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Wieder einen Tick schneller – während die Spieler des TV Pforzheim (grün) sich erst noch orientieren müssen, geht es beim Heidelberger RK (blau) schon Richtung gegnerisches Malfeld. Am Ende siegte der amtierende deutsche Rugbymeister HRK mit 72:12 gegen überforderte Pforzheimer, die vor wenigen Wochen noch im Rugby-DM-Finale auf Augenhöhe spielten. © Jürgen Keller
01.09.2012

Rugby-Bundesliga: Derbe Klatsche für den TV Pforzheim

Abhaken und vergessen. Trainer John Willis und Mannschaftskapitän Mustafa Güngör wollen sich nicht lange aufhalten mit der derben 12:72-Klatsche, die der Heidelberger RK dem TV Pforzheim am Samstagnachmittag im TVP-Stadion am Rattachweg in Pforzheim-Eutingen beschert hat. Die Devise lautet jetzt: Noch mehr und noch härter trainieren und hoffen, dass die nach den zahlreichen Topspieler-Abgängen neu zusammengewürfelte Mannschaft möglichst rasch ein eingespieltes Team wird. Schließlich will der TVP als amtierender deutscher Vizemeister auch in dieser Bundesliga-Saison ganz vorne mitspielen.

So ruhig wie am vergangenen Samstaga war es schon lange nicht mehr auf dem Rugbyplatz des TV Pforzheim. Mieses Wetter, gedrückte Stimmung bei den Fans aus der Region. Der TVP, vergangene Saison in die Rugby-Bundesliga aufgestiegen und bis ins Finale vorgestoßen, muss die höchste Niederlage in der Zugehörigkeit zur höchsten deutschen Rugbyliga verdauen. Mit 12:72 ging der Vizemeister 2012 gegen den amtierenden Meister Heidelberger RK unter.

Im deutschen Rugbyfinale vor wenigen Monaten begegneten sich beide Teams in Heidelberg noch auf Augenhöhe. Davon waren die Pforzheimer am Samstag im Stadion am Rattachweg weit entfernt. Die derbe Klatsche spiegelt exakt Spielanteile und Spielverlauf. Die Heidelberger wirkten in allen Mannschaftsteilen überlegen. Immer eine Spur schneller, läuferisch und gedanklich, immer etwas stärker, wenn Muskelkraft gefragt war, immer souveräner, wenn technische Fertigkeiten entscheiden mussten.

Nur zwei Beispiele: In der ersten Hälfte konnte der TVP kein Gedränge für sich entscheiden. Ein ums andere Mal wurden die Pforzheimer von den Heidelbergern über den Platz geschoben. Besonders deprimierend: Der HRK schob gleich mehrmals ein Gedränge ins gegnerische Malfeld und kam so zu vergleichsweise einfachen Versuchen. Bei den Einwürfen des TVP in die Gasse konnten sich die Heidelberger etwa die Hälfte der Bälle greifen. So wurden Vorteile leichtfertig verschenkt, Raumverluste und Konter provoziert.

Zur Halbzeit stand es 5:33. Nach einem Sololauf von Rusell Kupa folgte ein weiter Pass zu Jeremy Te Huia, der nach rechts außen weitergab an Carlos Soteras Merz, der den ersten Versuch für den TVP legen konnte. Auch in der zweiten Hälfte brachte der TVP dann nicht mehr viel Zählbares zustande. Da war nur noch der schöne Sololauf von Rusell Kupa, der sich hinter die Heidelberger Mallinie durchtankte und ablegte. Carlos Soteras Merz konnte die Erhöhung locker zwischen die Stangen kicken.

Am Ende der zweiten Hälfte aber schien sogar so etwas wie Resignation das Spiel der Pforzheimer zu prägen. An der individuellen Klasse wird es nicht unbedingt gelegen haben. Eher schon an der mannschaftlichen Geschlossenheit. Nicht alle Spieler beim TVP scheinen auf einem Level zu sein, und nicht alle Spieler funktionieren schon reibungslos in der Team-Maschinerie. Trainer John Willis hat da noch ein gewaltiges Stück Arbeit vor sich. Die beiden Langzeit-Verletzten Rob May und Sydney Brenner werden wohl nicht beim nächsten Spiel zur Verfügung stehen. Im Spiel gegen den HRK sind gleich drei Stammspieler erkältet auf den Platz gegangen, und fünf Pforzheimer wurden verletzt aus dem Spiel genommen. Hier besteht aber Hoffnung, dass die Verletzungen nur geringfügig waren.

„Dass es schwer wird für den TV Pforzheim war klar, dass es aber vor allem im Sturm ein solches Desaster wird, hatte man nicht gedacht“, notiert die Rugby-Onlineplattform „Totalrugby“ im Liveticker. Gründe für diese unerwartet hohe Niederlage gibt es sicherlich viele. Der Aderlass an wichtigen Stammspieler vor dem Start der neuen Bundesliga-Saison scheint doch zu groß gewesen zu sein. Die Neuen müssen sich erst noch ins Team einfinden, die Mannschaft muss noch reifen. Beim HRK dagegen spielt das Team bereits seit mehreren Jahren zusammen und wird nur punktuell ergänzt.

Auf jeden Fall braucht der TVP noch etwas Zeit, um sich als mannschaftliche Einheit präsentieren zu können. Doch viel Zeit bleibt dem TVP nicht. Am Sonntag, 9. September, 15 Uhr, müssen die Pforzheimer zum Tabellenschlusslicht Heidelberger TV. Dieses Spiel muss der TVP unbedingt hoch gewinnen, also inklusive Bonuspunkt, wenn die Pforzheimer nicht schon früh um das Weiterkommen im neuen Bundesligasystem bangen wollen.

Die Tabelle in der Bundesliga Süd:

1

Heidelberger RK

10

102

2

RG Heidelberg

6

50

3

SC Neuenheim

5

-6

4

TV Pforzheim

5

-49

5

TSV Handschuhsheim

4

-7

6

Heidelberger TV

0

-90