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Sagt gerne, wo’s lang geht: Nastja Antonewitch. Foto: Eibner
Sagt gerne, wo’s lang geht: Nastja Antonewitch. Foto: Eibner
Gemeinsamer Rücktritt: Klaus Händler (links) und Trainer Matthias Cullmann. Foto: Hennrich
Gemeinsamer Rücktritt: Klaus Händler (links) und Trainer Matthias Cullmann. Foto: Hennrich
01.02.2016

Rücktrittswelle: Tiefe Gräben bei den Handballerinnen der HSG

Abteilungsleiter Klaus Händler prangert nach Rücktrittswelle bei der HSG TB/TG 88 Pforzheim zwei Handball-Spielerinnen an. Starspielerin Nastja Antonewitch wehrt sich: „Die Vorwürfe sind nicht fair.“

An Nastja Antonewitch scheiden sich bei der HSG TB/TG 88 Pforzheim die Geister. Die Starspielerin des Handball-Drittligisten war maßgeblich für den Rücktritt der gesamten sportlichen Leitung bei den Handballerinnen der Spielgemeinschaft verantwortlich. Gleich fünf Mitglieder der sportlichen Leitung traten Ende vergangener Woche geschlossen ab: Trainer Matthias Cullmann, Co-Trainerin Gabi Kubik, Torwarttrainer Robert Müller, Henning Rupf (Trainer 2. Mannschaft) und Abteilungsleiter Klaus Händler. Bei der Handballspielgemeinschaft ist von Gemeinschaft derzeit nicht viel zu sehen. Eher Differenzen und tiefe Gräben. Die Qualitäten der ehemaligen Bundesligaspielerin auf dem Feld sind unbestritten, auch für Klaus Händler. „Sportlich steht sie jenseits aller Zweifel“, sagt der Abteilungsleiter über die 26-jährige Spielmacherin.

Zugleich spricht er von „Unruhe“, die Antonewitch und Torfrau Bianca Ionita zuletzt in den Verein gebracht hätten. Gegipfelt sei diese Unruhe in einer unterirdischen Leistung bei der 20:29-Heimniederlage gegen Freiburg. Händler benutzt in diesem Zusammenhang den Begriff „Leistungsverweigerung“ und sagt weiter: „Wir sahen auf lange Sicht die sportlichen Ziele bei der HSG gefährdet und wollten uns deshalb von diesen Spielerinnen trennen.“

Vorstand pro Spielerinnen

Doch das Vorhaben der sportlichen Leitung stieß im Vorstand nicht auf Gegenliebe. „Die erweiterte Vereinsführung hat sich hinter die Spielerinnen gestellt“, so Händler. Daraufhin habe man sich zum Rücktritt entschlossen.

Die Anschuldigungen will Nastja Antonewitch nicht auf sich sitzenlassen. Der Vorwurf der Leistungsverweigerung sei „nicht fair und nicht gerechtfertigt“. Sie versuche immer, 150 Prozent zu geben. „Dass meine Leistung die letzten vier, fünf Spiele nicht optimal beziehungsweise wirklich schlecht war, weiß sich selber“, gesteht sie ein. Aber auch andere Leute im Verein müssten sich hinterfragen, „wie es mehrfach in der Saison sein kann, dass die komplette Mannschaft einen völligen Aussetzer hat und nicht das abrufen kann, was sie sonst kann“. Das Saisonziel „Platz eins bis drei“ sei längst in weite Ferne gerückt, die Stimmung entsprechend schlecht.

Der zurückgetretene Trainer Matthias Cullmann sieht das natürlich anders: „Wenn sich so viele Leute gleichzeitig zum Rücktritt entscheiden, muss ja was dran sein.“ Die sportliche Leitung habe auf Fehlverhalten der Spielerinnen reagieren müssen. „Meinen Job bei der HSG habe ich gerne gemacht“, sagt der 33-Jährige. Jetzt möchte er nur noch „eine Schlammschlacht vermeiden“.

Und was sagt die Vereinsführung? Der HSG-Vorsitzende Uwe Klotz war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. David Bregazzi vom Vorstand, der die Frauenmannschaft nach dem Cullmann-Rücktritt beim überraschenden Punktgewinn in Allensbach betreute, ist mit der Entwicklung alles andere als glücklich. Er spricht von schlaflosen Nächten und sagt: „Es ist wie in einer Familie: Bei einer Scheidung verlieren immer alle.“ Wer recht habe, darüber wolle er sich kein Urteil erlauben. Die Vorstandsentscheidung kommentiert er mit den Worten: „Wir haben eine sportliche Entscheidung getroffen.“ Das lässt sich so interpretieren: Ein Trainer ist einfacher zu ersetzen als eine Ausnahmespielerin wie Nastja Antonewitch.

Viele Baustellen

Der Verein hat aber jetzt eine ganze Reihe von Baustellen zu bearbeiten. Mehrere Trainerstellen müssen neu besetzt werden. Und die Lücke, die der 63-jährige Händler nach vielen Jahrzehnten ehrenamtlicher Mitarbeit – früher in der TG 88 Pforzheim, jetzt in der HSG – hinterlässt, wird sich nur schwer schließen lassen. Ob es gelingt, bis zum nächsten schweren Spiel am 13. Februar beim Tabellenführer Ketsch einen neuen Coach zu präsentieren? „Ich hoffe es“, sagt David Bregazzi.

Auf Eis liegt vorerst auch die Planung für die neue Saison. „Wir hatten bereits Zusagen von drei Neuzugängen. Aber das hat sich jetzt erledigt“, sagt Händler. Der ehemalige Abteilungsleiter wird als Zuschauer weiter in die Halle gehen. „Handball bleibt mein Sport“, sagt er einerseits. Andererseits ist für ihn klar: „Mit der Arbeit im Verein habe ich abgeschlossen.“

Spannend bleibt, wie es mit der Mannschaft weitergeht. Nastja Antonewitch ist optimistisch, gerade mit Blick auf das 35:35 in Allensbach. „Die letzte Woche war für alle nicht einfach. Aber das hat uns als Team noch näher zusammengebracht. Jeder hat für jeden gekämpft“, sagt sie. Das ist besser als der Eindruck, der jüngst entstanden war: Dass bei der HSG jeder gegen jeden kämpft.