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Spielertrainer John Willis vom TVP (grün-weißes Trikot) versucht, sich gegen die belgischen Spieler des Dendermondse RC durchzutanken. Am Ende siegte der TVP bei seiner internationalen Premiere im North Sea Cup mit 55:20. © Jürgen Keller
23.09.2012

Rugby: TV Pforzheim gewinnt internationale Premiere

Zwei Heimspiele in der Rugby-Bundesliga Süd – zwei Niederlagen. Wer den TV Pforzheim siegen sehen wollte, musste bislang zu den beiden Auswärtsspielen fahren. Doch die Serie der Heimpleiten sollte gerade im richtigen Moment beendet werden, denn im Stadion am Rattachweg 46 in Pforzheim-Eutingen feierten die Pforzheimer die internationale Rugby-Premiere im North Sea Cup gegen das belgische Team Dendermondse RC mit einem 55:20-Sieg.

Bildergalerie: Rugby: TVP besiegt Dendermondse RC aus Belgien

Bildergalerie: Zufriedene Rugby-Fans bei der internationalen Premiere des TVP

Mehr noch als der hohe Sieg gefiel dabei die gewachsene mannschaftliche Geschlossenheit. Von Beginn an konnte man den Eindruck gewinnen, als sei der TVP fokussiert auf einen Sieg. Die Konzentration stimmte, die Absprachen kamen an, die Gassen wurden gewonnen, die Gedränge hielten dem Druck des Gegners stand - Trainer John Willis scheint so langsam aus den vielen Neuzugängen ein Team geformt zu haben. Und das angesichts einer scheinbar immer länger werdenden Liste von verletzten Spielern, die eigentlich zur Stammformation zählen müssten.

Und doch war der beeindruckendste Moment des ganzen Spiels eine feine individuelle Aktion von Russell Ngamarama Kupa. Tief in der eigenen Hälfte fing er den Ball und setzte zu einem Sololauf an, der die belgischen Gegenspieler wie Slalomstangen aussehen ließ. Mit einem Kick über den vorletzten Mann verschaffte er sich den Raum für die letzten ungehinderten Meter seines Sprints über das gesamte Feld. Sein Versuch links außen in der letzten Minute der ersten Hälfte hatte den TVP auf 24:6 in Front gebracht. Da blitzte etwas von der alten Kupa-Magie auf, die in der vergangenen Saison immer wieder für Begeisterung gesorgt hat. In der 47. Minute legte er seinen zweiten Versuch zum 36:6.

Was schon beim letztlich allerdings verlorenen Bundesliga-Spiel gegen die RG Heidelberg für Verdruss bei allen Besuchern mit Verspätung sorgte, setzte sich auch international gegen den Dendermondse RC fort. Dem TVP gehören die ersten Minuten. Gegen die RGH stand es nach dem ersten Dutzend Minuten schon 19:0. Dieses Mal dauerte es vier Minuten, bis Udo Schwarz den ersten Versuch legte, auf 7:0 erhöht durch den gut aufgelegten Kicker Jeremy te Huia. Auch wenn den Belgiern durch einen sicher verwandelten Straftritt in der 15. Minute das 3:7 gelang, so tankte sich der junge Josh Fisiiahi fast schon im Gegenzug eine Minute später ins Malfeld durch. Mit dem Erhöhungskick von te Huia stand es dann 14:3.

Aber das Spiel wogte hin und her. Die Belgier holten nur drei Minuten später durch einen Straftritt auf 14:6 auf. Auch wenn sie nicht wirklich zwingend in die Nähe des Pforzheimer Malfeldes kamen, blieben sie gefährlich. Sie wollten mehr, kämpften hart um jeden Meter und forderten vom TV Pforzheim eine extra Portion Teamarbeit. Es dauerte bis zur 37. Minute, um den nächsten Versuch der Goldstädter zu feiern. Nach einer erfolgreichen Gasse schafft es Andrej Rosljakov, den Ball im Malfeld des Dendermondse RC abzulegen. Das 19:6 erhöhte Kupa mit seinem Sololauf zum Halbzeit-Resultat von 24:6.

Wer gedacht hatte, die mit nur zwei Auswechselspielern angereisten Belgier würden in der zweiten Hälfte nachlassen, sah sich getäuscht. In der 43. und 47. Minute legen David Schulz und Kupa Versuche, ergänzt durch einen Erhöhungskick von te Huia zum 36:6. Und dann wie aus dem Nichts wurden die unermüdlichen Bemühungen der Belgier in der 53. Minute durch einen erhöhten Versuch belohnt. Doch das 36:13 imponierte die Pforzheimer nicht nachhaltig. Nur drei Minuten später legte Rod Glessing nach einer Reihe schöner Ballwechsel den nächsten erhöhten Versuch für den TVP zum 43:13.

Es ist den Gästen aus der Stadt in Ostflandern südwestlich von Antwerpen hoch anzurechnen, dass sie nie aufgegeben haben. Plötzlich kamen sie in der 65. Minute zu einem Versuch, der durch den sehr sicheren belgischen Kicker auf 43:20 erhöht wurde. Doch in den letzten fünf Minuten schraubte der TVP das Ergebnis noch einmal in die Höhe. Ein erhöhter Versuch von Marcus Bachhofer und der zweite Versuch von Rod Glessing in der Schlussminute führten zum 55:20-Endergebnis, das letztlich in dieser Höhe in Ordnung geht.

In dieser Form darf man dem TV Pforzheim im nächsten Spiel am 29. September, 15 Uhr, am Rattachweg in Eutingen durchaus den ersten Bundesliga-Heimsieg zutrauen, auch wenn mit dem SC Neuenheim der Tabellenvierte zum Tabellendritte kommt. Spannend wird dieses Match allemal, auch wenn sich beide Teams schon jetzt sicher für die nächste Runde gegen die besten vier Teams der Bundesliga West qualifiziert haben.

Das nächste Spiel im North Sea Cup führt den TVP in die Niederlande, wo am 1. Dezember das aus Spielern mehrerer Vereine zusammengestellte Regio Team Noord als Gegner wartet.

North Sea Cup – Gruppe B

TV Pforzheim

55:20

Dendermondse RC

RC Frameries

0:50 *

Regio Team Noord

Spielfrei: Heidelberger RK

* Das belgische Team RC Frameries hat das Spiel abgesagt und wird mit einem verlorenen Spiel und Punktabzug bestraft.

 

 

North Sea Cup – Gruppe B

Spiele

Diff.

Punkte

1

Heidelberger RK

1

60

5

2

TV Pforzheim

2

-25

5

3

Regio Team Noord (NL)

1

50

4

4

Dendermondse RC (B)

1

-35

0

5

RC Frameries (B)

1

-50

-2

In der Tabelle eingerechnet ist die 12:72-Niederlage des TVP gegen den Heidelberger RK. Das Bundesliga-Spiel zählt als Spiel der zweiten Runde im North Sea Cup.

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