nach oben
Grund zur Freude beim TV Pforzheim: In der Meisterschaftsrunde konnten der TVP beim hohen Favoriten SC 1880 Frankfurt einen 37:17-Sieg feiern © Jürgen Keller
07.10.2012

Rugby-Bundesliga: TVP schlägt Favorit SC 1880 Frankfurt mit 37:17

Die Vorzeichen deuteten auf die erste Auswärtsniederlage für die Rugbyspieler des TV Pforzheim hin. In der Bundesliga West hatte der SC 1880 Frankfurt alle fünf Spiele im Schnitt mit 53:9 gewonnen und jedes Mal den Bonuspunkt geholt. Der TVP hatte nur zwei Auswärtssiege bei den beiden schwächsten Süd-Teams vorzuweisen und brachte daher nur zwei Bonuspunkte aus der Bundesliga Süd mit in die Meisterrunde, in der die Top-4-Teams der Bundesligen Süd und West gegeneinander spielen. Doch die daheim noch sieglosen Pforzheimer bewiesen endlich ihre bislang nur vermutete Klasse und bescherten dem großen Favoriten SC mit 17:37 die erste Saison-Niederlage.

Bildergalerie: Rugby-Bundesliga: TVP schlägt Favorit SC 1880 Frankfurt mit 37:17

Da wurden Erinnerungen an das Halbfinale zur deutschen Rugby-Meisterschaft wach, als der TVP nach Aberkennung von zwei Punkten am grünen Tisch sein Playoff-Heimrecht an die Frankfurter verloren hatte. Damals deklassierten die Goldstädter die favorisierten Hessen mit 46:25.

Das Match fing so an, wie die meisten Spiele des TVP in dieser Saison. Noch nicht einmal zehn Minuten waren gespielt, da schob Markus Bachofer seine 1,90 Meter nebst Freund und Feind ins Frankfurter Malfeld. Den ersten Versuch erhöhte Jeremy te Huia mit einem Kick zum 7:0. Die mitgereisten TVP-Fans wussten: Das geht jetzt erst einmal so weiter. Fünf Minuten später verwandelte te Huia einen Strafkick zur 10:0-Führung. Nur drei Minuten später legte David Schulz nahe der Eckfahne den zweiten Versuch.

Die 15:0-Führung erinnerte an die vergangenen Spiele, in denen der Pforzheimer Rugby-Express immer früh dominierte, blitzschnell zu Punkten und einer deutlichen Führung kam. Nur: Irgendwann in der ersten Halbzeit riss zumindest in den Heimspielen der Faden. Die ersten Punkte des Gegners schienen daheim im Stadion am Rattachweg in Pforzheim-Eutingen regelmäßig das Team des deutschen Rugby-Vizemeisters zu lähmen. In Frankfurt hielt das 15:0 nur zehn Minuten. Dann verkürzte Tim Manawatu mit einer sehenswerten Einzelaktion – er kickte das Lederei zweimal über Pforzheimer Spieler, um so ungehindert an ihnen vorbeirennen zu können. Sein genialer Versuch brachte den SC auf 5:15 heran.

Doch in diesem Spiel zeigte der TVP die in Heimspielen so vermisste Trotzreaktion. Keine Schockstarre, keine Lähmung, stattdessen noch mehr Kampf, noch mehr Teamgeist, noch mehr Disziplin. Gerade an der Disziplin hatte es zuletzt gemangelt. Gelbe Karten für dumme Fehler und Gemecker blieben in Frankfurt für den TVP aus. So gab es nicht eine einzige Zehn-Minuten-Strafe, die zuletzt beim Heimspiel den SC Neuenheim so stark gemacht haben und in der Schlussphase des Matches die Niederlage für die Pforzheimer besiegelten.

Dann war es einmal mehr Russell Ngamarama Kupa, der in einem entscheidenden Moment seine Chance nutzte. Sein erster Versuch nahe der linken Eckfahne nach rund drei Vierteln der ersten Hälfte bewies, dass der TVP an diesem Tag nicht gewillt war, wieder eine Niederlage hinzunehmen. Der Erhöhungskick von te Huia ging zwischen die Stangen, und so durfte der TVP mit einer 22:5-Führung den Pausendrink etwas entspannter genießen.

Josh Fisiiahi hatte es dann besonders eilig, sich ebenfalls in die Liste der Punktesammler einzureihen. Die zweite Hälfte hatte gerade erst begonnen, da vollendete er einen einstudierten Spielzug nach einem Gasseneinwurf mit einem Versuch zum 27:5. Dass der SC sich auf sein neuseeländisches Brüderpaar verlassen kann, bewies nur acht Minuten später Kieran Manawatu mit seinem Versuch, der inklusive Erhöhungskick die Frankfurter auf 12:27 heranbrachte.

Aber der TVP stand stabil. Der Sturm verdiente sich ein paar Lorbeeren extra. Jeder Spieler konnte sich auf die Unterstützung der anderen verlassen. Die Bälle wurden nicht mehr einfach so geworfen, sie hatten einen gut positionierten Mitspieler als Ziel. Da lag im Spiel gegen Neuenheim doch Einiges im Argen.

Rund zehn Minuten vor dem Schlusspfiff überschlugen sich dann die Ereignisse. Zuerst setzte te Huia einen Strafkick zum 12:30 zwischen die Stangen. Dann legte Russell Ngamarama Kupa seinen zweiten Versuch, den te Huia zum 12:35 erhöhte. Fast in der letzten Spielminute konnte Tim Manawatu mit seinem zweiten Versuch das Ergebnis für den SC etwas erträglicher gestalten. Doch für den TVP wäre noch mehr drin gewesen. Zweimal hatten es die Pforzheimer schon bis fünf Meter vors Frankfurter Malfeld geschafft, doch der Schiedsrichter pfiff zweimal Vorwurf. Da wären locker noch zwei Versuche mehr möglich gewesen, wenn zum Schluss die Konzentration nicht nachgelassen hätte.

Aber am Ende zählt nur der erste Sieg in der Meisterschaftsrunde – und das gegen einen bis dahin stets siegreich gebliebenen Top-Favoriten. Jetzt können die Pforzheim schon etwas gelassener das nächste Heimspiel am 20. Oktober um 15 Uhr im Stadion am Rattachweg angehen. Mit RK Heusenstamm kommt zwar der Tabellenzweite der Bundesliga West, doch mit der Leistung aus Frankfurt sind die Hessen aus dem Landkreis Offenbach zu schlagen. Aber dann müsste der TVP endlich einmal daheim zeigen, was er auswärts anscheinend immer locker abrufen kann. tok

 

 

Meisterschaftsrunde

Spiele

Punkte

Diff.

1

Heidelberger RK

3

15

+145

2

SC Frankfurt 1880

4

15

+112

3

RK Heusenstamm

4

13

+124

4

SC Neuenheim

4

12

+47

5

RG Heidelberg

4

11

-33

6

TV Pforzheim

4

7

-61

7

ASV Köln

4

5

-229

8

RC Mainz

3

1

-105