern. Deshalb bin ich bei der DRL dabei“, sagt der Vorsitzende Werner Koch vom KSV Ispringen. Auf der anderen Seite steht der Verband. Der hat gerade eine komplette Umstrukturierung der Bundesliga beschlossen. Alle 36 Erst- und Zweitligisten sollen in vier Gruppen (Süd, West, Nord, Ost) antreten. Diese Pläne lehnen die Spitzenclubs kategorisch ab. Sie wollen mit der eigenen Liga vor allem auch mehr Selbstbestimmung. „Die Zeiten sind vorbei, wo die einen bestimmen und die anderen müssen hüpfen“, sagt Markus Scheu vom ASV Nendingen, der als Geschäftsführer für die im Sommer 2016 gegründeten Deutschen Ringerliga spricht. Werner Koch sieht es ähnlich: „Wir wollen mehr Demokratie.“ Zuletzt habe es vonseiten des Verbandes lediglich immer mehr Reglementierungen und Strafen gegeben.

Wer ist bislang im Verein Deutsche Ringerliga vertreten?

Es sind vor allem die sechs Erstligisten Weingarten, Ispringen, Aalen, Nendingen, Adelhausen und Schifferstadt. Der Ringer-Bund tut sich noch schwer, das neue Konstrukt anzuerkennen: „Wer die DRL ist, weiß man so genau nicht“, sagt DRB-Vizepräsident Daniel Wozniak und wirft den Spitzenclubs vor, wenig Substanzielles zur Diskussion beizutragen: „Wenn Sie immer nur hören, was das Ziel sein soll, aber nicht, wie der Weg zum Ziel hinführen soll, tun sie sich als Dachverband schwer, mit diesen Leuten zu verhandeln.“ Da käme wenig bis gar nichts.

Wie sehen die Pläne der DRL aus?

Markus Scheu nennt Fußballer, Handballer, Volleyballer und Turner als gute Beispiele für Sportarten, wo sich die Profiliga vom Verband emanzipiert hat. Die DRL-Clubs wollen vor allem mehr Mitsprachemöglichkeit – die hatten sie zuletzt vermisst, als für die laufende Saison ein drittes Ringerfinale um die deutsche Meisterschaft in Aschaffenburg vereinbart wurde und zugleich auch noch der Modus geändert. „Es geht nicht, dass die einen die anderen komplett beherrschen“, schimpf Scheu.

Wie sieht es mit den angedachten Budgetgrenzen aus?

Diese Idee wird von beiden Seiten befürwortet. „Das muss sein, sonst geht das Ringen auf Dauer kaputt“, sagt Werner Koch. Aber auch hier liegt man noch ein Stück weit auseinander. Der Ringer-Bund spricht von 150 000 Euro pro Mannschaft und Saison, für Wener Koch ist das nicht machbar. Die Liga nennt 250 000 Euro als Obergrenze. „Uns wäre weniger sogar noch lieber“, sagt der KSV-Vorsitzende und spricht von 200 000 Euro. Bislang geben Spitzenclubs für eine Saison dem Vernehmen nach bis zu 500 000 Euro aus. Ob Ispringen dazu gehört, wollte Koch nicht sagen.

Wie geht es nun weiter?

Der Verband hat für 2017 die neue Bundesliga beschlossen und mit dem 20. Dezember einen sehr frühen Anmeldeschluss gesetzt – bisher endete die Meldefrist immer erst Mitte Februar. Das kann man natürlich als unfreundlichen Akt gegen die „Rebellen“ verstehen, auch wenn DRB-Vize Wozniak ausschließlich organisatorische Gründe angibt. Vereinen, die sich bis 20. Dezember nicht beim DRB für die Bundesliga angemeldet haben, sondern in der eigenen Liga starten wollen, drohen empfindliche Sanktionen, die teilweise weit über einfache Sperren und Geldstrafen hinausgehen.

Wie könnten Sanktionen durch den Ringer-Bund aussehen?

Es könnten Einzelpersonen, aber auch komplette Vereine mit allen Mannschaften gesperrt werden. Bei deutschen Spitzenringern könnte die Mitgliedschaft im Bundeskader und damit auch die Zugehörigkeit bei Sportfördergruppen von Bundeswehr und Polizei in Frage gestellt werden. „Wenn die Leute meinen, sie müssen in einer wie auch immer aussehenden wilden Liga ringen, dann ist das ihre Entscheidung“, sagt Daniel Woszinak vom DRB-Präsidium und klingt dabei kompromisslos. Der DRB weiß auch den Weltverband UWW auf seiner Seite, der eine eigenständige Ringer-Liga in Deutschland bislang nicht anerkennen will. Das dürfte den Einsatz ausländischer Athleten in der DRL erschweren oder ganz verhindern. Werner Koch hingegen denkt nicht, dass es zum großen Bruch kommt: „Ich glaube nicht, dass sich der Ringer-Bund wehrt, mit uns zusammenzuarbeiten, wenn die Liga erst einmal steht. Da wäre er schlecht beraten.“