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Machte bei der Mitgliederversammlung die beste Figur am Rednerpult: Sportvorstand Robin Dutt.
Machte bei der Mitgliederversammlung die beste Figur am Rednerpult: Sportvorstand Robin Dutt.
16.10.2015

Robin Dutt: Stimme des VfB Stuttgart und Schicksalsgemeinschaft mit Coach Zorniger

Stuttgart. Robin Dutt ist in diesen Krisentagen beim Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart als Manager dieser Krise mehr denn je gefordert und gefragt. Robin Dutt, der Sportvorstand. Der Manager. Der Krisenmanager. Das Sprachzentrum ist mittlerweile das wichtigste Arbeitsmittel des Ex-Trainers. Dutt ist die Stimme des VfB.

 

Dutt, der Ex-Trainer. Als er Anfang des Jahres zum zweiten Mal vom Rasen ins Büro wechselte – von Werder Bremen zum VfB, zuvor im Jahr 2012 von Bayer Leverkusen zum DFB –, musste er sich einiges anhören. Unglaubwürdigkeit wurde ihm vorgeworfen. Und überhaupt rechneten viele damit, dass er in Stuttgart scheitern würde. An Vorschusslorbeeren erhielt er jedenfalls höchstens ein paar vertrocknete Blättchen. Erstaunlicherweise hat sich das Bild gewandelt, viele Dutt-Kritiker sind mittlerweile verstummt – obwohl der Club tabellarisch schlechter dasteht als damals (Platz 18 / 15) und obwohl es um den Club herum keinesfalls ruhiger geworden ist.

Lob für den 50-Jährigen

Das liegt vor allem an Dutts Auftreten. An seiner Glaubwürdigkeit. An seiner Aufrichtigkeit. Bei der Mitgliederversammlung in der Porsche-Arena machte er von allen VfB-Verantwortlichen am Rednerpult die beste Figur. Er signalisierte, die Anliegen der Anhänger verstanden zu haben, versprach nicht das Blaue vom Himmel, aber, weiterhin sein Bestes für den VfB zu geben. Und die Mannschaft anzutreiben, dies auch zu tun. Das kam an. Das anschließende Lob tat dem 50-jährigen ehemaligen Verbandsligakicker sichtlich gut.

Dutt spielt perfekt auf der Position des eloquenten Ausputzers. Präsenter als Präsident Bernd Wahler, leiser als Trainer Alexander Zorniger. Überhaupt muss man sich dieser Tage fragen, was Dutt und Zorniger neben einer ähnlichen Auffassung von Fußball verbindet. Da der oft polternde und sich mit der halben Fußball-Welt anlegende Trainer, dort der stets sachliche und freundliche Funktionär. Dutt findet in seinen Aussagen die passende Mischung aus fachlicher Kompetenz und wenig Angriffsfläche, ohne ins Blabla abzugleiten. Er ist immer noch so viel Trainer, um das Geschehen im Stadion fachkundig und treffend einzuordnen. Sobald es an Details der täglichen Arbeit geht, verweist er jedoch an den, der den Job auf dem Platz macht. Zorniger kommentiert gerne und allzu oft die Qualität der Fragen der Journalisten ihm gegenüber und gibt ihnen damit das Gefühl, er fühle sich ihnen überlegen. Das würde Dutt niemals passieren, obwohl auch ihm nicht ausschließlich schlaue und oft die gleichen Fragen gestellt werden.

Etwa die nach dem Coach. „Der Trainer ist nicht das Problem, er ist die Lösung“, hat sich als Antwort eingespielt. Gleichzeitig ist Dutt klar, dass die Luft auch für ihn dünn wird, sollte das Experiment mit Zorniger scheitern. Es ist sein Mann. Und er unternimmt erst gar nicht den Versuch, sich rechtzeitig aus der Schusslinie zu nehmen. Er weiß, dass das unglaubwürdig wäre – was nicht jeden seiner Kollegen stören würde. Das ist es, was Dutt und Zorniger neben dem Verständnis von Fußball verbindet: Sie sind mittlerweile eine sportliche Schicksalsgemeinschaft.

Intern hat der Sportvorstand dem Cheftrainer erklärt, dass dieser sich verbal etwas mehr zurücknehmen sollte. Nach außen stärkt er ihm zu hundert Prozent den Rücken, wird dabei aber nicht unglaubwürdig, indem er sagt: „Wir haben die Dinge angesprochen. Er muss nicht von jetzt auf nachher zum Musterknaben werden. Wir wollten einen Trainer mit Emotionen. Nicht nur er, der ganze Verein muss jetzt liefern.“